Mobile Payment

Bezahlen per Handy: Mobile Payment mit NFC

Das kontaktlose Bezahlen per Handy steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Vor allem an der Supermarkt-Kasse wird das Shoppen via Smartphone aber mittlerweile von verschiedenen Anbietern unterstützt. Wir nehmen Mobile Payment per NFC und Wallet-App unter die Lupe und wagen einen Blick in die Zukunft.
AAA
Teilen (162)

Bezahlen per Handy: Mobile PaymentBezahlen per Handy: Mobile Payment Die Idee des "Mobile Payment", des Bezahlens per Handy, ist nicht neu: Anstelle vieler verschiedener Karten mit jeweils einer eigenen PIN für den bargeldlosen Zahlungs­verkehr oder dem ständigen Suchen nach Kleingeld für Parktickets oder Busfahrkarten soll das Handy genügen, um bargeldlos einzukaufen.

Nach wie vor gibt es allerdings kein einheit­liches Bezahlsystem: Mobiles Bezahlen wird seitens der Anbieter sehr unterschiedlich realisiert, beispielsweise per NFC (Near Field Communication) oder gescanntem QR-Code in Kombination mit einer speziellen Smartphone-App. Je nach technischer Ausführung gestaltet sich Mobile Payment damit mehr oder weniger kompliziert.

Dies ist einer der Gründe, weshalb Kunden bislang noch zurückhaltend auf entsprechende Angebote reagieren, hinzu kommen Sicherheits- und Datenschutz­bedenken sowie die Tatsache, dass deutsche Kunden immer noch am liebsten mit Bargeld bezahlen. Dennoch soll laut Prognosen von Vertretern der Bundesbank und Kreditkarten­unternehmen wie Visa die Anzahl der Akzeptanz­stellen weiter steigen und das Bezahlen per NFC mit dem Smartphone bis 2020 an allen Kassenterminals zum Standard werden.

Inhaltsverzeichnis

  1. Mobile Payment im Supermarkt
  2. Kontaktloses Bezahlen mit Wallet-Apps
  3. Im Testbetrieb: Banking-Apps und Alternativen
  4. Zukunft: Apple Pay, Google Pay und Co. in Deutschland?

Im Supermarkt mit dem Smartphone bezahlen

Das bargeldlose Bezahlen per Handy gibt es bei Aldi Nord seit Juni 2015, bei Aldi Süd und Lidl seit Dezember 2015, Rewe stieg erst 2016 ein. An der Supermarkt-Kasse muss für den Bezahlvorgang lediglich das Smartphone in einem Abstand von bis zu vier Zentimetern über das Display des Bezahl­terminals gehalten werden. Die Daten­übertragung zwischen Handy und Kassen­terminal erfolgt dabei über Nahfunk (NFC). Der entsprechende Betrag wird dann über eine zuvor installierte Wallet-App, häufig auch virtuelle oder digitale Geldbörse genannt, vom Kredit­karten- oder Giro­konto abgebucht. Inzwischen gibt es außerdem Bezahl-Apps, die nach dem Prepaid-Prinzip funktionieren und automatisch mit einem bestimmten Betrag wieder aufgeladen werden, wenn das Guthaben zur Neige geht. Die genannten Anwendungen werden auch in weiteren Supermärkten, Shops, Kauf­häusern und Tankstellen als Zahlungsmittel akzeptiert. In Zukunft kann möglicher­weise sogar per Banking-App mit dem Smartphone bezahlt werden - erste Tests laufen bereits.

NFC-Logo für kontaktloses Bezahlen an den KassenterminalsNFC-Logo für kontaktloses Bezahlen an den Kassenterminals Um mobil bezahlen zu können, ist ein NFC-fähiges Smartphone mit aktuellem Android-Betriebs­system (mindestens Android 4.4) und einem integrierten NFC-Chip erforderlich.

Bis zu einem Einkaufswert von 20 oder 25 Euro gibt es je nach Bezahl-App häufig keine PIN-Abfrage. Für viele Kunden stellt dies ein Sicherheitsrisiko dar. Die generelle Aktivierung der PIN-Eingabe sollte gegebenenfalls beim jeweiligen App-Anbieter erfragt werden.

Der Coupon-Anbieter Payback hat eine eigene Bezahl-App entwickelt, mit der unter anderem bei real, Galeria Kaufhof, dm, Aral und Allnatura über QR-Code und NFC bezahlt werden kann. Die Supermarktketten Edeka, Marktkauf und Netto setzen auf Bezahl­lösungen mit einer eigenen App ohne NFC.

NFC-fähige Handys im Überblick

Wallet-Apps für kontaktloses Bezahlen

Während die Bezahldienste der Smartphone-Hersteller wie Google Pay, Android Pay, Samsung Pay und Huawei Pay in Deutschland noch auf sich warten lassen, gibt es hierzulande verschiedene Wallet-Apps für das kontaktlose Bezahlen. Diese sind zwar nicht mehr, wie bei frühen Angeboten der Netzbetreiber, an einen Mobilfunkvertrag oder eine NFC-SIM-Karte gebunden, erfordern aber eine Registrierung.

Wallet-Apps: Die digitale GeldbörseWallet-Apps: Die digitale Geldbörse Kontaktloses Bezahlen ("Tap & Pay") ist mit den nachfolgend beschriebenen Bezahl-Apps boon. und SEQR nur auf von Mastercard zugelassenen Smartphones möglich. Wie bei anderen aktuell verfügbaren mobilen Bezahldiensten basiert die Funktionsweise beider Apps auf der HCE-Technologie (Host Emulation Card), einer speziellen Software-Lösung, mittels der unter anderem der digitale Zahlungsverkehr abgewickelt wird. HCE wurde von Google erstmals in das Smartphone-Betriebssystem Android 4.4 integriert. Apple setzt hingegen auf eigene Software für NFC-Zahlungen, weshalb kontaktloses Bezahlen per HCE vom iPhone derzeit nicht unterstützt wird.

boon.

boon.-App Download
boon. - die Bezahl-App von Wirecardboon. - die Bezahl-App von Wirecard Der Zahlungs­dienstleister Wirecard stellt mit boon. schon seit längerem eine App zum mobilen Bezahlen an Mastercard-Terminals zur Verfügung. Mit der virtuellen boon.-Card ist darüber hinaus auch Online-Shopping möglich. Jeder Zahlvorgang ist mit einer PIN-Eingabe gesichert, ab Android 6.0 funktioniert auch die Freigabe per Fingerabdruck. Das Konto kann per Bank­überweisung oder Kreditkarte aufgeladen werden und es gibt zwei verschiedene Guthaben-Modelle mit unterschiedlichem Limit (siehe unten­stehende Tabelle). Das automatische Aufladen sorgt dafür, dass immer ausreichend Guthaben verfügbar ist. Da das Bezahlen mithilfe eines vorab generierten Codes erfolgt, können bis zu fünf Zahlvorgänge hintereinander im Offline-Modus abgewickelt werden, anschließend ist jedoch eine WLAN- oder mobile Daten­verbindung vonnöten, um neue Codes zu generieren.

SEQR

Mit der App SEQR von Seamless kann, neben anderen Funktionen wie dem QR-Code-Scan, auch kontaktlos per Smartphone bezahlt werden. Bei Kaufbeträgen von unter 25 Euro ist keine PIN erforderlich und das Smartphone muss nur an das Kassen-Terminal gehalten werden. Wie bei boon. ist für maximal 5 Zahlvorgänge keine Internetverbindung erforderlich. Bezahlt wird per SEPA-Last­schrift­verfahren, spätestens nach sieben Bankarbeitstagen erfolgt die Abbuchung des jeweiligen Kauf­betrags vom Bankkonto. SEQR - die digitale Geldbörse von SeamlessSEQR - die digitale Geldbörse von Seamless Alternativ kann auch im Prepaid-Verfahren bezahlt werden, dafür sind zur Guthaben­aufladung im SEQR-Account die Daten einer beliebigen Debit- oder Kreditkarte zu hinterlegen - die Aufladung ist allerdings gebührenpflichtig. Je nach Anzahl der monatlichen Umsätze werden sowohl bei Online-Käufen als auch im Laden bis zu drei Prozent als Cashback zurück­erstattet. Da zur Registrierung neben der Angabe persönlicher Daten sowie des Bankkontos auch der Ausweis gescannt werden muss, ist die Verwendung von SEQR nur mit Smartphones möglich, die eine Autofokus-Kamera besitzen.

Die Bezahl-Apps boon. und SEQR: Kosten und Guthaben

  boon. SEQR
Systemanforderung
(mindestens)
Android 4.4 iOS 9.0
Android 4.1,
Windows Phone 8
Kontaktlos Bezahlen (Voraussetzung) NFC- und HCE-fähiges Mastercard-zertifiziertes Smartphone ab Android 4.4
Kontogebühr 3 Monate kostenlos 1),
danach 1,49 Euro monatlich
kostenlos
Bezahlen im Ausland nur mit boon. PLUS 2),
Gebühr von 1,25 Prozent des Umsatzes 2)
kostenlos
Guthaben aufladen per    
Kreditkarte gebührenfrei nein
Überweisung gebührenfrei nein
Lastschrift nein ja
Maximales Guthaben    
Start boon. BASIC: 100 Euro 25 Euro
Upgrade boon. PLUS: 5000 Euro 4) nach 3 erfolgreichen Lastschriften: 250 Euro
Stand: März 2018, Alle Angaben ohne Gewähr.
1) 12 Monate kostenlos bei Registrierung vor dem 1. April 2018.
2) Mit boon. BASIC sind in Deutschland nur inländische Transaktionen möglich.
3) Gilt nicht für Einsätze im Euro-Währungsraum.
4) Für ein Upgrade auf boon. PLUS ist ein aktueller Identitätsnachweis (Personal­dokument) und ein gesonderter Adressnachweis (z. B. Kontoauszug) erforderlich - siehe: boon. FAQ.

Vodafone Wallet: Die einzige Wallet-App der Netzbetreiber

Digitale Brieftasche
Derzeit ist Vodafone der einzige Mobilfunk-Netzbetreiber mit einer eigenen Wallet-App. Der Vodafone-eigene Bezahldienst SmartPass existiert zwar nicht mehr, dennoch kann die Vodafone Wallet auch weiterhin genutzt werden, indem sie mit einer Visa-Kreditkarte oder mit einem Paypal-Konto verknüpft wird.

Vodafone Wallet: Bald mit Paypal statt SmartPassVodafone Wallet: Bald mit Paypal statt SmartPass Das Bezahlen per Paypal erfolgt dann wiederum über eine Kredit- oder Debitkarte, die im Paypal-Konto hinterlegt ist. Paypal-Zahlungen sind bei Käufen innerhalb Deutschlands übrigens gebührenfrei!

Vodafone hat über Plug-ins außerdem zusätzliche Features in die Wallet integriert, die das Verwalten von digitalen Kunden­karten, Park­tickets, Gutscheinen, Online-Coupons und sogar digitalen Fahrzeugschlüsseln erleichtert.

Vodafone-Kunden mit einem Mobilfunkvertrag benötigen ein NFC- und Wallet-zertifiziertes Smartphone mit der aktuellsten Android-Version sowie eine bestellbare NFC-SIM-Karte. Gerootete Smartphones oder Custom-ROMs sind von der Nutzung leider ausgeschlossen.

Alle anderen deutschen Netzbetreiber haben sich mittlerweile von ihren eigenen Wallet-Apps und Bezahldiensten verabschiedet: Die SIM-basierte Lösung der Mobil­funk­anbieter Telefónica (Base-Wallet, mpass) und Deutsche Telekom (MyWallet, Clickandbuy), konnte sich nicht durchsetzen und wurde von den Kunden nur im geringen Maße angenommen.

Telefónica folgt einem neuen Trend in der mobilen Bezahl-Landschaft: o2-Banking ist ein mobiles Bankkonto fürs Smartphone, das in Kooperation mit der Fidor Bank AG entstanden ist und sich laut Mitteilung des Anbieters in kurzer Zeit zur beliebtesten Direktbanking-App in Deutschland gemausert hat. Kontaktlos bezahlen kann man bisher nur mit der Debit-Mastercard, die jeder o2-Banking-Kunde kostenlos erhält. Doch möglicherweise wird auch diese in naher Zukunft digital.

Mobiles Bezahlen per Banking-App geplant

Verschiedene Banken testen schon seit längerem Verfahren für kontaktloses Bezahlen mit dem Smartphone.

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) plant die girocard in digitaler Form als girocard mobile auf die SIM-Karte des Smartphones zu bringen. Über eine Banking- oder Wallet-App wird diese dann auf das Smartphone geladen - das Handy ersetzt damit die bereits bei vielen Banken verfügbare kontaktlose EC-Karte.

Die Pilotbanken Kasseler Bank und Raiffeisenbank Braunatal testeten 2016 eine SIM-Karten-basierte Lösung, inzwischen wurde auch hier auf das HCE-Verfahren umgestellt. Seit Dezember 2017 können Mitarbeiter dieser Banken bereits digitale Karten nutzen. Nach der Ausweitung des Testbetriebs auf weitere Genossen­schafts­banken soll das mobile Bezahlen im Sommer 2018 dann offiziell in Deutschland starten.

Und auch bei den Sparkassen läuft derzeit ein Pilotprojekt zum mobile Banking. Ab Mitte 2018 soll das mobile Bezahlen per Smartphone-App weltweit angeboten werden. Dabei werden die Mastercard- oder Girocard-Daten in der Sparkassen-App hinterlegt und diese somit zur Wallet-App umfunktioniert.

Die Deutsche Bank bietet den Service mit ihrer Banking-App schon seit April 2017 an, allerdings bisher noch nicht für die Girocard.

Außerdem gibt es auch in Deutschland mittlerweile erste Ansätze für das anonyme Bezahlen mit Bitcoins über einige Bitcoin-Wallets, die Zahlungen per QR-Code-Scan oder NFC mit dem Smartphone ermöglichen. Diese bleiben aber eine Rand­erscheinung, wie zum Beispiel das lokale Angebot von Pey in Hannover.

Noch nicht in Deutschland: Bezahldienste der Smartphone-Hersteller

Seit einigen Jahren planen nun auch die Smartphone-Hersteller den deutschen Markt mit eigenen mobilen Bezahldiensten zu erobern: Apple Pay, Google Pay, Samsung Pay, Huawei Pay und Microsoft Pay sind zwar bisher größtenteils in den USA, China und teilweise auch schon in Europa gestartet, aber immer noch nicht in Deutschland.

Dennoch haben wir bereits einzelne Bezahl-Apps für Sie ausprobiert: Lesen Sie unseren Bericht zum Test von Samsung Pay in Barcelona), erfahren Sie, wie Sie Google Pay schon jetzt in Deutschland nutzen und mit welchem Trick Sie auch Apple Pay vor dem offiziellen Start einrichten können.

Obwohl Apple in seinem iPhone 6 erstmals die NFC-Technologie integrierte, wurde sowohl die NFC-Funktion als auch Apple Pay vom Hersteller noch nicht für Deutschland freigeschaltet. Innerhalb Europas hat der Konzern in Großbritannien, Frankreich, Spanien und der Schweiz bereits sein eigenes Bezahlsystem auf den Markt gebracht.

Ab dem iPhone 6 ist die Freigabe von Apple-Pay-Einkäufen per Fingerabdruck-Sensor (Touch-ID) vorgesehen. Beim Bezahlvorgang nutzt Apple die Passbook-App für den Zugriff auf erforderliche Kreditkarten-Daten. Neben der Verwendung von NFC-fähigen iPhone-Modellen soll zukünftig auch mit der Apple Watch kontaktlos oder in Online-Shops mit dem iPad (Pro, Air 2, mini 3 und mini 4) per Apple Pay bezahlt werden können. Ob und wann eine Einführung des Systems in Deutschland folgen wird, bleibt abzuwarten.

Mehr zum mobilen Bezahlen im teltarif-Podcast

In einer aktuellen Folge des teltarif-Podcast "Strippenzieher und Tarifdschungel" diskutieren unsere Redakteure den derzeitigen Stand und die Aussichten für Mobile Payment in Deutschland.

Teilen (162)

Meldungen zu Mobile Payment

1 2 3 420 letzte