Eröffnung

50. IFA startet heute: Kampf um Fernsehen der Zukunft

Auch Amazon und Sony planen Video- und TV-Dienste
Von dpa / Marie-Anne Winter
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Zur Funkausstellung IFA, die heute um 13 Uhr mit der Eröffnungs-Pressekonferenz startet, ist der Kampf um die Zukunft des Fernsehens voll entbrannt. Das Internet stürmt die letzte Bastion der Medienbranche, die es noch nicht umgekrempelt hat: Den klassischen Fernsehempfang. Die Vision ist, dass der Zuschauer sich nahtlos zwischen TV-Sendungen und Online-Video bewegen kann.

Über die Verschmelzung von Fernsehen und Online-Video wurde seit Jahren gesprochen, doch jetzt kommt auf einmal richtig Schwung in die Entwicklung. Die Anbieter überschlagen sich mit Angeboten, jeder will sich sein Stück Neuland sichern. Für den Zuschauer bedeutet das mehr Auswahl im TV - und er wird sich wieder einmal neue Geräte besorgen müssen.

In Deutschland geht zunächst das ZDF mit dem Hybrid-Fernsehen HbbTV an den Start. Der Sender will damit die Fernsehübertragungen mit Inhalten aus der Online-Mediathek verknüpfen. Der Zuschauer soll Das Gesicht der 50. IFADas Gesicht der 50. IFA dabei mit einem Gerät und einer Fernbedienung auskommen. HbbTV ist ein neuer europäischer Standard, mit dem Sender und Gerätehersteller ein Formatchaos vermeiden wollen.

Der Schauplatz des Zukunftskampfes liegt jedoch vor allem in den USA, dem Land, in dem die meisten international verkauften TV-Serien produziert werden - und jährlich 70 Milliarden Dollar in Fernsehwerbung fließen. Letztlich wird es um die Neuverteilung dieser gewaltigen Geldströme gehen.

Amazon will eigenes Internet-Fernsehen starten

Neueste Nachrichten: Auch der weltgrößte Online-Händler Amazon.com soll an einem eigenen Internet-TV basteln. Amazon verhandele mit mehreren Medienkonzernen, um Fernsehsendungen, Filme und Serien online auf Sendung bringen zu können, berichtet heute das Wall Street Journal (WSJ).

Der japanische Elektronik-Konzern Sony will laut einem Zeitungsbericht auf der Funkausstellung IFA einen neuen Musik- und Videodienst starten und damit den Marktführer Apple angreifen. Sony-Chef Howard Stringer wolle das Angebot heute Nachmittag in Berlin vorstellen, berichtete die Financial Times. Sony werde den Dienst auf Basis seiner Playstation-Spielekonsole aufbauen, hieß es. Die Songs und Filme sollen dann auf allen Sony-Geräten - Notebooks, Fernsehern, Mobiltelefonen - abspielbar sein. Der Dienst solle im kommenden Jahr starten.

Der Zeitpunkt ist mit Bedacht gewählt: Nur wenige Stunden später wird Apple-Chef Steve Jobs wahrscheinlich einen weiteren Vorstoß ins Geschäft mit Online-Video ankündigen und neue iPod-Player vorstellen.

Gerüchten zufolge will Konzernchef Steve Jobs eine neue Version der Wohnzimmerbox Apple TV und erweiterte Deals mit US-Fernsehsendern präsentieren. Auch Google will im Herbst auf einer eigenen Plattform Fernsehen und Internet verschmelzen - und zu dem Konzern gehört schließlich die führende Onlinevideo-Website YouTube.

IFA live im Internet

Auf der IFA wird auch noch eine weitere Fernsehneuheit im Mittelpunkt stehen: 3D-TV. Nach dem überragenden Erfolg von dreidimensionalen Kinofilmen wie "Avatar" will die Industrie die Technik auch schnell in die Wohnzimmer bringen. 3D-taugliche Fernseher sind bereits im Handel, nur das Angebot an entsprechenden Filmen ist noch sehr dünn. Auf der Messe wird man die Technik an vielen Ständen ausprobieren können. Dann können die Zuschauer auch entscheiden, ob sie tatsächlich bereit sind, für das 3D-Erlebnis mit einer Spezialbrille im Wohnzimmer zu sitzen. Laut Umfragen jedenfalls stört das viele nicht.

Für das Publikum öffnet die Messe am Freitag und läuft bis zum 8. September. Der heutige Mittwoch und der Donnerstag sind der Presse und Fachbesuchern vorbehalten. Zahlreiche Neuheiten wollen auch Hersteller von Hausgeräten präsentieren, die inzwischen fest zum IFA-Programm gehören. Die wichtigsten Veranstaltungen werden als Live-Stream in Internet übertagen.

Die Schau unter dem Berliner Funkturm gilt als weltgrößter Treff der Unterhaltungselektronik-Branche. In diesem Jahr werden zehn Prozent mehr Aussteller erwartet. 2009 waren es 1 164. Vor allem der TV-Absatz boomt: Im Schnitt wird sich Branchenschätzungen zufolge jeder vierte deutsche Haushalt in diesem Jahr einen neuen Flachbild-Fernseher kaufen.

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