Glasfaser

Telefónica: Kräfte für bundesweites Glas­faser­netz bündeln

Alle Netzbetreiber sollen ihre Glasfasernetze in eine Infrastrukturgesellschaft einbringen und so den Glasfaserausbau in Deutschland schneller und billiger voranbringen. So zumindest ein Diskussionsansatz von Telefónica im Hinblick auf die kommenden 5G-Netze.
Aus Berlin berichtet
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Valentina Daiber (Telefónica) und Wilhelm Dresselhaus (Nokia Solution & Networks)Valentina Daiber (Telefónica) und Wilhelm Dresselhaus (Nokia Solution & Networks) "Wir brauchen ein Leitbild, an dem sich die Branche orientieren kann: Weniger als 100 Prozent Flächenabdeckung mit einem Glasfasernetz bis 2030 wäre dabei zu wenig", sagt Valentina Daiber, Director Corporate Affairs und Mitglied der Geschäftsleitung bei Telefónica Deutschland. Doch auf Basis des Status Quo werde das nicht gelingen, deswegen brauche Deutschland neue und kreative Ansätze, um den Glasfaser-Ausbau voran zu bringen. Im Rahmen der Jahrestagung des Bundesverbands Breitbandkommunikation (Breko) in Berlin präsentierte Daiber in einem Gespräch Journalisten ihre Vorstellungen: Telefónicas Ansatz ist eine Infrastruktur­gesellschaft auf Länder- oder Bundesebene, auf der sich alle Netzbetreiber mit ihren Netzen oder finanziellen Beiträgen beteiligen können.

Erste Gespräche mit anderen Anbietern hätten bereits stattgefunden, heißt es von Telefónica. Dabei ging es generell darum, die Stimmungslage bei den Mitbewerbern abzufragen. Auch erste Sondierungsgespräche mit der Telekom habe es schon gegeben - wie der Ex-Monopolist zu solchen Ideen steht, ließ sich Daiber jedoch nicht entlocken. Dafür sei es viel zu früh.

Positionspapier fordert gemeinsame Infrastrukturgesellschaft

Ein neuer Ansatz zum Ausbau der Infrastruktur ist aus Sicht der Telefónica erforderlich, um ein bundesweites Gigabit-Netz bis 2030 zu realisieren. "Die wirtschaftlichen Realitäten setzen der notwendigen Investition durch die Telekommunikationsindustrie enge Grenzen, Förderpolitik und regulatorische Rahmenbedingungen unterstützen nicht ausreichend", heißt es in einem Positionspapier von Telefónica, der unserer Redaktion vorliegt. Demnach koste die Erschließung aller Haushalte in Deutschland mit Glasfaser 77 Milliarden Euro, hinzu komme der für FTTH notwendige Ausbau der Inhaus-Verkabelung mit weiteren 17 Milliarden Euro.

Nicht nur der finanzielle Engpass ist aus Sicht von Telefónica ein Problem beim Gigabitnetz-Ausbau, sondern auch der Zeitrahmen. Der Ausbau eines solchen Netzes dauere weit mehr als zehn Jahre, Deutschland liege jedoch bereits heute im Vergleich zu digitalen Spitzenreitern wie Japan und Südkorea weit zurück. Zuletzt kam der anerkannte TK-Experte Prof. Torsten J. Gerpott in einer Studie für den VATM auf 2,69 Millionen Haushalte, die heute Zugriff auf eine Glasfaserleitung haben.

Glasfasernetz als Anbindung für 5G-Netz

Die Infrastrukturgesellschaft soll auf der einen Seite die Netze der verschiedenen Carrier bündeln und einen doppelten oder gar dreifachen Ausbau vermeiden und auf der anderen Seite als Dienstleister für Provider und Diensteanbieter auftreten. So ließen sich nicht nur die Netze der alternativen Netzbetreiber bündeln, auch Leitungen der Telekom und der Kabelnetzbetreiber würden nach der Vorstellung von Telefónica unter einen Hut gebracht. Nach Daibers Ansicht hätte eine solche Infrastrukturgesellschaft auch den Vorteil, dass vorhandene Kapazitäten sich besser auslasten ließen.

Telefónicas Interesse an einem flächendeckenden Glasfasernetz in ganz Deutschland geht zurück auf den kommenden Ausbau von 5G. Wilhelm Dresselhaus, Sprecher der Geschäftsführung von Nokia Solutions & Networks, geht davon aus, dass mit 5G mehr als die zehnfache Anzahl an Basisstationen aufgebaut werden muss. Diese müssten in aller Regel über eine Glasfaserleitung angebunden werden - weniger um die hohen Datenraten zu erreichen, sondern vielmehr um niedrige Latenzzeiten im Millisekunden-Bereich zu bekommen. Das heiße am Ende auch, dass das Glasfasernetz bis auf die Bauernhöfe gelegt werden muss, damit dort stehende 5G-Sender für Farming-Anwendungen funktionieren. Telefónica ist einer der drei Mobilfunknetzbetreiber, der in Deutschland ein 5G-Netz errichten will.

Mobilfunk-Basisstationen: Tiefbaukosten bei 90 Prozent

Dresselhaus hoffte auf einem Gespräch am Rande der Breko Jahrestagung auch darauf, dass sich in Zukunft beim Verlegen von Glasfaserleitungen Synergien ergeben. Er denkt dabei beispielsweise an Ladestationen für elektrische Autos, für die neue Stromleitungen verlegt werden müssen. Hier ließen sich Tiefbaukosten sparen und Glasfaser mitverlegen. 90 Prozent der Kosten für einen Mobilfunkstandort entfielen heute auf die Tiefbaukosten, nur 10 Prozent entfallen auf die Technik. Telefónicas Vorschlag, der als Diskussionsgrundlage verstanden werden soll, hätte auch den Vorteil, dass es keinen Wettlauf um Baukapazitäten mehr gebe, was wiederum zum Rückgang der Kosten für den Tiefbau führen könnte.

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