Spionage-Verdacht

5G-Netz: Regierung baut hohe Hürden für Huawei auf

Nach einem Bericht des Handelsblattes werden die Sicherheitsauflagen für die Errichtung des 5G-Netzes verschärft. Telekom und Telefónica bereiten sich darauf vor, Huawei aus ihren Kernnetzen zu verbannen.
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Der Streit um angeb­liche Sicher­heits­lü­cken beim Netz­werk­aus­rüster Huawei bekommt eine neue Dimen­sion. Erst­mals erwägt die Bundes­re­gie­rung, den Einsatz von Technik der Chinesen einzu­schränken – wenn auch nur indi­rekt, über schär­fere Sicher­heits­auf­lagen.

Schär­fere Sicher­heits­an­for­de­rungen kommen

Huawei gerät auch in Deutschland zunehmend unter Druck.Auch die Bundesregierung fürchtet, dass an den Spionagevorwürfen gegen Huawei etwas dran sein könnte. Wie das Handels­blatt aus Teil­neh­mer­kreisen erfuhr, verstän­digten sich vorges­tern hoch­ran­gige Regie­rungs­ver­treter über das weitere Vorgehen beim künf­tigen Umgang mit Netz­werk­aus­rüs­tern. Danach soll die Bundes­netz­agentur gemeinsam mit dem BSI zeitnah Eckpunkte für schär­fere Sicher­heits­an­for­de­rungen für den Netz­ausbau vorlegen. Hinter­grund ist, dass die Netz­be­treiber rasch Klar­heit haben müssen, spätes­tens Mitte März soll bereits die Frequenz­ver­stei­ge­rung über die Bühne gehen.

Die neuen Sicher­heits­an­for­de­rungen sollen unter anderem eine Verpflich­tung zur Zerti­fi­zie­rung des verwen­deten Equip­ments durch das BSI beinhalten sowie die Offen­le­gung der Quell­codes. Das soll ermög­li­chen, Hinter­türen in der Program­mie­rung zu erkennen. Brisant: Die Anfor­de­rungen sollen dem Vernehmen nach für alle Bereiche gelten, also nicht nur für 5G, sondern auch für die 2G-, 3G- und 4G-Netze.

Frei­wil­liger Verzicht?

Die Bundes­re­gie­rung rechnet derzeit damit, dass die Netz­be­treiber aufgrund des poli­ti­schen Drucks und des bestehenden Sicher­heits­ri­sikos frei­willig darauf verzichten werden, Technik von Huawei im Kern­be­reich ihres 5G-Netzes zu verbauen. Konkret ausschließen, wie es etwa Neusee­land oder Austra­lien gemacht hatten, will die Bundes­re­gie­rung Huawei nicht. Länder wie Groß­bri­tan­nien gehen einen ähnli­chen Weg wie Deutsch­land, indem sie die Sicher­heits­an­for­de­rungen hoch­schrauben und auf frei­wil­lige Beschrän­kungen der Netz­be­treiber setzen.

Zusatz­kosten befürchtet

Die Indus­trie warnt aber vor mögli­chen Konse­quenzen. Ein Ausschluss von Huawei aus den Kern­netzen in Deutsch­land wäre zwar möglich, heißt es von dort. Aller­dings fürchten die Firmen­ver­treter, dass der Bann von Huawei-Technik aus dem Herzen der Netze zu massiven Mehr­kosten führen und den Ausbau von 5G verlang­samen könnte. Noch größer ist die Sorge, Huawei-Technik könnte komplett ausge­schlossen werden. „Das wäre kaum möglich“, sagte ein rang­hoher Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ma­nager dem Handels­blatt. Huawei-Geräte steckten in den Netzen aller drei Mobil­funk­be­treiber. Es würde einige Jahre dauern, alle Technik zu entfernen, und es hätte massive Konse­quenzen für die Qualität der Netze.

Netz­be­treiber prüfen Huawei-Bann

Die Netz­be­treiber spielen die Auswir­kungen eines Banns von Huawei aus dem Kern­netz trotzdem bereits durch. Wie das Handels­blatt erfuhr, haben Telekom und Telefónica Pläne aufge­legt, in denen sie prüfen, wie sich Huawei-Technik aus den sensi­belsten Berei­chen ihrer Infra­struktur entfernen ließe. Voda­fone verwendet nach eigenen Angaben Huawei nur begrenzt in seinem Kern­netz in Deutsch­land.

Telefónica Deutsch­land warnte vor einem lang­wie­rigen Verfahren, sollte Huawei aus dem kompletten Kern­netz ausge­schlossen werden, auch für die jetzigen Stan­dards von 2G aufwärts. „Hier spre­chen wir nicht von wenigen Monaten, sondern von längeren Zeit­räumen“, sagte ein Unter­neh­mens­spre­cher. Die Ressourcen für den Rückbau würden dann an anderer Stelle fehlen.

Huawei gibt sich offen

Zu den Plänen der Bundes­re­gie­rung für stren­gere Prüfungen sagte ein Huawei-Spre­cher: „Wir begrüßen prin­zi­piell jede Initia­tive, die auf Basis objek­tiver Sicher­heits­kri­te­rien Prüf­me­cha­nismen fest­schreibt, die die Tech­no­logie aller Liefe­ranten kriti­scher Infra­struktur unab­hängig von ihrem Herkunfts­land unter­sucht und bewertet.“

Hinter­grund der Sorgen ist, dass chine­si­sche Gesetze Unter­nehmen dazu verpflichten könnten, ihre Daten dem Staat offen zu legen. Huawei bestreitet, dass eine solche Verpflich­tung besteht. Eine Lösung des Konfliktes könnte viel­leicht darin bestehen, dass Huawei seinen Firmen­sitz von China weg verlegt. Diese Möglich­keit wies Huawei aller­dings zurück. „Das steht nicht zur Diskus­sion“, sagte ein Firmen­spre­cher.

Die jetzige Entschei­dung der Bundes­re­gie­rung hat sich bereits Mitte Januar ange­deutet. Bereits damals waren Plänen zur Verschär­fung der Sicher­heits­stan­dards durch­ge­si­ckert. teltarif.de berich­tete.

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