30-fache Leistung

Intel auf der IFA: Ein Dutzend 4K-Videos gleichzeitig

Intel steigert die Performance der sechsten Generation der Core-Prozessoren vor allem im Grafik-Bereich. Ein Blick auf die Konkurrenz zeigt, warum.
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Intel hat heute auf der IFA die offizielle Einführung der sechsten Generation der Core-Prozessoren bekannt gegeben. Im Vergleich zu den Prozessoren in vier bis fünf Jahre alten PCs und Laptops, von denen laut Intel noch eine halbe Milliarde in Betrieb sind, soll die zentrale Recheneinheit (CPU) der sechsten Core-Generation die bis zu zweieinhalbfache Rechenleistung bei der bis zu dreifachen Batterielaufzeit in insgesamt nur halb so schweren und halb so dicken Mobilgeräten liefern. Zugleich wurde die Rechenleistung der Grafikeinheit (GPU) im selben Zeitraum verdreißigfacht.

Kirk Skaugen präsentiert auf der IFA die Neuheiten von IntelKirk Skaugen präsentiert auf der IFA die Neuheiten von Intel Bei bestimmten Anwendungen - beispielsweise der gleichzeitigen Dekodierung von vielen parallelen H.265-Video-Strömen - zeigen sich die Core-Prozessoren der sechsten Generation gemäß der Präsentation auf der Messe sogar dedizierten High-End-Grafikkarten im Wert von 2 000 US-Dollar überlegen. Doch warum will man überhaupt mehrere 4K-Videos auf einmal dekodieren? Intel zeigte hierfür zwei typische Anwendungen auf der IFA: Gaming und 360°-Videos. So muss ein Spiel im Multihead-Betrieb mit drei 4K-Displays auch alle drei mit Inhalten versorgen können.

360°-Videos werden von einem "Kameraball" aufgenommen, bei dem sechs Kameras die Umgebung in allen möglichen Richtungen aufzeichnen. Diese Streams werden dann zu einem Video zusammengesetzt. In diesem kann der Nutzer bei der Wiedergabe eine beliebige Blickrichtung wählen - auch mit Winkeln, die zwischen denen der Kameras liegen. Das für die jeweils gewählte Blickrichtung passende Bild wird erst bei der Wiedergabe berechnet. Auf YouTube gibt es bereits einen 360°-Kanal. Die Wiedergabe des Kanals - derzeit natürlich noch mit deutlich niedrigerer Auflösung als 4K - funktioniert aber noch nicht auf allen Geräten. Den besten Eindruck von 360°-Videos bekommt man mit der YouTube-App auf einem Smartphone: Dort kann man den Ausschnitt, den man sieht, nicht nur per Wischgeste verschieben, sondern auch durch Kippen und Drehen des Smartphones.

Aber zurück zu den 4K-Video-Dekodierfähigkeiten: Ein weiterer Grund für Performance-Reserven ist der Stromverbrauch. Schaut der Anwender nur einen normalen 4K-Stream, wird nur ein kleiner Teil der gesamten Dekodierkapazität der neuen Core-Prozessoren benötigt. Diese können folglich stark heruntertakten und damit Strom sparen. Anwender können sich entsprechend beim mobilen Videoschauen über leise Lüfter und lange Batterielaufzeiten freuen.

Immer mobiler

Großen Wert legt Intel darauf, die Verwendung mobiler Geräte einfacher zu machen. Ultimatives Ziel ist das kabellose Dock: Ein Laptop kann in diesem sowohl kabellos aufgeladen werden, als auch kabellos die Daten an einen oder mehrere Monitore übertragen. Für letzteres unterstützt Intel den kommenden Standard WiGig alias 802.11ad. Die Reichweite beträgt zwar nur noch einige Meter, aber für eine Docking-Station an einem Arbeitsplatz reicht das locker.

Intel setzt auf 4K-AnwendungenIntel setzt auf 4K-Anwendungen Wer nicht auf Kabel verzichten will, braucht künftig möglicherweise nur noch eines: Thunderbolt 3 ist kompatibel mit USB 3.1 und transportiert Anwendungsdaten, Display-Inhalte und Strom über dasselbe Kabel. Für Display-Daten wird dabei die maximale Datenrate im Vergleich zum vor allem von Apple verwendeten Thunderbolt 2 nochmals auf 40 GBit/s verdoppelt. Im USB-3.1-Modus werden über den kombinierten Thunderbolt/USB-Anschluss mit USB-Typ-C-Buchse hingegen "nur" 10 GBit/s erreicht - auch das viel mehr, als die meisten USB-Peripheriegeräte überhaupt liefern können.

Moores Dilemma

Die Diskrepanz der anfangs genannten Leistungswerte - bis zu 2,5-fache CPU-Leistung bei zugleich bis zu 30-facher GPU-Leistung - ist wenig verwunderlich, wenn man sich die Entwicklung der letzten Jahre anschaut. Die Zeiten, dass Intel die CPU-Leistung gemäß dem nach dem Intel-Gründer Gordon Moore benannten Mooreschen Gesetz etwa alle zwei Jahre verdoppeln konnte, sind schon lange vorbei. Die Konkurrenz - von der bei den Desktop-Chips nur noch AMD verblieben ist - hat die Einzelkern-Leistung in den letzten Jahren aber noch weniger steigern können als Intel, so dass Intel - der im Vergleich zu früher vergleichsweise geringen Leistungssteigerung zum Trotz - inzwischen unangefochtener CPU-Leistungsführer ist. Anders bei der Leistung der eingebauten GPUs, wo AMD in Benchmarks meist vor Intel lag. Kein Wunder, dass Intel im GPU-Bereich besonders aufrüstet.

Im Mobilbereich wird Intel hingegen vor allem von ARM-Prozessoren angegriffen. Diese besitzen merklich geringere CPU-Performance als die Intel-Chips. Doch durch Spezial-Co-Prozessoren für Audio und Video kommen auch ARM-Chips inzwischen mit höchsten Auflösungen problemlos klar, bei zugleich minimalem Stromverbrauch. Auch hier will Intel hinterher und zumindest den Tablet-Markt für sich zurückerobern. Die steigenden Verkaufszahlen von 2-in-1-Geräten, die vom Laptop durch Abnahme der Tastatur zum Tablet konvertieren, bestätigen Intels Strategie.

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