Netzausbau

Editorial: Codeprüfung für alle!?

Die Diskussion um mögliche Sicherheitslücken in Huaweis 5G-Technik geht weiter. Ist ein Code-Audit die Lösung? Und hätte dieser Vorteile für die Kunden?
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Das internationale Tauziehen um Spionagevorwürfe gegen den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei geht weiter. Die USA, Australien, Neuseeland und Japan haben mittlerweile Huawei-Technik von ihren 5G-Netzen ausgeschlossen, Großbritannien prüft einen derartigen Schritt. Auch in Deutschland wird - sicher wohl vor allem aufgrund des Drucks aus den USA - über einen Huawei-Ausschluss diskutiert. Eine Regelung "Du darfst nicht bei den Chinesen kaufen" ist dabei eher unwahrscheinlich. Möglicherweise werden aber die Sicherheitsanforderungen derart hochgeschraubt, dass die Verwendung von Huawei-Technik wirtschaftlich unsinnig oder gar faktisch unmöglich wird.

Problematisch ist am aktuellen Gerangel um Huawei, dass nach den Insolvenzen und Firmenübernahmen der letzten Jahre nur drei große Ausrüster verblieben sind, die Mobilfunktechnik liefern: Ericsson, Nokia Siemens Network und eben Huawei. Weitere Anbieter wie ZTE sind dazu im Vergleich weit abgeschlagen. Wird nun einer der drei großen Ausrüster aus politischen Gründen ausgeschlossen, sehen sich die Netzbetreiber einem Duopol von Anbietern gegenüber. Netzausbau (hier liegt Deutschland im internationalen Vergleich eh schon weit zurück) und Tarife (die sind in Deutschland vergleichsweise hoch) könnten weiter leiden.

Wer jetzt meint, nur die "billige" Telefónica wäre auf "billige" China-Technik angewiesen, irrt übrigens gewaltig: Auch die Deutsche Telekom setzt im großen Maß auf Huawei, und würde in arge Probleme laufen, wenn diese plötzlich ausgewechselt werden müsste. Für Telefónica wäre ein Huawei-Bann, der nicht nur 5G, sondern auch 2G bis 4G betreffen könnte, aber sicher noch gravierender, schließlich liegt der Konzern auch ohne zusätzliche Störungen von außen weit hinter seinen Netzintegrations- und -ausbauplänen zurück.

Unabhängige Zertifizierungen für alle!

Der Aufbau der 5G-Netze steht bevorDer Aufbau der 5G-Netze steht bevor Möglicherweise hat die Huawei-Diskussion und das Bemühen der deutschen Behörden um einheitliche und hohe Sicherheitsstandards auch etwas Gutes: Bei einer geheimen Anhörung im Wirtschaftsministerium letzte Woche - Huawei und die Presse waren ausgeschlossen - soll die Deutsche Telekom den Vorschlag auf einen Quellcode-Audit der Huawei-Software gemacht haben. Huawei verkündete später, solchen Prüfungen grundsätzlich positiv gegenüberzustehen - so lange die Untersuchung "allen Lieferanten kritischer Infrastruktur unabhängig von ihrem Herkunftsland" gleichermaßen gilt.

Eine solche unabhängige Überprüfung der Software aller Netzausrüster würde tatsächlich den Mobilfunknutzern zugutekommen. Denn große Software-Pakete enthalten so gut wie immer Fehler, und bei einer Prüfung werden zumeist zumindest einige davon gefunden. Da ein Sicherheits-Audit den Augenmerk vor allem auf die korrekte und saubere Implementation der Protokoll-Stacks legen würde, würden gerade in diesen Bereichen Fehler entdeckt werden. Die Folge könnte daher durchaus sein: weniger Protokollfehler, somit weniger "Verständigungsprobleme" zwischen Netz und Smartphone, also weniger Aussetzer und weniger Verbindungsabbrüche. So würden wir am Ende sogar alle von den Bedenken gegen Huawei profitieren.

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