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Huawei P10 (Plus) im Kurz-Test: Das von hinten kommt nach vorne

Beim Huawei P10 und P10 Plus steht die Portrait-Fotografie im Fokus. Passend dazu wurden die Smartphones mit neuer Kamera-Technik ausgestattet. Wir haben die Neulinge mit Dual-Kamera von Leica im Kurz-Test ausprobiert.
Vom Mobile World Congress in Barcelona berichtet Rita Deutschbein

Was den Zugang zum Internet angeht, lassen das Huawei P10 und P10 Plus keine Wünsche offen. Die Smartphones unterstützen beide WLAN a/b/g/n/ac und sogar LTE Cat.12 mit Datenraten von bis zu 600 MBit/s im Downstream und bis zu 100 MBit/s im Upstream. In Deutschland werden derartige Downstreamraten allerdings noch nicht offiziell unterstützt - lediglich Testversuche mit bis zu 500 MBit/s im Vodafone-Netz laufen. Ebenfalls möglich sind Telefonate über LTE (VoLTE) sowie über WLAN (Wifi Calling).

Für Details zur Leistung des Huawei P10 und P10 Plus sowie der Akkulaufzeit und dem Betrieb im Alltag müssen wir den genauen Test abwarten.

Kameras im Detail

  Huawei P10 Huawei P10 Plus
Kamera Dual-Kamera von Leica;
12 MP RGB + 20 MP SW
OIS im RGB-Sensor
Sensoren Summarit f/2.2 Summilux f/1.8
Frontkamera Leica-Branding;
8 MP; f/1.9
Fixfokus
Leica-Branding;
8 MP; f/1.9
Autofokus
Kamera-
Besonderheit
Bokeh-Effekt auch bei SW-Sensor,
3D-Gesichtserkennung,
2x Hybrid-Zoom,
Studiolevel-Lighting,
nachträgliches Fokussieren,
Profi-Modus
Stand: 26.02.2017
Die Kamera-Ausstattung der neuen Flaggschiff-Modelle verdient eine genaue Erwähnung. Denn erstmals wurden nicht nur die Dual-Kameras der beiden Smartphones, sondern auch deren Frontkameras mit dem Leica-Branding versehen. Diverse neue Modi sollen den Nutzern noch mehr Möglichkeiten bei der Fotografie bieten.

Das knapp ein Jahr alte Huawei P9 verfügt über eine Dual-Kamera mit zweimal 12 Megapixel, wobei der RGB-Sensor der Hauptsensor ist. Anders geht Huawei bei der neuen P10-Familie vor: Hier setzt der Hersteller bei der Hauptkamera zwar weiterhin auf zwei Linsen, verwendet aber einen monochromen Sensor mit 20 Megapixel sowie einen RGB-Sensor mit 12 Megapixel. Und der monochrome Sensor ist es nun, der als Hauptsensor fungiert. Während im Huawei P10 die bereits bekannten Summarit-Linsen mit f/2.2-Blende zum Einsatz kommen, werden im Plus-Modell erstmals die noch lichtstärkeren Summilux-Linsen mit f/1.8-Blende verwendet. Das Huawei P10 Plus eignet sich somit besonders für Nahaufnahmen und Aufnahmen bei Low Light. Huawei P10: Bekannte Summarit-Linsen im kleinen Modell, Summilux-Linsen im Pro-Modell Huawei P10: Bekannte Summarit-Linsen im kleinen Modell, Summilux-Linsen im Pro-Modell
Bild: teltarif.de / Rita Deutschbein
Die Dual-Kameras der Smartphones verfügen über asphärische statt über sphärische Linsen, die häufig bei Handy-Kameras genutzt werden. Asphärische Linsen vermindern die Gefahr von Abbildungsfehlern, da hier die zentralen und die äußeren Lichtstrahlen aufgrund der nicht-sphärischen Oberfläche in einem einzigen Brennpunkt zusammentreffen. Beide Linsen erfassen das Motiv und fügen es in einem letzten Schritt zu einer Aufnahme zusammen. Ganz nach dem Motto "Mit zwei Augen sieht man mehr als mit einem" sind durch die Dual-Kamera detailreichere Aufnahmen mit verbesserter Tiefenmessung möglich. Ein weiterer Vorteil der dualen Linse: Fokus und Tiefenschärfe lassen sich nachträglich verändern.

Es gibt einen optischen Bildstabilisator (OIS), der auf dem RGB-Sensor sitzt, sowie einen zweifachen Hybrid-Zoom, der Nahaufnahmen auch im Makro-Bereich ermöglicht. Der OIS fehlte beim Huawei P9, was das Fotografieren in einigen Situationen erschwerte.

Beide Geräte kommen mit einer 8-Megapixel-Frontkamera, die ebenfalls in Zusammenarbeit mit Leica entwickelt wurde. Sie hat eine f/1.9-Blende und ist somit für Aufnahmen in schummriger Umgebung gut geeignet. Im P10 setzt Huawei einen Fixfokus ein, das Huawei P10 Plus ist mit dem besseren Autofokus ausgestattet. Bei Gruppenselfies zoomt die Kamera automatisch heraus, um alle Personen sowie den Hintergrund optimal im Bild zu haben.

Profi-Modus mit vielen neuen Funktionen

Der bekannte Profi-Modus für Foto- und Video-Aufnahmen ist wieder mit dabei. Um wirklich alle Features schnell zu finden, ist etwas Eingewöhnung notwendig, da die Kamera-App recht komplex ist. Videos lassen sich in 4K aufnehmen, die Bildstabilisierung lässt sich allerdings nur bei Aufnahmen mit bis zu 1080 mal 1920 Pixel anwenden.

Diverse neue Effekte sollen das Fotografieren mit der Dual-Kamera noch einfacher gestalten, dem Nutzer gleichzeitig aber mehr Möglichkeiten für verschiedene Effekte bieten. Es gibt beispielsweise einen Bokeh-Efekt (hier im Test des Honor 6X zu sehen), bei dem die Blende zwischen f/0.95 und f/16 geöffnet werden kann. Der Hintergrund kann somit verschwommen dargestellt werden.

Eine verbesserte 3D-Gesichts­erkennung ist laut Huawei in der Lage, die Neigung eines Kopfes zu erkennen und die Beleuchtung entsprechend anzupassen. Zudem gibt es diverse Make-Up-Effekte, mit denen sich Gesichter zusätzlich verschönern lassen. Die Farbgebung ist dabei typengenau angepasst. Dank des monochromen Sensors lassen sich auch Portrait-Aufnahmen in Schwarz-Weiß aufnehmen. Auch in diesem Fall lässt sich der Bokeh-Effekt anwenden - ein Novum. Huawei P10 (Plus): Schmale Bauform und bekannte Tasten-Anordnung an der Seite Huawei P10 (Plus): Schmale Bauform und bekannte Tasten-Anordnung an der Seite
Bild: teltarif.de / Rita Deutschbein

Fazit: Mit dem Huawei P10 zum Profi-Fotografen? Fast!

Das Huawei P10 und das P10 Plus machen beide einen guten Eindruck. Das System ist flott und das Design weiß zu Gefallen. Schade ist nur, dass der Finger­abdruck­sensor nicht länger auf der Rückseite zu finden ist, sondern im Home-Button. Die alte Positionierung hat uns besser gefallen.

Die Dual-Kamera lässt sich im ersten Hands-On nicht im Detail ausprobieren, so umfangreich sind ihre Möglichkeiten. Sie macht aber Lust darauf, sie genauer ausprobieren und mit den verschiedenen Modi zu spielen. Ob sie dann halten kann, was ihr erster Eindruck verspricht, wird ein genauer Test zeigen.

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