Umweltbewusstsein

Kampagnen für Fairtrade und Rohstoff-Recycling bei Handys und Smartphones

Mit der Mitmach-Aktion "Handy - Segen oder Fluch?" will das Deutsche Institut für Ärztliche Mission e. V. (Difäm) auf die Umstände bei der Roh­stoff­gewinnung und -verarbeitung bei Smart­phones aufmerksam machen.
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Wer sich ein neues Smartphone kauft oder einen Vertrag mit einem Mobilfunk-Provider eingeht, macht sich in der Regel keine Gedanken darüber, wo das Gerät produziert wurde und unter welchen Umständen die Her­stellung erfolgte. Viele Käufer würden wohl sehr überrascht reagieren, wenn sie erfahren würden, dass das soeben gekaufte Mobil­telefon etwas mit Gewalt und Krankheit in der Demo­kratischen Republik Kongo und Menschen­rechts­ver­letzungen in Billig­lohn­ländern zu tun haben könnte. Mit der Mitmach-Aktion "Handy - Segen oder Fluch?", die noch bis Mai 2014 läuft, will das Deutsche Institut für Ärztliche Mission e. V. (Difäm) auf die Umstände bei der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung bei Smart­phones aufmerksam machen und zum Umdenken anregen. Schirmherrin ist die ehemalige Bundes­justiz­ministerin Herta Däubler-Gmelin. Einzel­personen, Gemeinden, Schulen und Gruppen sind aufgerufen, sich mit Unterricht, Veranstaltungen oder Handy-Sammlungen an der Kampagne zu beteiligen.

Die Kampagne prangert vor allem an, dass aus­gediente Mobil­telefone in den Schub­laden der Deutschen verschwinden oder sogar auf dem Hausmüll landen. Allein in Deutschland liegen fast 83 Millionen alte und defekte Mobiltelefone unbenutzt im Schrank. Dabei sind Rohstoffe wie Gold, Kupfer oder Coltan ein kostbares Gut und nicht unbegrenzt verfügbar. "Ohne das seltene Coltan, das für die Herstellung technischer Geräte unabdingbar ist, gäbe es weltweite Funkstille", heißt es in einer Mitteilung der Verantwort­lichen.

Kinderarbeit und Gewalt

Smartphones beinhalten viele, wertvolle RohstoffeSmartphones beinhalten viele wertvolle Rohstoffe Das für die Produktion nötige Erz stamme häufig aus dem Ostkongo, wo es unter lebens­bedroh­lichen Bedingungen und teils durch Kinderarbeit abgebaut würde. Rebellen und Soldaten kämpften seit Jahren um die Kontrolle der Boden­schätze. Die Folgen seien brutale Gewalt und Armut. "Frauen trauen sich oft nicht mehr auf ihre Felder und können ihre Familien nicht mehr versorgen. Kinder können nicht mehr in die Schule gehen und schuften in den teils illegal betriebenen Minen. Mit dem Verkauf der Rohstoffe verdienen die Minenbetreiber Geld für den Waffenkauf", lautet der dramatische Apell der Kampagnen­betreiber.

Oft seien die Handels­wege, auf denen die Rohstoffe auf den Weltmarkt kämen, illegal. In Fertig­ungs­fabriken asiatischer Länder würden sie unter teils menschen­unwürdigen Bedingungen verarbeitet und landeten schließlich in Smartphones, von denen mittler­weile mehr als 1,6 Milliarden pro Jahr weltweit produziert und verkauft werden. Eine gezielte Wieder­verwertung der Rohstoffe oder Wieder­ver­wendung der alten Telefone würde den neuen Bedarf deutlich senken, heißt es.

Gemeinsam mit Partnern wie dem Zentrum für Ent­wicklungs­bezogene Bildung (ZEB) ruft das Difäm daher Gemeinden, Schulen und Einzelpersonen auf, sich aktiv an der Aktion zu beteiligen und ein Zeichen für Gerechtigkeit und gegen Gewalt und Ausbeutung zu setzen. Zur Kampagne gehören Informations­ver­anstaltungen mit Bildungsmaterialien im Schulunterricht sowie Arbeitsblätter, die Interessierte kostenfrei auf der Internetseite des Difäm herunterladen oder gesammelt in einer Mappe bestellen können.

Fairphone-Kampagne ein kleiner Erfolg

Eine andere, vielbeachtete Crowdfunding-Kampagne im Netz startete im vergangenen Jahr in den Niederlanden. Als erstes Smartphone wird das Fairphone unter möglichst fairen Bedingungen produziert, auch wenn es vereinzelt Kritik an der Kampagne gibt. So stammen einige der Materialien zwar aus konfliktfreien Minen, aber sie seien deswegen noch lange nicht fair: "Es sind zwar keine Milizen am Abbau beteiligt, Kinderarbeit ist aber trotz­dem nicht auszuschließen", so Autor Sebastian Jekutsch in einem Beitrag des Bayerischen Rundfunk (BR).

Dennoch kann die Kampagne einen Achtungs­erfolg verzeichnen: In den letzten Tagen sind die ersten Fairphones ausgeliefert worden, viele Kunden berichten in Internet-Foren überwiegend von positiven Ein­drücken. Laut eigenen Angaben ist das erste Kontingent - 25 000 Geräte - ausverkauft. Experten sehen allerdings reale dauerhafte Markt­chancen nur dann, wenn große Mobil­funk­betreiber wie die Telekom oder Vodafone das Mobiltelefon in ihrem Portfolio anbieten. Aktuell kann das Fairphone nur online beim Anbieter bestellt werden. Der Preis beträgt 325 Euro, damit ist es etwas teurer als andere Mittel­klasse-Modelle mit ähnlichen Aus­stattungs­merkmalen.

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