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Schlümpfe und Frösche in der Stadt: Ingress-Event hat Finale in Berlin

Tausende Ingress-Spieler trafen beim internationalen Ingress-Event "#Recursion" in Berlin und Los Angeles zusammen. teltarif.de war dabei und hat das Finale und die Vorbereitungen dazu begleitet.
Aus Berlin berichtet
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Graffiti-Künstler am Rande des Events."Painting the city blue": Graffiti-Künstler am Rande des Events. Ein Spiel ohne Gewinner - dies macht das Augmented-Reality-Spiel Ingress eigentlich aus. Spiel­bar ist es ausschließlich per Smart­phone, über die Android-App des Entwicklers Niantic Labs. Die Spieler ("Agenten") sehen dort auf einer ver­fremdeten Karte von Google Maps ihren Standort sowie alle Spiel­elemente. Während sie sich über die Karte bewegen, sammeln sie "exotische Materie" (XM) ein, mit der sie Aktionen ausführen können.

Seit Mitte Februar fand an sieben Spieltagen ein internationales Ingress-Event mit Turnier­charakter statt, die "Operation #Recursion". Das als "XM-Anomalie" bezeichnete Finale wurde am gestrigen Samstag, 29. März, in sechs Städten Europas bzw. Nordamerikas ausgetragen. Berlin war neben Los Angeles einer der beiden Hauptaustragungsorte. "Satelliten­städte" waren Nantes und Brüssel sowie Oakland und Spokane.

Ganz im Gegensatz zum Grundspiel konnte hier eine der beiden Fraktionen - die Resistance (Widerstand) und die Enlightened (Erleuchteten) - als Sieger hervorgehen.

Bereits zwei Events dieser Art

Bei den zwei vorhergehenden Turnieren ging der Sieg jeweils an die grüne Fraktion der Erleuchteten. In den letzten Wochen zeichnete sich jedoch eine Wende ab: Der blaue Widerstand konnte durch einen gesteigerten Organisierungsgrad und eine stärkere Mobilisierung nicht nur mehr Mitspieler gewinnen, sondern auch bessere Einzel­wertungen erzielen.

Agenten durchstreiften Berlin

Briefing der Teams.Briefing der Teams. Allein im Schauplatz Berlin sind es hunderte Spieler, laut Veranstalter Niantic Labs ca. 800, die mit Smartphones, Tablets und Akkupacks bewaffnet im Berliner Mauerpark antreten, um für ihre Fraktion die entscheidenden Punkte zu holen. Hier bildeten sich die Gruppen innerhalb der Fraktionen von "Schlümpfen" und "Fröschen", wie sich die Spieler humorvoll selbst bezeichnen. Drei Stunden lang durchzogen die Teams die Hauptstadt - zu Fuß, per Fahrrad oder im Auto. Teilweise konnten ganze Kleinbusse voller Agenten beobachtet werden.

Umkämpft waren Portale, die für den Event als für die Auswertung relevant ausgedeutet wurden. Diese mussten die Spieler einnehmen, gegen den Gegner verteidigen und - nach Möglichkeit - durch Links miteinander verbinden. Das Spielfeld war die Stadt selbst, für Außenstehende gab es indes keine sichtbaren Zeichen dafür, was die Spieler antrieb. Passanten sahen oftmals kopfschüttelnd zu, wie Dutzende Spieler regungslos und völlig in ihr Display vertieft in den Straßen standen.

Die Aktivität der Agenten in drei Gebieten ("Cluster") wurden nacheinander ausgewertet, wobei die Resistance in jedem Cluster die Vormachtstellung für sich gewinnen konnte. Nach dem Abschluss dieser Wertungsrunden gab es für die Agenten des Widerstands die Aufgabe, innerhalb von weiteren zwei Stunden bewegliche virtuelle Gegenstände ("Artefakte") durch geschicktes Verlinken von Portalen in ein Ziel bei der Oberbaumbrücke zu bringen. Dies gelang jedoch aufgrund der außerordentlich hohen Dichte an Spielern nicht. Die Erleuchteten verhinderten erfolgreich den Transport.

Die Resistance konnte ihren Punktevorsprung ausbauen

Resistance gewinnt die #Recursion.Die Resistance gewinnt die #Recursion: Die blaue Fahne weht über Berlin. Das Event in Berlin brachte das deutlichste Ergebnis des gesamten Finales: Die Resistance gewann mit 895 zu 372 Punkten. Die Anomalie in Los Angeles endete mit einem knappen Sieg für die Erleuchteten mit 370 zu 362 Punkten. Der Gesamtpunktestand der seit Wochen laufenden #Recursion belief sich damit auf 9174 zu 5386 Punkten für die Resistance.

Wochenlage Vorbereitung auf das Abschlussevent in Berlin

Der hohe Grad an Organisation von Seiten der Spieler stellte teilweise die Vorbereitungsarbeiten des Ausrichters in den Schatten. So haben einige Agenten Anmelde­formulare und Ausweise erstellt, Zugereiste koordiniert und sie mit allen notwendigen Informationen für ihren Berlin-Aufenthalt versorgt. Gäste aus dem Ausland erhielten sogar Hilfestellungen bei der Wahl eines geeigneten Mobilfunk-Tarifs. Ingress erfordert mehrere Megabyte Datenvolumen pro Spieltag, da das Kartenmaterial live heruntergeladen wird. Ingress-Partner Vodafone hielt seit Mittwoch - ganz im Ingress-Stil - "vertrauliche Unterlagen" als Begrüßungs­umschläge bereit und teilte kostenlose Prepaid-Karten aus.

"Agenten" aus zahlreichen Ländern

Turnier-Spieler waren nicht nur aus dem gesamten Bundesgebiet angereist. Das Berliner Event zeichnete sich durch eine hohe Internationalität aus. Fast alle EU-Länder waren durch Spieler vertreten, zudem noch Norwegen, die Schweiz und Israel. Manche Teams hatten hierdurch internationalen Charakter, so die Gruppe "Trinity", deren Teilnehmer aus Israel, Großbritannien und Deutschland stammten. Der Entschluss der israelischen Spieler sei gereift, an der #Recursion in Berlin teilzunehmen, weil das letzte Event in Israel selbst nur wenig Punkte für ihre Fraktion einbrachte. Sie hofften nun auf ein besseres Ergebnis und wurden nicht enttäuscht.

Offizielle Abschlussveranstaltung von Niantic Labs im Suicide Circus.Offizielle Abschlussveranstaltung von Niantic Labs im Suicide Circus. Anne Beuttenmüller von Niantic Labs fasste zusammen: "Die #Recursion ist das größte Event, das wir bei Ingress jemals hatten. Mich beeindruckt die Internationalität des Spiels." In der Tat scheint der Kontakt mit bislang völlig unbekannten Menschen ein vorrangiges Ziel vieler Spieler zu sein. Agent "Achran" aus Brünn in der Tschechischen Republik reiste ebenfalls extra für die Anomalie nach Berlin. Ihn habe an Ingress überzeugt, dass "man im Freien spielt und Leute trifft." Auch viele andere Spieler heben hervor, dass Ingress sie mit anderen Menschen zusammenbringt.

Netze stabil aber leicht überlastet

Einige Spieler beklagten sich über Schwierigkeiten mit den Kapazitäten in den Mobilfunknetzen während des Events. Und in der Tat waren leichte Überlastungs­erscheinungen zu Beginn und Ende der Veranstaltung spürbar, wenn plötzlich hunderte Mobilfunkgeräte auf engstem Raum versammelt wurden und aktiv die Datenverbindungen nutzten. Zum Zeitpunkt der Wertungen waren jedoch eher die Server von Niantic Labs als die Mobilfunkstation gefordert, da sich die Spieler in diesen Phasen auf die Cluster verteilten, die mehrere Berliner Stadtteile umfassten.

Weitere Ingress-Events in Planung

Niantic Labs kündigte an, dass in zwei Wochen bereits die nächste Eventreihe in Amsterdam starten solle. Außerdem seien neue Missionen und Level in Planung. 2015 soll die Plattform geöffnet werden, so dass sich Entwickler über eine eigene API am Ausbau von Ingress beteiligen können.

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