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Radionomy ausprobiert: In nur einer Stunde kostenlos zur eigenen Radiostation

Bei Radionomy kann jeder private User binnen nur einer Stunde eine eigene Radiostation starten. Allerdings muss das Programm auch Hörer finden, sonst wird die Station nach einem Vierteljahr wieder gelöscht.
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Manch ein Kind hat davon geträumt, eine eigene Radiostation zu besitzen. Nun kann der Wunsch Realität werden: Abseits personalisierter Musik-Dienste wie Last.fm oder Pandora gibt es seit einiger Zeit auch die Möglichkeit, mit einer "richtigen" Radiostation im Internet auf Sendung zu gehen und das binnen nur einer Stunde und völlig kostenlos. Dank der Plattform Radionomy wurden auch wir in kurzer Zeit zum Besitzer einer Radiostation, und das ohne professionelle Studioeinrichtung und lediglich mit einem Notebook sowie Smartphone.

Radionomy wurde bereits 2007 gegründet, stand aber lange nur Nutzern in Belgien und Frankreich zur Verfügung. Das belgische Unternehmen übernimmt alle anfallenden Urheberrechtsabgaben, welche an das belgische GEMA-Pendant SABAM entrichtet werden. Das Unternehmen finanziert sich durch Werbung auf der Webseite, während die Radiostreams selbst werbefrei sind.

Kinderleichte Programmierung

Radionomy: In nur einer Stunde kostenlos zur eigenen RadiostationRadionomy: Kostenlos zur eigenen Radiostation Das Szenario zum Start der Radiostation ist kinderleicht: Nach der Registrierung und Erstanmeldung bei Radionomy.com mussten wir zunächst unserer geplanten Radiostation einen Namen geben. Wir wählten, wie schon bei einem früheren Projekt auf der Last.fm-Plattform, den Namen TheFlow.fm aus. Hier hatten wir auch schon ein Logo gebastelt, das wir ebenfalls mit hochgeladen haben. In zwei Sätzen sollten wir zudem die Station beschreiben und die geplanten Musikgenres festlegen.

Als nächsten Schritt legten wir auf den Planungs-Webseiten eine Musik-Playliste an. Dazu kann wahlweise auf vorhandene Playlisten von Radionomy oder auf einzelne Files aus deren Musikarchiv aus über 100 000 Songs zurückgegriffen werden. Es ist aber auch möglich, Musikfiles aus dem eigenen MP3-Archiv hochzuladen. Hierzu ist es jedoch nötig, jeden einzelnen Song zu verifizieren. Der User trägt dann selbst die Verantwortung für das eigenmächtig hochgeladene Material.

Nachdem wir gut 800 Songs unserer Playlist hinzugefügt hatten, produzierten wir mit der Voice-Recorder-App unseres Smartphones ein paar Ansagen und Jingles, die wir ebenfalls in einen vorgegebenen Ordner ("Jingles") auf der Radionomy-Planungs-Webseite abgelegt haben. Außerdem fügten wir per "Voicetracking" unserer Radiostation einige zeitlose Moderationen hinzu, auch hierfür gibt es einen eigenen Ordner auf der Webseite.

Danach haben wir den Tagesablauf des Programms ("Day templates") geplant. Hier kann festgelegt werden, wie häufig Jingles oder Voicetracking-Files laufen sollen. Es wäre auch möglich, Livesendungen zu fahren, jeder registrierte User erhält hierfür einen Zugangscode plus einen eigenen Upstream. Hiervon haben wir bisher jedoch keinen Gebrauch gemacht.

Jeder User erhält eigene Website

Zu guter Letzt haben wir die Playlisten generiert (Menüpunkt "Planning"). Diesen Schritt muss jeder User durchführen, ansonsten würde das Musikstreaming nicht starten. Der Musik-Generator ist auf 14 Tage im Voraus programmierbar. Jeder Benutzer erhält eine eigene Webseite zu seinem Stream, in unserem Fall ist es also www.radionomy.com/theflowfm. Hier ist auch die externe Stream-Adresse veröffentlicht, mit der es möglich ist, den Stream auch auf externen Playern wie WinAmp oder mit WLAN-Internetradio-Geräten zu nutzen. Mobil ist unsere Radiostation über die Radionomy-App auch per Smartphone und Tablet zu hören.

Beim Webseitenbetreiber npage haben wir anschließend noch - ebenfalls kostenlos - eine zusätzliche, eigene Website gebastelt. Hier ist es möglich, den Radionomy-Player, der neben dem Stationsnamen auch Künstler- und Titelnamen sowie Bilder oder Plattencover zum gerade laufenden Song anzeigt, einzubetten. Insgesamt hat uns die Arbeit gerade einmal zwei Stunden gekostet.

Nicht genug Hörer? Radiostation wird wieder gelöscht

Doch wir stehen nun noch vor einer Herausforderung: Unsere Station muss auch Hörer finden. Radiosender, die nach drei Monaten nicht mindestens 12 Stunden täglich gehört werden, löschen die Radionomy-Betreiber unverzüglich. Wer die Hürde überspringt, wird zum "Advanced"-Mitglied. Nach neun Monaten muss man sogar im Schnitt mindestens 130 Stunden täglich gehört werden, damit Radionomy weiter die Kosten übernimmt. Wird diese Zahl nicht erreicht, stellt Radionomy seinen Usern frei, die Radiostation zu löschen. Entscheidet sich der User dagegen, muss er künftig zahlen, für Streaming und die jewiels landesbezogenen Urheberrechtsangaben, in unserem Fall also GEMA und GVL.

Um die Radiostation bekannt zu machen, ist es möglich, direkt von der Radionomy-Seite aus Werbung auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter zu schalten. Ähnlich wie bei Last.fm kann man auch Freundschaften mit anderen Radiobetreibern schließen und mit Partnerstationen zusammenarbeiten. Hier ist es etwa möglich, eigene Playlisten um die des Partners zu erweitern oder sogar Sendungen der Partnerstation in seinen eigenen Sender einzubetten.

Insgesamt zeigt Radionomy eindrucksvoll die Möglichkeiten des Social Webs. Dennoch machen wir uns keine großen Hoffnungen, dass wir mit unserer Radiostation großen Erfolg haben werden. Viele Hörer werden denken, dass sie das doch alles viel besser können und sich eine eigene personalisierte Radiostation basteln. So ist es nicht verwunderlich, dass die meisten der inzwischen gut 5  000 Radiostationen auf der Radionomxy-Plattform zumeist nur vom Betreiber selbst, maximal noch von engen Familienmitgliedern oder Freunden, gehört werden, und nach jeweils drei Monaten wieder von der Bildfläche verschwinden.

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