Studie

Datendrossel bremst Entwicklung von Musik-Streaming-Diensten

Der Verbreitungsweg Internetradio droht in Deutschland zu stagnieren. Ein Grund: Das begrenzte Highspeed-Datenvolumen in Mobilfunkverträgen. User fordern daher echte Flatrates bei der mobilen Internetnutzung.
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Das begrenzte High­speed-Daten­vo­lumen in Mobil­funk­ver­trägen bremst die En­wicklung der mobilen Nutzung von Online-Audio-An­ge­boten erheblich aus. Das ist eines der Ergebnisse des Web­radio­monitors 2015, dessen Eckdaten die Bayerische Landes­zentrale für neue Medien (BLM) und der Bundes­ver­band Digitale Wirtschaft (BVDW) ver­öffent­lichten.

Wichtigste Faktoren für eine weiterhin positive Marktentwicklung seien laut der Untersuchung neben einer besseren Netzinfrastruktur vor allem bessere Mobilfunktarife: 82 Prozent der Befragten wünschen sich echte Flatrates für mobiles Breitband, gut drei Viertel (77 Prozent) eine weitere Verbreitung von LTE und 71 Prozent eine Verbreitung von mobilem Breitband über WLAN. Acht von zehn Befragten stimmen der Aussage zu, dass begrenztes Datenvolumen in Mobilfunkverträgen Gift für die Entwicklung von Streaming und mobilem Internetradio sind.

Internetradio droht Stagnation

Datendrossel bremst Entwicklung von Musik-Streaming-DienstenDatendrossel bremst Entwicklung von Musik-Streaming-Diensten Zuvor ging auch aus dem Digi­tali­sierungs­be­richt der Landes­medien­an­stalten hervor, dass der Ver­breitungs­weg Inter­net­radio prozentual nicht mehr so stark wächst. Zwischen 2014 und 2015 gab es ein Wachstum von 6 Prozent, zum Vergleich: Das digital-terrestrische Radio wuchs um 64 Prozent. Für 5,6 Prozent der Haushalte ist Inter­net­radio die meist genutzte Empfangs­art. Mit 73,9 Prozent liegt das alte, analoge UKW hier noch deutlich vorn.

Begrenzte mobile Highspeed-Volumina und die Geschwindigkeitsdrossel bremsen freilich nicht nur die mobile Audionutzung aus, sondern auch viele andere Dienste, vor allem Videoportale. Während bei einer Geschwindigkeitsdrosselung von 56 oder 64 kBit/s zumindest noch Audio-Streams mit geringer Bandbreite zu hören sind, geht bei einer Drosselung von 32 oder erst recht 16 kBit/s, wie sie inzwischen vor allem von Discounter-Marken vorgenommen wird, nichts mehr. Ein deutsches Phänomen: Wie wir berichteten, bremsen Unternehmen in den USA ihre Kunden nur auf 128 kBit/s aus. Hiermit sind dann die meisten Webradio-Streams noch mobil hörbar und Streaming-Dienste wie Spotify oder Deezer noch uneingeschränkt nutzbar. Würden einzelne Webradio-Plattformen wie der Radioplayer Deutschland jedoch von der Drosselung ausgenommen, gebe es wieder einen Aufschrei von Netzaktivisten, Stichwort: Verletzung der Netzneutralität.

Umgekehrt tun sich die Hersteller von Smartphones und Tablets schwer damit, Alternativtechnologien wie das digital-terrestrische Radio DAB+ in die Gadgets einzubauen, da sie laut eigenen Angaben hierfür kein Geschäftsmodell sehen.

Fast 10 000 Webradio-Stationen in Deutschland

Insgesamt ist die Anzahl der Online-Audio-Angebote in Deutschland im Vergleich zum letzten Jahr weiter gestiegen und nähert sich mit 9792 Angeboten der 10.000er-Marke. Gleichzeitig wächst die Nutzung von Online-Audio über mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets. Derzeit erfolgt bereits ein Drittel der Abrufe von Online-Audio-Angeboten über mobile Endgeräte, für 2017 wird erwartet, dass es mehr als die Hälfte sein werden. Zu diesem Boom tragen auch Geräte wie Bluetooth-Lautsprecher oder Soundbars bei. Über diese lässt sich der Sound von Webradio-Stationen oder Streaming-Portalen von Smartphones und Tablets abspielen. Einige davon haben wir anlässlich der IFA vorgestellt.

Die wichtigsten Anbieter von Musik-Streaming-Flatrates haben wir auf einer Übersichtsseite zusammengestellt.

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