Verkaufszahlen

Editorial: Und wieder ist der Handymarkt in Bewegung

Ein Huawei-Modell wird zum Verkaufsschlager und verkauft sich fast so oft, wie zwei iPhone-Modelle zusammen. Sortiert sich der Smartphone-Markt abermals neu?
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Huawei-LogoHuawei-Logo Schaut man sich die in Deutschland meistverkauften Automarken an, dann gibt es nur geringe Veränderungen im Vergleich zu vor zehn oder zwanzig Jahren: Volkswagen steht an der Spitze, dahinter streiten sich vor allem BMW, Mercedes und Audi um die Gunst der Kunden. Rund ein Drittel aller Fahrzeuge wird importiert, wobei Toyota, Fiat und Peugeot hier die wichtigsten Lieferanten sind. Ein Autohersteller, der in einem Jahr etwas weniger Fahrzeuge kauft, kann das zumeist in den Folgejahren wieder ausgleichen und sich den gewohnten Marktanteil zurückkämpfen. Die große Ausnahme von dieser Regel ist Opel, die seit 1972, wo sie mit 21,3 Prozent Marktanteil sogar auf Platz 1 bei den Neuzulassungen in Deutschland lagen, quasi nur noch im Rückwärtsgang unterwegs sind. Aktuell dümpelt der Marktanteil bei knapp über 7 Prozent.

Ganz anders der Handymarkt: Nokia hat vorgemacht, dass der Absturz vom unangefochtenen Weltmarktführer in die vollkommene Bedeutungslosigkeit binnen weniger Jahre erfolgen kann. Auch ein gefestigter Heimatmarkt ist keine Garantie für konstante Verkaufszahlen, wie Motorola (USA) oder Siemens (Deutschland/EU) erleben mussten. Zwar zeichnete sich der Smartphonemarkt in den letzten Jahren durch eine gewisse Konstanz aus: Platz 1 für Samsung, die ein komplettes Sortiment vom kostengünstigen "Einsteigergerät" bis zum High-End-Smartphone anbieten, und dahinter Apple mit den hochwertigen, aber auch teuren iPhones.

Der nicht-mehr-Dritte

Die aktuelle Sortierung kommt aber schon wieder durcheinander: Huawei hat sich im vorletzten Quartal nach Stückzahlen an Apple vorbeigeschoben und diesen Platz im letzten Quartal halten können. Zudem macht Huawei nicht den Anschein, diesen Platz wieder hergeben zu wollen. Im Gegenteil sie haben sogar Platz 1 fest im Visier.

Im Juli war ein Huawei-Smartphone sogar das mit Abstand meistverkaufte Smartphone in Deutschland. Mit 10 Prozent Marktanteil ging das P20 Lite fast genauso oft über den Ladentisch (oder in den Versand), wie die beiden nächsten Geräte zusammen, nämlich iPhone 8 (5,4 Prozent Marktanteil) und iPhone X (5 Prozent Marktanteil). Dahinter folgten Galaxy S9 und S9+ von Samsung mit 4,6 bzw. 4,3 Prozent.

Beim Umsatz liegt Apple mit den beiden iPhones natürlich weit vor Huaweis P20 Lite. Aber der aktuelle Kurs von Huawei, gute Geräte von vornherein zu einem sehr günstigen UVP anzubieten, hinterlässt Eindruck bei den Nutzern. Bei der bevorstehenden Einführung der 5G-Technologie könnte Huawei zudem möglicherweise Vorteile daraus ziehen, dass sie sich auch zu einem der führenden Netzausrüster gemausert haben. In den kommenden Jahren dürften daher auch Huaweis Pro-Geräte die Verkaufslisten stürmen. Im Premiumsegment stehen die Kunden dann nicht mehr vor der Wahl: "Samsung oder Apple?", sondern "Samsung oder Apple oder Huawei?"

Hauptverlierer aufgrund Huaweis Erfolg könnte dabei Samsung werden, denn der Wechsel von Android zu Android ist natürlich leichter als der von iOS zu Android. Sorgen um Samsung muss man sich allerdings keine machen: Mit den Erlösen aus der Produktion von Chips (insbesondere Prozessoren und Speicher) und Displays hat Samsung jüngst erneut einen Rekordgewinn gemeldet. Samsung-Technologie wird uns also erhalten bleiben, selbst dann, wenn ein anderer Name auf dem Gehäuse prangt.

Und Apple? Sie haben eine treue Fangemeinde, die die Langlebigkeit der Geräte schätzt, und der es nicht auf den allerletzten technischen Gimmick ankommt. Das spricht dafür, dass sie ihren Marktanteil werden halten können. Viel Luft nach oben gibt es für Apple hingegen nicht mehr, schon aufgrund des hohen Preises.

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