Getestet

Huawei P9 Lite im Test: Günstiges Akku-Wunder

Das Huawei P9 Lite zeigt als abgespeckte Version des P9 viele Parallelen zum Oberklasse-Handy. Dennoch ist es deutlich günstiger. Wir haben das P9 Lite getestet und nennen Vor- und Nachteile zum aktuellen Top-Modell.
Von Rita Deutschbein

Prozessor nichts für Hardcore-Gamer

Herzstück des Huawei P9 Lite ist der HiSilicon Kirin 650. Bei dem Chip handelt es sich um einen 64-Bit-fähigen Octa-Core-Prozessor mit Cortex-A53-Kernen, von denen vier mit bis zu 1,7 GHz takten und ein weiteres Cluster eine Taktrate von 2,0 GHz hat. Zum SoC gehören eine Mali-T830 MP2 Grafikeinheit sowie ein LTE-Cat.6-Modul. Zudem bringt das Huawei P9 Lite 3 GB Arbeitsspeicher mit.

Die Leistung des Chips bewegt sich auf oberem Mittelmaß. Gängige Smartphone-Aufgaben und Multitasking sind daher kein Problem. Der vergleichsweise große Arbeitsspeicher in dieser Kategorie sorgt für genügend Reserven. Auch für Games bietet das SoC ausreichend Power, allerdings stößt die Grafikeinheit bei hochauflösenden Spielen mit schnellen Bildwechseln an ihre Grenzen - es kommt zu Rucklern und kurzen Aussetzern, Filmsequenzen können ins Stocken geraten. Nutzer sollten sich daher auf Android-Games mit mittlerer Auflösung beschränken. Huawei P9 Lite kommt ohne Dual-Kamera Dual-Kamera mit Leica-Optik fehlt. Das Metall-Gehäuse ist aber nahezu identisch.
Bild: teltarif.de / Rita Deutschbein
Entsprechend unseren Beobachtungen fällt auch der 3DMark-Benchmark aus: Das Huawei P9 Lite erreichte im Unlimited-Test, bei dem die Gaming-Eigenschaften getestet werden, einen Score von 11 618. Damit liegt die Lite-Version hinter dem Wert von 16 030 des Huawei P9, das auch nicht durch eine übermäßige Gaming-Performance aufgefallen ist. Auch im allgemeinen Benchmark von AnTuTu kann der Kirin 650 nicht mit Huaweis aktueller Spitzen-CPU Kirin 955 (94 800 Punkte) mithalten, die im P9 eingesetzt wird. Das P9 Lite erreichte hier einen Score von 53 013 und schneidet damit immerhin besser ab als das rund 50 Euro teurere Samsung Galaxy A5 (2016), das 41 316 Punkt erzielte.

Telefonie mit Dual-SIM-Funktion und Internet

Unser Testgerät bietet Platz für eine zweite SIM-Karte. Allerdings müssen sich Nutzer entscheiden, ob sie den Hybrid-Slot für eine weitere Nano-SIM oder für die Speichererweiterung nutzen wollen. Alternativ bietet Huawei das Smartphone auch in einer Single-SIM-Version an.

Das P9 Lite unterstützt Dual-SIM Standby, wird also über eine SIM-Karte telefoniert, kann auf der anderen kein Anruf durchgestellt werden. Der Anrufer wird stattdessen auf die Mailbox umgeleitet. Im Menü unter Dual-SIM-Verwaltung kann festgelegt werden, welche der beiden Nano-SIM-Karten zur Daten­verbindung genutzt werden soll. Die jeweils andere SIM-Karte unterstützt nur 2G-Verbindungen.

Durch die etwas größere Hörmuschel des P9 Lite fällt die Positionierung des Gerätes am Ohr leichter als beim Huawei P9, das eine kleinere Hörmuschel besitzt. Die Tonübertragung ist gut - Störgeräusche werden zuverlässig herausgefiltert, sodass sich beide Gesprächspartner auch in lauter Umgebung verstehen.

Internet-Verbindungen über Mobilfunk sind dank LTE Cat.6 mit einer Geschwindigkeit von bis zu 300 MBit/s möglich. Auch UMTS/HSPA+ mit bis zu 42 MBit/s wird unterstützt. Hier sind das P9 Lite und das P9 also gleich gut ausgestattet. Unterschiede gibt es hingegen beim WLAN, denn die Lite-Version bietet lediglich WLAN b/g/n und unterstützt somit nicht das 5-GHz-Frequenzband - ein Nachteil, der Punktabzug bringt.

Ebenfalls zur Ausstattung des P9 Lite gehören NFC und Bluetooth 4.1 zur drahtlosen Übertragung von Daten. Auch GPS, Glonass und Beidou zur Navigation sind an Bord.

Huawei P9 Lite ohne Dual-Kamera

Kamera-Vergleich: Huawei P9 Lite und Huawei P9 Das goldene P9 Lite hat keine Dual-Kamera.
Bild: teltarif.de / Rita Deutschbein
Ein weiterer prominenter Unterschied zwischen dem Huawei P9 Lite und dem Huawei P9 ist, dass die Lite-Version nicht über die Dual-Kamera mit Leica-Optik verfügt. Stattdessen bringt das Smartphone eine 13-Megapixel-Kamera mit f/2.0-Blende und Dual-LED-Blitz mit. Auch eine Frontkamera steht bereit, die recht natürliche und detailreiche Fotos mit bis zu 8 Megapixel aufnimmt und ebenfalls über eine f/2.0-Blende verfügt.

Die Kamera kann auf Wunsch über den Fingerabdrucksensor ausgelöst werden und bietet wie das Huawei P9 Profi-Modi für Foto- und für Videoaufnahmen, die allerdings etwas einfacher aufgebaut sind. Dennoch lassen sich mit deren Hilfe Werte wie der ISO, die Belichtungszeit und die Fokussierung individuell einstellen. Ansonsten ist die Kamera-App der App des P9 recht ähnlich: In die Einstellungen kommen Nutzer mit einem Wisch nach links oder rechts.

Die Fotoergebnisse bei Kunstlicht mit zugeschaltetem Blitz sind in Ordnung, insgesamt wirkt das Foto aber etwas zu dunkel. Details sind in hellen Bereichen erkennbar, bei dunklen Segmenten verschwimmen sie etwas. Farben lassen sich deutlich unterscheiden, wirken natürlich und sind klar voneinander abgetrennt. Anders sieht es bei Bildern aus, die im Dunkeln ohne Blitz aufgenommen wurden. Hier lassen sich deutliche Dopplungen vor allem bei den Farben Grau und Gelb erkennen. Details sind kaum herausgearbeitet und das Bild wirkt insgesamt zu körnig, wie unsere angehängten Beispielbilder in Originalgröße zeigen.

Akku zeigt Ausdauer

Vergleich: Huawei P9 Lite mit microUSB-Port und P9 mit USB C Lite-Version (links) kommt ohne USB-C-Port.
Bild: teltarif.de / Rita Deutschbein
Vom Akku des Huawei P9 Lite waren wir im Test positiv überrascht. Mit 3000 mAh hat er die gleiche Kapazität wie die Batterie des Huawei P9. Da der Prozessor aber weniger stromhungrig ist, fällt die Laufzeit im Schnitt etwas länger aus. Gut zwei Tage hält der fest eingebaute Akku des P9 Lite bei durchschnittlicher Nutzung durch, bevor er wieder geladen werden muss. Das Laden erfolgt über den microUSB-Port, einen USB-C-Anschluss wie das P9 besitzt die Lite-Version nicht. Auch auf die Quick-Charge-Funktion müssen Nutzer verzichten.

Wie immer haben wir die Leistung der Batterie im Akkutest von PC-Mark geprüft, bei dem die Zeit gemessen wird, die der Akku benötigt, um von einem Ladestand von 80 auf 20 Prozent zu fallen. Währenddessen werden klassische Smartphone-Anwendungen bei maximaler Display-Helligkeit durchgeführt. Das Huawei P9 Lite kam in diesem Test auf einen Wert von elf Stunden und fünf Minuten und hielt somit deutlich länger durch als das Huawei P9, das auf sieben Stunden und 31 Minuten gekommen ist. Mit seinem Ergebnis gehört das Huawei P9 Lite zu den aktuell ausdauerndsten Smartphones seiner Kategorie.

Fazit: Huawei P9 Lite im Test

PRO
  • Schlankes, leichtes Gehäuse
  • Ausdauernder Akku
  • Aktuelles Betriebssystem
  • Dual-SIM
CONTRA
  • Unnötige Apps installiert
  • kein 5-GHz-Band beim WLAN
  • Gaming-Leistung nur Durchschnitt
Die Einzelnoten im Handy-Test:
  • Technische Ausstattung: 1,7
  • Bedienung, Handling, Software: 1,4
  • Hardware, Verarbeitung, Material: 1,2
  • Basis-Feature des Handys: 1,7
  • Einschätzung des Redakteurs: 1,4
  • Gesamtnote: 1,5
Das Huawei P9 Lite ist ein Smartphone, das viele Parallelen zum Huawei P9 hat, dabei aber deutlich günstiger ist. Das Design und die Verarbeitung gefallen und auch das Display konnte im Test überzeugen. Positiv ist, das das Huawei P9 auch als Dual-SIM-Variante zu haben ist, wobei allerdings nur Dual-SIM Standby unterstützt wird. Die Telefonie meistert das P9 Lite anstandslos, Abzüge gibt es allerdings aufgrund des fehlenden 5-GHz-Frequenz­bandes beim WLAN.

Auf die Dual-Kamera mit Leica-Optik müssen Nutzer verzichten. Dennoch punktet das Gerät mit den Profi-Modi für Fotos und Videos sowie durch eine solide Qualität bei Aufnahmen im Hellen. Die Leistung des Prozessors reicht für normale Android-Games vollkommen aus, ist aber nichts für Gaming-Fans mit hohen Ansprüchen. Durch seinen vergleichsweise günstigen Preis ist das Huawei P9 Lite vor allem denjenigen Nutzern zu empfehlen, die solide Leistung mit einem schicken Design verbinden und dabei nicht allzu tief in die Tasche greifen wollen.

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