Äußerung

Super Vectoring von Huawei: VDSL 400 bei der Telekom?

Entwickelt Huawei für die Telekom einen VDSL-Vectoring-Standard mit bis zu 400 MBit/s? Der Dienst soll Super Vectoring heißen. Lesen Sie, warum die Branche eine derartige Entwicklung skeptisch sieht.
Von Thorsten Neuhetzki
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Entwickelt Huawei ein schnelleres VDSL Vectoring?Entwickelt Huawei ein schnelleres VDSL Vectoring? Mit Super Vectoring soll es demnächst möglich sein, bis zu 400 MBit/s über eine Kupferdoppelader zu schicken. Das berichtet das IT-Magazin Golem unter Berufung auf eine Huawei-Veranstaltung in Mailand. Dabei scheint es sich um eine Erweiterung von VDSL Vectoring zu handeln, das in diesem Sommer in den Live-Betrieb übergehen soll.

Vectoring soll bis zu 100 MBit/s im Downstream bringen und ist eine Erweiterung von VDSL. Im Gegensatz zu VDSL werden die Störsignale, die von anderen VDSL-Leitungen, die im Leitungsbündel parallel verlaufen, herausgefiltert. Dadurch erhöht sich die Qualität der Leitung und es können bis zu 100 MBit/s Down- und 40 MBit/s Upstream angeboten werden - eine gute Leitung und geringe Leitungslängen vorausgesetzt. Ab 500 Metern Leitungslänge lässt der Einfluss schon nach.

Offenbar will Huawei diesen Filterprozess noch weiter verbessern. Auf der angesprochenen Veranstaltung versprach Huawei 200 bis 400  MBit/s für Endkunden. Allerdings sei die Technik noch in der Entwicklung, wie der Head of Network Marketing, Xipeng Xiao, von Golem zitiert wird.

Branche sieht Äußerungen kritisch

In der Branche werden diese Äußerungen jedoch als kritisch betrachtet. Zum einen handelt es sich, wie zu hören war, nicht um bis zu 400 MBit/s im Downstream, sondern um einen aggregierten Wert. Down- und Upstream werden also zusammengezogen. Beim normalen Vectoring mit 100 MBit/s Down- und 40 MBit/s Upstream ergebe das analog einen Wert von 140 MBit/s. 400 MBit/s könnte also beispielsweise 300 MBit/s Down- und 100 MBit/s Upstream bedeuten. 300 MBit/s, so war aus Hersteller-Kreisen zu hören, sind jedoch auch schon heute mit VDSL Vectoring möglich, wenn ein sogenanntes 30-MHz-Profil genutzt werde.

Möglicherweise, so wird in der Branche hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, will sich Huawei mit derartigen Aussagen bei der Telekom wieder ins Gespräch bringen. Als Ausrüster des Netzbetreibers habe man wohl in der Vergangenheit Federn lassen müssen. Dafür spricht auch, dass der Head of Network Marketing diese Aussagen getätigt hat. Aus anderen Branchenkreisen war auch die Vermutung zu hören, es könne sich um G.fast handeln, bei dem die Telekom schon angedeutet hat, es verwenden zu wollen, wenn die Zeit dafür reif sei. Bei G.fast werden jedoch deutlich höhere Datenraten erreicht und es wird mehr als ein Multifunktionsgehäuse bzw. Kabelverzweiger zur Installation benötigt. Konkret werden die Übergabepunkte von der Glasfaser auf das Kupfer mehr oder weniger in die Bürgersteige vor den Häusern, etwa in bereits existierende Kabelschächten, verlagert. Von der Telekom selbst war heute keine Aussage zu erhalten, der für derartige Fragen zuständige Pressesprecher war für uns nicht erreichbar.

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