Sicherheit

5G ist jetzt: Huawei wirbt um Vertrauen

Von lokalen Netzen, wie sie in Deutschland möglich sein werden, hält Dr. Peter Zhou von Huawei wenig. Da hätten die etablierten Netzbetreiber mehr Erfahrungen.
Aus Barcelona vom Mobile World Congress berichtet
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Kommt der Name Huawei in die Diskus­sion, treten oft zwei Fragen in den Vorder­grund: Wie spricht man das Unter­nehmen eigent­lich richtig aus? Und wie „sicher“ sind Geräte und Kompo­nenten von Huawei oder liest bei allen Nach­richten, die ich über­trage, die chine­si­sche Regie­rung mit?

Dr. Yuefeng („Peter“) Zhou ist Marke­ting-Chef bei Huawei Wire­less Network Product Line und gewinnt der aktu­ellen Situa­tion sogar Vorteile ab. „Eins“, so sagt er heute vor Jour­na­listen auf dem Mobile World Congress, „habe die Diskus­sion gebracht, jeder kennt uns jetzt, weiß, dass es uns gibt und was wir machen.“ Aber das Thema ist ziem­lich ernst. Zhou betont, dass es nicht nur münd­liche Zusi­che­rungen des Firmen­grün­ders gibt, nicht zu spio­nieren oder Daten an die chine­si­sche Regie­rung weiter­zu­geben, das schreibe man auch explizit die jewei­ligen Liefer­ver­träge als „Agreed Secu­rity Stan­dard“ hinein. Ferner gäbe es ein Sicher­heits­labor in Luxem­burg und bald eines in Groß­bri­tan­nien, wo die Tele­fon­ge­sell­schaften sich die Geräte und Baugruppen von Huawei anschauen und Einblick in ihre Funk­tionen nehmen könnten.

Manche Mobil­funk­an­bieter über­legten noch, wann sie mit 5G ange­fangen wollen. Natür­lich müsse das jeder Anbieter selbst entscheiden, aber „jetzt“ sei der ideale Zeit­punkt dafür. Über­haupt sei der „Rollout“ für 5G-Technik bei Huawei in größeren Mengen ange­laufen.

Belie­fe­rung lokaler Netz­an­bieter in Deutsch­land?

CMO Dr. Peter Zhou von Huawei beantwortete ausführlich die Fragen der Journalisten zum Thema Sicherheit bei Huawei und der Bedeutung von 5G für sein Unternehmen.CMO Dr. Peter Zhou von Huawei beantwortete ausführlich die Fragen der Journalisten zum Thema Sicherheit bei Huawei und der Bedeutung von 5G für sein Unternehmen. In Deutsch­land sollen 5G-Frequenzen auch lokal ohne Verstei­ge­rung vergeben werden. teltarif.de wollte wissen, welche Lösungen Huawei für diese Kunden­gruppe anbieten könne.

Da gibt sich Peter Zhou eher skep­tisch. Er denke, dass es ökono­misch wenig Sinn mache, wenn „private“ Kunden (gemeint sind Indus­trie-Unter­nehmen) ein komplett eigenes „privates“ Netz aufbauen, um darüber ihre Ferti­gungs­pro­zesse zu steuern. Das Know How des Netz­aus­baus liege bei den natio­nalen TelCos, die schon über eine gewisse Netz­ab­de­ckung und lang­jäh­rige Erfah­rungen verfügen. Wenn ein „privates“ Unter­nehmen ein geschlos­senes privates Netz haben wolle, könnten die TelCos das für diese Unter­nehmen aufbauen. Huawei habe die passenden Kompo­nenten dafür. Derzeit werde zusammen mit 3GPP, dem Normungs­gre­mium die Schnitt­stellen, zwischen „privaten“ (Firmen) und „öffent­li­chen“ Netzen defi­niert.

Trend­thema IoT

Viele Unter­neh­mens­lö­sungen könnten heute schon mit 4G reali­siert werden. In China seien bereits 10 Millionen IoT-(Internet of Things)-Geräte unter­wegs, die vorhan­dene 4G-Netze verwenden. IoT ist für Huawei ein wich­tiges Thema und sie haben auch dafür die notwen­dige Tech­no­logie im Programm. 5G wird im Bereich von IoT für wesent­lich mehr Kapa­zität sorgen.

Huawei legt auch großen Wert darauf, dass Huawei-Handys auch in Netzen, die mit Kompo­nenten anderer Hersteller aufge­baut wurden, funk­tio­nieren. „Wir stehen mit unseren Part­nern im regel­mä­ßigen Austausch“, bestä­tigte Peter Zhou.

Huawei: „Rich­tige“ Aussprache und Bedeu­tung

Und wie spricht man das Wort „Huawei“ nun richtig aus? Während in Deutsch­land selbst offi­zi­elle Stellen von „Hua-Wai“ spre­chen, ist im chine­si­schen Sprach­ge­brauch eher „uaa-weeh“ üblich. Über­setzt heißt es sinn­gemäß „Etwas Gutes für China tun“ oder „China kann das“.

Neutrale Bewer­tung

Beob­achter der Sicher­heits­dis­kus­sion haben verstanden, dass die Diskus­sion in Deutsch­land neutraler verläuft. Hier werde das Unter­nehmen Huawei nicht per se als „böse“ gesehen, sondern man wolle alle Anbieter oder Liefe­ranten (Vendors) auf ihre Sicher­heit unter­su­chen und dann entscheiden. Huawei bietet sehr hoch­ent­wi­ckelte Technik zu deut­lich güns­ti­geren Preisen, als beispiels­weise von Nokia oder Ericsson. Würden Produkte von Huawei gene­rell aus den Netzen „heraus­ge­nommen“, würde dies zu höheren Baukosten und wahr­schein­lich auch zu starken Verzö­ge­rungen beim Netz­ausbau führen.

Voda­fone-Chef: Ohne Huawei verzö­gert sich 5G um 2 Jahre

So sieht das auch Voda­fone-Chef Nick Read. Seiner Einschät­zung nach könnte ein Verzicht auf Netz­werk-Technik chine­si­schen Ausrüs­ters Huawei in Mobil­funk-Netzen die Einfüh­rung des schnellen 5G-Daten­funks in Europa um zwei Jahre verzö­gern. Der größte nega­tive Effekt in diesem Falle wäre der nötige groß­an­ge­legte Austausch von Technik in der Infra­struktur. Der Chef des briti­schen Mobil­funk-Konzerns sieht bei einem Ausschluss von Huawei auch ein Versor­gungs­pro­blem für die Indus­trie. Nach einer Konzen­tra­ti­ons­welle gäbe es jetzt nur noch drei große Netz­werk-Ausrüster. Wenn man davon nur noch auf zwei zugreifen könnte - Ericsson und Nokia - wäre das schlecht für Inno­va­tionen und Versor­gungs­si­cher­heit.

Am Morgen wurde bekannt, dass der Streit zwischen der US-Regie­rung und China mögli­cher­weise bald beigelegt werden könnte, Amerikas Präsi­dent Donald Trump wolle seinen chine­si­schen Amts­kol­legen Xi Jinping sogar in Trumps Wochen­end­haus in Florida einladen. „Wichtig ist“, so ein. Bran­chen-Insider“ zu teltarif.de, "dass man mitein­ander darüber redet." Sicher­heit ist ein wich­tiges Thema und Daten­schutz („Privacy“) ist es auch. Der Staat muss nicht alles über seine Bürger wissen.“

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