atomisiert

Intel sucht Platz im Tablet- und Smartphone-Prozessor-Markt

Extrem schwieriger Markteintritt in die Mobilwelt

Um zumindest einen Fuß in das Mobilgeschäft zu bekommen, schlug Intel vor einem halben Jahr kurzerhand zu, als der angeschlagene deutsche Chiphersteller Infineon nach Käufern für Geschäftsteile suchte, und übernahm dessen Mobilfunksparte. Dazu gehört auch die Produktion von Baseband-Chips samt integriertem ARM-Prozessor für Billighandys und die Handy-Mittelklasse der "Feature Phones". Für Smartphones sind diese Prozessoren aber zu langsam.

Intel bringt diese Transaktion etliche Vorteile: Sie sind plötzlich nicht mehr der im Mobilfunkbereich unbekannte Dritte, sondern ein wichtiger Geschäftspartner für alle Handy-Hersteller, die nicht nur Smartphones im Programm haben. Dadurch erfahren sie deren Sorgen, Nöte und Anforderungen aus erster Hand, und können den Atom darauf hin optimieren. Zudem könnte Intel diejenigen Hersteller bevorzugt mit einfach-ARM-Chips beliefern, die auch Atoms für Handys abnehmen. Zwar hat sich Intel wegen ähnlicher Praktiken bei PC-Prozessoren und -Chipsätzen in der Vergangenheit Ärger mit dem europäischen wie dem US-amerikanischen Kartellamt eingehandelt und alleine in Europa über eine Milliarde Euro an Strafe bezahlt. Doch ist Intel im Mobilfunk-Chip-Segment nicht marktbeherrschend und ein Eingreifen der Kartellbehörden entsprechend weniger wahrscheinlich.

Schließlich könnte die Infineon-Übernahme Intel auch ermöglichen, vom hohen Ross herunterzukommen und auch wieder high-end-ARM-CPUs herzustellen. Entsprechende Schutzklauseln, dieses nicht zu tun, die Intel beim Verkauf des ARM/X-Scale-Geschäfts an Marvell sicher unterschreiben musste, sollten in absehbarer Zeit auslaufen, wenn sie es nicht eh schon sind. Da Intel bei der Chip-Fertigung in vieler Hinsicht führend ist (Integrationsdichte, Stückzahlen, Zuverlässigkeit etc.) sollten sie so auch recht schnell in den Markt hineinfinden können. Allerdings erklärte der von Infineon zu Intel übernommene Prof. Dr. Eul im Gespräch mit teltarif.de ausdrücklich, dass Intel diese Option derzeit nicht verfolgt.

Auf der Suche nach dem Markteintritt

Es bleibt dabei: Aktuell sucht Intel nach einer Gelegenheit, einen Fuß in den boomenden Smartphone- und Tablet-Markt zu bekommen. Die Chancen, dass Intel dieses demnächst schafft, stehen dabei im Tablet-Bereich deutlich besser als im Smartphone-Bereich. Aber wir müssen wohl konkrete Produkte abwarten, um zu sehen, wie sich Honeycomb-Tablets auf ARM bzw. Atom bezüglich Laufzeit, Performance und Stabilität vergleichen. In ein bis zwei Jahren wird sich auch zeigen, ob es Intel mit MeeGo und/oder Microsoft mit Windows 8 schaffen werden, an die hohe Qualität der etablierten Touch-Betriebssysteme heranzukommen.

Ein erfolgreicher Markteintritt Intels hätte für die Verbraucher im Smartphone- und Tablet-Segment durchaus Vorteile: Beide Protagonisten, ARM wie Intel, wären gezwungen, sich kräftig anzustrengen und ihre jeweilige Plattform bestmöglich weiterzuentwickeln. Und keiner könnte Monopol-Preise abkassieren. Am Ende bekommen die Verbraucher hoffentlich eine große Auswahl an Geräten zu fairen Preisen.,

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