Ausstellung

Der Traum vom Internet ohne Überwachung

Datenschutzaktivisten bieten im Rahmen einer Kunstausstellung in Oldenburg einen Autonomy Cube an, mit dem Internet-Nutzer anonym per WLAN ins Internet gehen können.
Von dpa / Marie-Anne Winter
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Sobald wir im Internet surfen, hinterlassen wir Spuren. Diese verraten, wo wir uns gerade aufhalten, mit wem wir kommunizieren oder welche Seiten wir aufsuchen. Dass Geheimdienste wie die NSA diese für eine massenhafte Überwachung nutzen, ist spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden bekannt. Die NSA-Affäre schlug hohe Wellen, doch an unserem Umgang mit dem Internet hat das wenig geändert. Mit einer Kunstausstellung in Oldenburg wollen prominente Netzaktivisten jetzt auf die Gefahren hinweisen, die die permanente Bespitzelung birgt. Darin eröffnet die Kunst selbst einen Ausweg.

Mit dem Autonomy Cube kann man anonym im Internet surfenMit dem Autonomy Cube kann man anonym im Internet surfen Minimalistische Leere empfängt den Besucher im Edith-Russ-Haus. Auf dem Boden steht ein mit Technik gefüllter Plexiglas-Würfel, sonst nichts. Die Skulptur Autonomy Cube ist das einzige Kunstwerk in der gleichnamigen Ausstellung. Sie steht nicht nur symbolisch für ein Internet, wie es sich der Wikileaks-Aktivist Jacob Applebaum und der US-Künstler Trevor Paglen wünschen. Sie trägt auch ganz aktiv dazu bei: Der Cube ist ein Wi-Fi-Hotspot, über den Besucher anonym ins Internet gehen können.

Ein Kunstwerk wird Teil des Internet

"Das Kunstwerk wird zu einem echten Teil des Internets - eines Internets, das freie Meinungsäußerung ermöglicht", erläutert Applebaum. Der Hacker und Snowden-Unterstützer hat die Anonymisierungstechnik Tor mitentwickelt, die auch der Cube nutzt. "In unserer Vorstellung gleicht das Internet einer Bibliothek", sagt Paglen. "Diese steht allen offen, ohne dass die Polizei erfährt, welche Bücher ich mir ausgeliehen habe." Paglen und Applebaum arbeiten seit 2013 zusammen. Mehrere Cubes haben sie bereits geschaffen, doch keiner war bisher so groß und leistungsstark wie der in Oldenburg.

Über Verstärker strahlt er aus dem Edith-Russ-Haus in die Stadt aus. Das ganze Haus wird dadurch quasi zum "Cube", erläutert Kurator Marcel Schwierin. "Die Besucher sollen jederzeit vorbeikommen können, ihre Mails checken, miteinander diskutieren." Die Ausstellung kostet deshalb keinen Eintritt. Dadurch soll das Haus zu einem Forum werden, das die Debatte über die Privatsphäre im Internet vorantreibt. Dazu beitragen sollen auch Videos und Dokumente, die die Besucher über die Geschichte der Überwachung, über Verschlüsselung, Wikileaks und die NSA-Affäre informieren. "Vielen Menschen sind die Folgen der Überwachung nicht bewusst genug", meint Schwierin.

Kleine autonome Blasen

Dabei sind die Folgen gravierend. Paglen, der in der Vergangenheit schon Spionagesatelliten und Geheimdienstquartiere für seine politische Kunst fotografiert hat, bringt sie auf den Punkt: "Das Internet ist eine feindliche Umgebung." Google, Facebook und andere Konzerne sammelten massenhaft Daten, um damit in Zukunft Geld zu machen. So könnte der Arbeitgeber Informationen darüber bekommen, welche seiner Mitarbeiter sich auf Stellenportalen umschauen. Die Krankenversicherung erhält Bilder aus sozialen Netzwerken, die Versicherte beim Rauchen oder gefährlichen Sportarten zeigen.

Mit der Autonomy Cube wollen Applebaum und Paglen kleine Blasen im Internet schaffen, in denen sich die Nutzer sorglos bewegen können. Sie planen, noch mehr dieser Würfel zu bauen - immer dann, wenn sie das Geld dafür zusammen hätten, sagt Applebaum. "Die Cubes sind sehr teuer."

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