Mobile Payment

Bezahlen per Handy: Mobile Payment mit NFC

Das kontaktlose Bezahlen per Handy steckt in Deutschland noch in den Kinder­schuhen. Vor allem an der Supermarkt-Kasse wird das Shoppen via Smartphone aber mittlerweile von verschiedenen Anbietern unterstützt. Wir nehmen Mobile Payment per NFC und Wallet-App unter die Lupe und wagen einen Blick in die Zukunft.
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Bezahlen per Handy: Mobile PaymentBezahlen per Handy: Mobile Payment Die Idee des "Mobile Payment", des Bezahlens per Handy, ist nicht neu: Anstatt immer viele verschiedene Karten mit jeweils einer eigenen PIN für den bargeldlosen Zahlungs­verkehr dabei zu haben oder ständig nach Kleingeld für Parktickets oder Busfahrkarten zu suchen, soll das Handy genügen, um bargeldlos einzukaufen.

Nach wie vor gibt es allerdings kein einheit­liches Bezahlsystem: Mobiles Bezahlen wird seitens der Anbieter sehr unterschiedlich realisiert, beispielsweise per NFC (Near Field Communication) oder gescanntem QR-Code und einer speziellen App auf dem Smartphone. Je nach technischer Ausführung gestaltet sich Mobile Payment damit mehr oder weniger kompliziert.

Dies ist einer der Gründe, weshalb Kunden immer noch sehr zurückhaltend auf entsprechende Angebote reagieren, hinzu kommen Sicherheits- und Datenschutz­bedenken sowie die Tatsache, dass deutsche Kunden immer noch am liebsten mit Bargeld bezahlen. Dennoch soll laut Prognosen von Vertretern der Bundesbank und Kreditkarten­unternehmen wie Visa die Anzahl der Akzeptanz­stellen weiter steigen und das Bezahlen per NFC mit dem Smartphone bis 2020 an allen Kassenterminals zum Standard werden.

Inhaltsverzeichnis

  1. Mobile Payment im Supermarkt
  2. Bezahlen mit Wallet-Apps der Netzbetreiber
  3. Alternative Bezahl-Apps weiterer Anbieter
  4. Zukunft: Apple Pay, Android Pay und Co. in Deutschland?

Im Supermarkt mit dem Smartphone bezahlen

Das bargeldlose Bezahlen per Handy gibt es bei Aldi Nord seit Juni 2015, bei Aldi Süd und Lidl seit Dezember 2015, Rewe stieg erst 2016 ein. Für einen Einkauf muss lediglich das Smartphone in einem Abstand von bis zu vier Zentimetern über das Display des Bezahl­terminals an der Supermarkt-Kasse gehalten werden. Die Daten­übertragung zwischen Handy und Kassen­terminal erfolgt dabei über Nahfunk (NFC). Der entsprechende Betrag wird dann über eine zuvor installierte Wallet-App, häufig auch virtuelle Geldbörse genannt, vom Kredit­karten- oder Giro­konto abgebucht. Inzwischen gibt es außerdem Bezahl-Apps, die nach dem Prepaid-Prinzip funktionieren und automatisch mit einem bestimmten Betrag wieder aufgeladen werden, wenn das Guthaben zur Neige geht. Die genannten Anwendungen werden auch in weiteren Supermärkten, Shops, Kauf­häusern und Tankstellen als Zahlungsmittel akzeptiert. In Zukunft kann möglicherweise sogar per Banking-App mit dem Smartphone bezahlt werden - erste Tests laufen bereits.

NFC-Logo für kontaktloses Bezahlen an den KassenterminalsNFC-Logo für kontaktloses Bezahlen an den Kassenterminals Um mobil bezahlen zu können, ist ein NFC-fähiges Smartphone mit aktuellem Android-Betriebs­system (häufig mindestens Android 4.4) und einem integrierten NFC-Chip erforderlich.

Bis zu einem Einkaufswert von 20 oder 25 Euro gibt es je nach Bezahl-App häufig keine PIN-Abfrage. Für viele Kunden bedeutet dies ein Sicherheitsrisiko. Die generelle Aktivierung der PIN-Eingabe sollte gegebenenfalls beim jeweiligen App-Anbieter erfragt werden.

Der Coupon-Anbieter Payback hat eine eigene Bezahl-App entwickelt, mit der unter anderem bei real, Galeria Kaufhof, dm, Aral und Allnatura über QR-Code und NFC bezahlt werden kann. Die Supermarktketten Edeka, Marktkauf und Netto setzen auf Bezahl­lösungen mit einer eigenen App ohne NFC.

NFC-fähige Handys im Überblick

Wallet-Apps: Digitale Geldbörse bei fast allen Netzbetreibern abgeschafft

Bis vor kurzem stellten die großen Mobilfunk­anbieter ihren Kunden noch eigene Wallet-Apps zur Verfügung. Mit ihnen ließ sich nicht nur kontaktlos bezahlen, es konnten auch Tickets, Kundenkarten und Coupons gespeichert und verwaltet werden. Dies galt allerdings nur für Kunden mit einem Laufzeit-Mobilfunkvertrag und einer NFC-SIM-Karte des jeweiligen Anbieters.

Wallet-Apps: Die digitale GeldbörseWallet-Apps: Die digitale Geldbörse Die SIM-basierte Lösung der Mobil­funk­anbieter konnte sich jedoch nicht durchsetzen und wurde von den Kunden nur im geringen Maße angenommen. Daher haben die Netzbetreiber Telefónica und Deutsche Telekom sich mittlerweile von ihren Wallets verabschiedet. Die Telekom begründete den Ausstieg unter anderem mit einer steigenden internationalen Konkurrenz, die in andere Bezahlmodelle investiere, sowie die fehlende Einigung mit deutschen Banken auf eine gemeinsame Strategie für NFC-Bezahl­lösungen. Nachdem der Netzbetreiber seinen Bezahldienst ClickandBuy bereits im April 2016 eingestellt hat, folgte am 31. Dezember 2016 nun das Ende der MyWallet-App, der Telekom-Wallet für mobiles Bezahlen.

Telefónica läutete bereits Mitte 2016 das Ende der Base-Wallet-App und der Bezahl­lösung mpass ein. Stattdessen beschreitet der Anbieter mit o2-Banking nun neue Pfade: Das mobile Bankkonto fürs Smartphone entstand in Kooperation mit der Fidor Bank AG und hat sich laut Mitteilung des Anbieters in kurzer Zeit zur beliebtesten Direktbanking-App in Deutschland gemausert. Kontaktlos bezahlen kann man bisher leider nur mit der Debit-Mastercard, die jeder o2-Banking-Kunde kostenlos erhält.

Vodafone Wallet: Die einzige verbleibende Wallet-App der Netzbetreiber

Digitale Brieftasche
Derzeit ist Vodafone der einzige Mobilfunk-Netzbetreiber mit einer eigenen Wallet-App - allerdings hat sich auch bei der Vodafone Wallet einiges verändert: Am 22. Januar 2017 wurde der Vodafone-eigene Bezahldienst SmartPass eingestellt. Mit der SmartPass-App konnte Guthaben per Visa-Kredit­karte oder im Lastschrift­verfahren vom Bankkonto auf die Wallet geladen werden - was gegebenenfalls mit zusätzlichem Aufwand und Zusatz­gebühren verbunden war.

Vodafone Wallet: Bald mit Paypal statt SmartPassVodafone Wallet: Bald mit Paypal statt SmartPass Zukünftig kann die Vodafone Wallet nun mit einem Paypal-Konto verknüpft werden. Dadurch sind dann (auch im Handel) Zahlungen mit einer beliebigen Kredit- oder Debitkarte möglich, die im Paypal-Konto hinterlegt ist. Paypal-Zahlungen sind innerhalb Deutschlands gebührenfrei. Vodafone will über Plug-ins und Apps außerdem zusätzliche Feature in die Wallet integrieren und so unter anderem das Verwalten von digitalen Kunden­karten, Park­tickets, Gutscheinen, Online-Coupons und sogar digitalen Fahrzeugschlüsseln erleichtern.

Vodafone-Kunden mit einem Mobilfunkvertrag benötigen ein NFC- und Wallet-zertifiziertes Smartphone mit der aktuellsten Android-Version sowie eine bestellbare NFC-SIM-Karte. Gerootete Smartphones oder Custom-ROMs sind von der Nutzung leider ausgeschlossen.

Weitere Wallet-Apps, girocard mobile und Bitcoin-Wallets

Für das kontaktlose Bezahlen stehen außerdem Wallet-Apps bereit, die nicht an einen Mobilfunkvertrag oder eine NFC-SIM-Karte gebunden sind. Auch diese setzen ein NFC-fähiges Smartphone mit Android 4.4 sowie eine Registrierung voraus.

boon. - die Bezahl-App von Wirecardboon. - die Bezahl-App von Wirecard Mit boon. bietet der Zahlungs­dienstleister Wirecard schon seit längerem eine App zum mobilen Bezahlen an. Das verwendete Smartphone muss allerdings von Mastercard zugelassen sein, entsprechend sind auch nur Zahlungen an Mastercard-Terminals möglich. Jeder Zahlvorgang ist mit einer PIN-Eingabe gesichert. Das Konto kann per Bank­überweisung oder Kreditkarte aufgeladen werden - es gibt drei verschiedene Guthaben-Modelle mit unterschiedlichem Limit (siehe unten­stehende Tabelle). Das automatische Aufladen sorgt dafür, dass immer ausreichend Guthaben verfügbar ist. Da das Bezahlen mithilfe eines vorab generierten Codes erfolgt, können bis zu fünf Zahlvorgänge hintereinander im Offline-Modus abgewickelt werden, anschließend ist jedoch eine WLAN- oder mobile Datenverbindung vonnöten, um neue Codes zu generieren. Sowohl boon. als auch die nachfolgende App SEQR funktionieren auf der Basis von HCE (Host Emulation Card), der mobilen Kreditkarten-Lösung von Wirecard.

SEQR - die digitale Geldbörse von SeamlessSEQR - die digitale Geldbörse von Seamless Mit der App SEQR von Seamless kann - neben anderen Funktionen wie dem QR-Code-Scan - auch kontaktlos per Smartphone ("Tap and pay") bezahlt werden. Bei Kaufbeträgen von unter 20 Euro ist keine PIN erforderlich und das Smartphone muss nur an das Kassen-Terminal gehalten werden. Der Anbieter empfiehlt, für Zahlungen im Laden die WLAN-Verbindung zu nutzen und den intelligenten Netzwechsel (zum Umschalten auf eine Mobilfunkverbindung bei instabilem WLAN) zu deaktivieren. Bezahlt wird per SEPA-Last­schrift­verfahren, spätestens nach sieben Bankarbeitstagen wird der jeweilige Kauf­betrag vom Bankkonto abgebucht. Je nach Anzahl der monatlichen Umsätze werden drei Prozent als Cashback zurückerstattet. Da zur Registrierung neben der Angabe persönlicher Daten sowie des Bankkontos auch der Ausweis gescannt werden muss, ist dies nur mit Smartphones, die eine Autofokus-Kamera besitzen, möglich.

Die Bezahl-Apps boon. und SEQR: Kosten und Guthaben

  boon. SEQR
Kontogebühr 12 Monate kostenlos /
danach 0,99 Euro monatlich
kostenlos
Bezahlen im Ausland Gebühr von 1,25 Prozent des Umsatzes kostenlos
Guthaben aufladen per    
Kreditkarte Gebühr von 1 Prozent,
mindestens 1 Euro
nein
Überweisung gebührenfrei nein
Lastschrift nein ja
Maximales Guthaben    
Start boon. Start: 5 Euro 75 Euro
Upgrade boon. Basic: 2500 Euro
boon. Plus: 5000 Euro 1)
nach 3 erfolgreichen Lastschriften: 750 Euro
Stand: 13.01.2017, Alle Angaben ohne Gewähr.
1) Für ein Upgrade auf boon. Plus ist ein aktueller Identitätsnachweis (Personal­dokument) und ein gesonderter Adressnachweis (z. B. Kontoauszug) erforderlich - siehe: boon FAQ.
Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) plant die girocard in digitaler Form als girocard mobile auf die SIM-Karte des Smartphones zu bringen. Über eine Banking- oder Wallet-App wird diese dann auf das Smartphone geladen - das Handy ersetzt damit die bereits bei vielen Banken verfügbare kontaktlose EC-Karte. In Kooperation mit Vodafone und Edeka Hessenring haben die Pilotbanken Kasseler Bank und Raiffeisenbank Braunatal einen Testbetrieb gestartet, der im Sommer 2017 ausgewertet wird.

Mittlerweile gibt es auch in Deutschland erste Ansätze für das anonyme Bezahlen mit Bitcoins über eine der wenigen Bitcoin-Wallets, die Zahlungen per QR-Code-Scan oder NFC mit dem Smartphone ermöglichen - diese bleiben aber eine Randerscheinung, wie zum Beispiel das lokale Angebot von Pey in Hannover.

Noch nicht in Deutschland: Bezahllösungen der Smartphone-Hersteller

Die großen Mobilfunkanbieter haben ihre Wallets für den deutschen Markt zwar mittlerweile größtenteils aufgegeben, nun legen aber die Smartphone-Hersteller mit eigenen mobilen Bezahldiensten nach: Apple Pay, Android Pay (Google), Samsung Pay, Huawei Pay und die Microsoft Wallet sind bisher größtenteils in den USA, China und teilweise auch schon in Europa gestartet, aber noch nicht in Deutschland.

Obwohl Apple in seinem iPhone 6 erstmals die NFC-Technologie integrierte, wurde sowohl die NFC-Funktion als auch Apple Pay vom Hersteller noch nicht für Deutschland freigeschaltet. Innerhalb Europas hat der Konzern mit Apple Pay in Großbritannien, Frankreich, Spanien und der Schweiz bereits ein eigenes Bezahlsystem auf den Markt gebracht.

Der Bezahlvorgang am Kassenterminal wird dabei um die Identifizierung per Finger-Abdruck-Sensor (Touch-ID) erweitert. Apple nutzt die Passbook-App für den Zugriff auf die erforderlichen Kreditkarten-Daten. Bezahlt werden kann auch zukünftig ausschließlich mit NFC-fähigen iPhone-Modellen, darüber hinaus aber auch mit der Apple Watch oder dem iPad (Pro, Air 2, mini 3 und mini 4). Ob und wann eine Einführung des Systems in Deutschland folgen wird, bleibt abzuwarten.
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