Internet-TV

Kampf der Systeme: Das offene Internet drängt auf den Fernseher

Noch versuchen die Hersteller eigene Lösungen, aber nicht mehr lange

Auch Samsung bezeichnet seine neuesten Fernseher als Smart-TV, auch wenn der koreanische Hersteller an der oben dargestellten Smart-TV-Allianz (noch) nicht beteiligt ist. Samsung fasst unter "Smart-TV" ebenso wie die Konkurrenz seine vernetzten High-End-Modelle zusammen, bezieht sich aber auch auf Kriterien wie Design, Bild- und Tonqualität und bezeichnet viele Fernseher als "Smart-TV", wenn diese dem Kunden ein spezielles Fernseherlebnis ermöglichen. Gerade wenn die Smart-TV-Allianz von LG, Loewe, Philips und Sharp Zuspruch von Entwicklerseite erfährt, werden sich die Nutzungsmöglichkeiten und die Palette an verfügbarer Apps dieser Smart-TVs deutlich von jenen von Samsung unterscheiden.

Mit Google TV: Sony Internet-TV verzichtet auf herkömmliche TV-Empfangstechnik

teltarif.de auf dem Sony Internet-TV Sony Internet-TV: Web-Zugang über den Google-Chrome-Browser
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Noch weiter als die Smart-TV-Allianz geht Google TV, das auf der IFA unter anderen auf dem Internet-TV von Sony gezeigt wird. Der Flachbildschirm verzichtet komplett auf einen TV-Tuner herkömmlicher Technologie, sondern bezieht alle Inhalte nur noch aus dem Netz. Im Inneren des Fernsehers steckt Rechenleistung wie in einem hochgerüsteten All-in-One-PC, etwa ein aktueller Mehrkern-Prozessor von Intel und eine teure Grafikkarte. Gesteuert wird der Sony Internet-TV mit einer speziellen Fernbedienung mit kompletter QWERTY-Tastatur und zahlreichen Navigationstasten und Scrollfeldern. Diese sieht zwar auf den ersten Blick kompliziert aus, wir konnten uns in einem Test aber davon überzeugen, dass die Bedienung des Internet-TV mit dieser Fernbedienung intuitiv möglich ist.

Wenig verwunderlich ist die Wahl des Betriebssystems: Sony verbaut in seinem Internet-TV eine speziell an das große TV-Display angepasste Version von Google Android, über einen adaptierten Android Market kann der TV-Zuschauer weitere Apps herunterladen. Auch hier werden vorrangig solche Programme angeboten, die für das großformatige Display optimiert wurden. Auch in den weiteren Elementen kann der Sony Internet-TV seine enge Zusammenarbeit mit Google nicht verbergen. Als Browser ist Google Chrome an Bord, Flash 10.1 wird ebenso unterstützt. Direkte Verlinkungen existieren zum Google-Videodienst Youtube, zum Kartendienst Google Maps und zum Freemailer Google Mail.

Der Sony Internet-TV ist bislang nur in USA erhältlich, genaue Produktspezifikationen, Versionsnummern oder ähnliches für Produkte außerhalb der USA wurden in Berlin nicht verraten. Sony plane einen Markteintritt je nachdem, wo und wie schnell Google sein eigenes Programm Google TV auf den Markt bringt. Google sei mit dem Roll-Out von Google TV zuletzt etwas ins Stocken geraten: Zum einen arbeite Google intensiv an der Vollendung der Software, ebenso gestalten sich Verhandlungen mit den TV-Sender sowohl in USA als auch anderswo schwierig. Folglich ist ein Marktstart von Google TV und auch des Internet-TV von Sony derzeit nicht konkret benannt.

"Der Weg zum offenen Internet auf dem Fernseher ist nicht mehr weit"

Lange hat jeder TV-Hersteller sein eigenes Süppchen gekocht und gehofft, mit eigenen, geschlossenen Lösungen den Kunden vom Internet auf dem Wohnzimmer-Fernseher zu überzeugen. Mangelnde Softwarevielfalt und der Erfolg von Tablets und Smartphones ließen letztere Geräte neben dem Notebook zum vorherrschenden Internetgerät im Wohnzimmer werden. Der Fernseher hat hier für die Zukunft trotz des viel größeren und meist besseren Displays nur eine Chance, wenn er bei zwei Merkmalen aufholt: Eine breite von vielen akzeptierte App-Plattform und der Zugang zum offenen, echten Internet.

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