Gerätevernetzung

Totale Vernetzung mit Intel: Komfort ist nur schwer mit Datenschutz vereinbar

Hersteller digital vernetzter Haustechnik bereiten sich darauf vor, ihre Geräte in den Alltag zu bringen. Auch Intel mischt hier mit und zeigt, wie sich der Chiphersteller die Zukunft vorstellt. Mehr dazu lesen Sie bei uns.
Von dpa / Jennifer Buchholz
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Das Auto, das allein die Spur halten kann, der Ofen, der die Lebens­mittel ganz von selbst richtig backt oder die Zahn­bürste, die weiß, ob ihr Nutzer korrekt die Zähne putzt: Möglich machen soll dies das Internet der Dinge. Nicht mehr nur Computer und Smart­phones sind ans weltweite Daten­netz angeschlossen, sondern alle möglichen Geräte - von der Kaffee­maschine bis zum Garagentor. Die Ein­satz­möglich­keiten scheinen nahezu un­be­grenzt. Firmen wie Bosch oder Intel haben dies erkannt und gründen eigene Unter­nehmens­zweige für den neuen Markt. Der Halbleiter-Riese will sich gar an die Spitze setzen. "Wir wollen alle Geräte smart machen", gab Intel-Chef Brian Krzanich kürzlich die Devise aus.

"Das Internet der Dinge verändert, wie Firmen arbeiten"

"Jede Sensation, die über Nacht kommt, wurde 20 Jahre lang vorbereitet. So ist es auch mit dem Internet der Dinge", sagte Intel-Vizepräsident und Chef der gleich­namigen Sparte Doug Davis. "Das Internet der Dinge ver­ändert, wie Firmen arbeiten und wie wir leben." Es wird eine riesige Be­wegung: Bis zum Jahr 2020 werde es mehr als 50 Milliarden vernetzte Geräte weltweit geben, schätzt der weltgrößte Netzwerk-Ausrüster Ericsson.

Beispiele seien etwa ein Her­steller für Auto­batterien, der über das Internet jede einzelne Batterie verfolgen könne. "Die haben all diese Informationen in ihrem Daten­zentrum und wissen immer, wo jede Batterie ist, wie alt sie ist und wie viel Energie sie noch hat." Oder ein Logistik-Unternehmen, das seinen Last­wagen­fahrern mit Hilfe der Technik zeigen könne, wie sie noch effizienter fahren.

Intel will das Leben seiner Kunden erleichtern

Intel will das Leben seiner Kunden durch Smart-Home erleichternIntel will das Leben seiner Kunden durch Smart-Home erleichtern "Und auch für Konsumenten gibt es viele faszinierende Möglich­keiten - etwa eine App auf dem Smartphone, mit der man vom Arbeits­platz aus prüfen kann, ob man zu Hause die Garagen­tür zugemacht hat", sagt Davis. Oder der Ofen, der anhand eines Strichcodes auf der Kuchen­verpackung erkennt, wie die Süßspeise perfekt zu­be­reitet wird. "Ich nehme den Kuchen aus der Gefriertruhe und stelle ihn nur rein - und der Backofen taut ihn auf, stellt dann die perfekte Temperatur für die Füllung ein und am Ende bräunt er die Kruste."

Intel will hier an allen Stellen der Kette präsent sein: Mit Chips und Prozessoren etwa für Smartphones und andere Klein­geräte, aber auch an den Schnitt­stellen, der Netz-Infrastruktur und auch bei den Servern. Die neueste Entwicklung: Der Mikro-Computer Edison, der so groß wie eine SD-Speicher­karte ist. Junge Unternehmen und Forscher sollen damit in kürzester Zeit ihre Ideen für vernetzte Technik umsetzen können. Der Kleinst-Computer soll im Lauf des Jahres auf den Markt kommen, zu den Kosten äußert sich Intel noch nicht. Ein An­wendungs­bei­spiel ist eine Art Baby-Strampelanzug, der Schlaf, Herzrate und Atem­frequenz überwacht und den Eltern über eine ver­netzte Kaffeetasse übermittelt.

Diese ganzen neuen Möglich­keiten könnten dem einen oder anderen schon Angst machen, gibt Davis zu. "Ich glaube nicht, dass sich die Welt dadurch dramatisch ändern wird. Aber das Internet der Dinge kann die Gegenstände, mit denen wir jeden Tag umgehen, nützlicher, effizienter und sicherer machen."

Sicher­heits­rechtliche Bedenken bestehen weiterhin

Eines der Haupt­probleme beim Internet der Dinge ist jedoch die Daten­sicher­heit. Erst kürzlich hatte das Sicher­heits­unter­nehmen Proof­point darauf hingewiesen, dass Hacker mit Hilfe vernetzter Haus­halts­geräte und Unter­haltungs­elektronik wie Smart-TV und Kühl­schrank ein sogenanntes Botnetz errichtet haben, aus dem Hundert­tausende von Spam-E-Mails verschickt wurden. "Das Thema Sicherheit ist fundamental für alles, worüber wir hier reden", sagt Davis. "Die Geräte müssen sicher sein, die Daten, die sie erzeugen, müssen geschützt sein und auch deren Auswertung muss privat bleiben, wenn man das will."

Daher werde am besten schon in die Prozessoren und Chips ein Anti­viren­programm eingebaut. "Es ist immens wichtig, in diese Technik zu investieren." Aus diesem Grund habe Intel vor drei Jahren auch den Hersteller von Anti­viren­software McAfee übernommen.

Datenschützer bleiben skeptisch. "Wir haben bei dem Thema durchaus sicher­heits­rechtliche Bedenken", sagt Miriam Meder vom bayerischen Landesamt für Daten­schutz­aufsicht. Zugunsten der Nutzer­freund­lich­keit werde die Daten­sicherheit bei vielen Geräten wahrscheinlich eher hintenan stehen. Wenn sich die Zahl der Dienstleister erhöhe, steige auch die Miss­brauchs­gefahr. "Transparenz ist uns dabei sehr wichtig. Die Nutzer müssen erfahren, was mit ihren Daten passiert, wie sie verknüpft werden, wer Zugriff darauf hat und wo sie gespeichert werden."

Eine weitere Schwierigkeit sind neben den enormen Datenmengen auch bisher noch fehlende einheitliche Standards für den Daten­austausch zwischen ver­schiedenen Geräten. "Um gemeinsame Standards zu entwickeln, müssen wir mit anderen Unternehmen in dieser Branche zusammen­arbeiten", sagt Davis.

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