Sicherheit

Meltdown und Spectre: Intel versucht zu beschwichtigen

Nachdem die ersten Updates zum notdürftigen Verschließen der Meltdown- und Spectre-Lücken in Prozessoren da sind, hat Intel erste Benchmarks mit den Auswirkungen vorgelegt. Die Werte sind laut Intel nicht so dramatisch wie befürchtet, sorgen aber in einem anderen Punkt für neue Fragen.
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Sicherheit bei BetriebssystemenDie Windows-Patches gegen Meltdown und Spectre beeinflussen die PC-Leistung Als die ersten handfesten Informationen zu den Sicherheits­lücken in einer Vielzahl an Prozessoren auftauchten, wurde bereits von teils dramatischen Einbrüchen bei der Leistung spekuliert. Dies wird auf die Art der Ursachen der bekannt­gewordenen Sicherheits­lücken zurückgeführt, da sich der Arbeits­aufwand der Chips zum Teil deutlich erhöht.

Nun hat Prozessor-Hersteller Intel seine Benchmarks veröffentlicht, die mit den von Microsoft veröffentlichten Patches für Windows 7 und Windows 10 durchgeführt wurden. Diese sollen zeigen, dass sich die Performance-Einbrüche mit den installierten Patches zwar messen lassen, aber von den wenigsten Anwendern auch tatsächlich bemerkt werden dürften. Zu beachten ist, dass die Testreihen von Intel mit Top-Hardware durchgeführt wurden und Mittelklasse-Systeme sowie Einsteiger-Geräte nicht mit berücksichtigt.

Getestet wurden vier Prozessoren der Chip-Familien Skylake (Core i7 6700k), Kaby Lake (Core i7 7920HQ) und Coffee Lake (Core i7 8650U sowie Core i7 8700k) mit Windows 10 und verschiedenen Test­szenarien. Dabei bewegten sich die laut Intel gemessenen Leistungs­einbrüche zwischen 0 und 10 Prozent, bei manchen Testszenarien gab es sogar eine leichte Verbesserung um wenige Prozentpunkte. Der Konzern gibt jedoch zu bedenken, dass im Durchschnitt eine Abweichung von +-3 Prozent zu berücksichtigen sei. Alle Ergebnisse der von Intel durchgeführten Tests hat der Konzern in einem PDF-Dokument zusammengefasst.

Eine Frage der Anwendungsgebiete

Zudem gibt Intel zu bedenken, dass bei bestimmten Anwendern, die im Bereich Office oder Medien­erstellung tätig sind, stärkere Leistungs­einbrüche feststellen können. Insbesondere Anwendungen die auf JavaScript angewiesen sind, wie zum Beispiel zahlreiche Web-Apps, können die Leistung negativ beeinflussen.

Ganz anders wiederum sieht es bei stark I/O-abhängigen Anwendungen aus. Die von Intel verwendeten Systeme zeigte zum Teil bis zu 21 Prozent weniger Leistung als ohne die Windows-Patches. Am meisten betroffen sind daher tendenziell hoch­spezialisierte Geschäfts­anwendungen, Datenbank-Server und auch Virtualisierungs­lösungen. Erste Stimmen aus der Branche geben mittlerweile zu bedenken, dass Administratoren unter Umständen zwischen benötigter Leistung oder verbesserter Sicherheit abwägen sollten.

Interessante Randnotiz ist dabei, dass unter einem Windows-7-System mit Magnet­festplatte keine Leistungs­einschränkungen messbar waren. Demzufolge sind vor allem Windows-Systeme mit SSD von den Folgen der Sicherheits­patches betroffen.

PC-Spieler sind weniger stark betroffen

Auch bei Spielen haben erste Tests mit den eingespielten Sicherheits­patches Leistungs­einbrüche zu Tage gefördert, die je nach Spiel unterschiedlich ausfallen. Als Beispiel wird in einem Video von Digital Foundry neben anderen Titeln das besonders Prozessor-lastige Spiel "The Witcher 3: Wild Hunt" herangezogen. Als Test­plattform kam Windows 10 mit einem Core i5 8400 und einer Grafik­karte mit NVIDIA-Titan-X-Chip der Pascal-Architektur zum Einsatz, sowie weitere auf Spiele abgestimmte Hardware.

Die Framerate ist dabei in Witcher 3 von 140 Frames pro Sekunde um durch­schnittlich 10 Frames pro Sekunde gefallen auf nur noch knapp 130 Frames pro Sekunde. In anderen Spielen sind die gesunkenen Frameraten nicht so stark. Digital Foundry bezeichnet diese Test­ergebnisse bei The Witcher 3 als die am stärksten auftretenden Leistungs­einbrüche für PC-Spieler.

Unterm Strich haben PC-Spieler wohl die geringsten Sorgen, da in den meisten getesteten Spielen die Leistungs­einbrüche im Eifer des Gefechts kaum auffallen dürften. Allerdings nur unter der Prämisse, dass auch einiger­maßen potente Gaming-Hardware bei Mainboard, Prozessor, RAM und Grafikkarte verwendet wird.

Fragwürdige Testreihen

Auch wenn es für sich betrachtet gute Neuigkeiten sind, dass der zu erwartende Leistungs­einbruch "nur" bis zu 10 Prozent betragen kann, wirft die Testreihe selbst zusätzliche Fragen auf. Denn durchgeführt hat Intel die Testreihen lediglich mit den potenteren Varianten der Core-i7-Reihe, lässt aber gerade in Office-Rechnern gebräuchlichere Modell­reihen wie Core i3, Celeron, Pentium oder auch die in Notebooks verwendeten Core-M-Chips völlig außer Acht. Man kann daher nur vermuten, dass unter Einbeziehung der genannten Prozessor-Familien die Statistik wesentlich schlechter ausfallen würde, als es Intel lieb wäre. Objektiv und vor allem transparent ist das Vorgehen daher nicht.

Um die Sache jedoch besser einschätzen zu können, wären umfassende Benchmark-Testreihen mit AMD-Systemen nicht verkehrt. Nur mangelt es bisher an diesen belastbaren Daten. Außerdem wurden Mittel­klasse-Systeme nur unzureichend bis überhaupt nicht einbezogen in die Überlegungen. Bei diesen können sich die gemessenen 10 Prozent weniger Leistung sehr wohl bemerkbar machen und das auch bei Spielern.

Des Weiteren sei an dieser Stelle auf eine äußerst interessante Twitter-Konversation des ehemaligen Intel-Mitarbeiters Joe Fitz hingewiesen, in welcher er erklärt, warum so schnell nicht mit einer neuen fehler­bereinigten Hardware-Revision aktueller Prozessoren zu rechnen ist.

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