Problematisch

Vodafone wirft Huawei aus dem Kernnetz

Soll in Deutschland Mobilfunktechnik von Huawei generell aus den Netzen geworfen oder genauer hingeschaut werden? Und was ist mit anderen Herstellern?
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Der Mobil­funk­be­treiber Voda­fone will bis Ende 2020 alle Kompo­nenten des chine­si­schen Ausrüs­ters Huawei aus den sensi­belsten Berei­chen seines Netzes in Deutsch­land entfernt haben. Das berichtet die in Düssel­dorf erschei­nende und gut infor­mierte Wirt­schafts­zei­tung Handels­blatt. Im soge­nannten "Kern­netz" (englisch "Core-Network") würden bislang noch zu einem geringen Teil Kompo­nenten von Huawei einge­setzt.

Ökono­mi­sche Gründe

Auf politischer Ebene wird intensiv diskutiert, ob Technik aus China, speziell von Huawei aus deutschen Mobilfunknetzen "verbannt" werden soll.Auf politischer Ebene wird intensiv diskutiert, ob Technik aus China, speziell von Huawei aus deutschen Mobilfunknetzen "verbannt" werden soll. Die Entschei­dung, Kompo­nenten von Nokia statt Huawei im Kern­netz des Betrei­bers einzu­setzen, habe ökono­mi­sche Gründe, erklärte der Spre­cher von Voda­fone. Sie hingen nicht mit der Debatte über die Sicher­heit von Ausrüs­tung des chine­si­schen Herstel­lers zusammen. „Vor etwa zwei Jahren haben wir uns im Rahmen einer opera­tiven Neuaus­schrei­bung hinsicht­lich Teilen des Kern­netzes für Nokia entschieden“, hieß es dazu aus dem Unter­nehmen. Technik von Huawei werde aber weiter einge­setzt, nur nicht im sensi­belsten Bereich des Mobil­funk­netzes (dem Kern). Außer­halb des Core-Netzes, im soge­nannten Radio Access Network (also bei Sende­sta­tionen vor Ort), kämen rund die Hälfte der einge­setzten Kompo­nenten von Huawei.

Es ist in der Mobil­funk­branche gängige Praxis, Kompo­nenten nicht nur von einem Hersteller zu kaufen und einzu­bauen. Damit soll die Abhän­gig­keit von einem Liefe­ranten vermieden werden, beispiels­weise wenn es Liefer­eng­pässe oder schwer­wie­gende tech­ni­sche (oder jetzt auch poli­ti­sche) Probleme gibt, die Szene spricht von "Multi-Vendor"-Stra­tegie. Heute soll die Bundes­re­gie­rung in einer "geheimen" Sitzung auf höchster Ebene über den künf­tigen Umgang mit dem chine­si­schen Netz­werk­aus­rüster Huawei beraten.

Sicher­heits­pa­pier sieht umfang­reiche Prüfungen vor

In dem Papier (ein Entwurf liegt der Zeitung vor) ist die Rede von Anfor­de­rungen „für das Betreiben von Tele­kom­mu­ni­ka­tions- und Daten­ver­ar­bei­tungs­sys­temen sowie für die Verar­bei­tung perso­nen­be­zo­gener Daten“. Die Netz­be­treiber sollen Netz­struk­tur­pläne, Gefähr­dungs­ana­lysen und Sicher­heits­kon­zepte erstellen und regel­mäßig aktua­li­sieren. Bei beson­ders kriti­schen Netzen, etwa die Vernet­zung von Fabrik­an­lagen oder der Vernet­zung von Fahr­zeugen, soll es erwei­terte Anfor­de­rungen geben.

Huawei nicht ausschließen

Über soge­nannte "Eckpunkte bei den Sicher­heits­an­for­de­rungen an den künf­tigen 5G-Aufbau" sollen sich nach Infor­ma­tionen des Handels­blatts vergan­gene Woche die Staats­se­kre­täre der betei­ligten Minis­te­rien mit Kanz­leramt, Sicher­heits­diensten und den Aufsichts­be­hörden verstän­digt haben. Bei einer Sitzung waren auch Vertreter von Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­nehmen anwe­send. Während die Sicher­heits­be­hörden vorm Einsatz von Huawei-Produkten beim Aufbau der neuen Mobil­funk­ge­nera­tion 5G warnen, werben sowohl das BSI sowie Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­nehmen wie die Deut­sche Telekom dafür, Huawei nicht auszu­schließen, um den schnellen Ausbau der Echt­zeit­netze nicht zu behin­dern. Die Zeit drängt, da bereits im März die begehrten Frequenzen für den 5G-Stan­dard verstei­gert werden sollten und die Unter­nehmen vorher wissen müssen, ob sie den Markt- und Inno­va­ti­ons­führer Huawei einsetzen dürfen.

Durch die aufschie­bende Klage der Anbie­ters Telefónica und der Deut­schen Telekom ist in die geplante Auktion neue Dramatik hinein gekommen.

Eine Einschät­zung

Wie Stephan Scheuer vom Handels­blatt in seinem Kommentar richtig erkannt hat, brau­chen wir in der Diskus­sion mehr Ehrlich­keit und weniger Schein­hei­lig­keit. Scheuer plädiert dafür, alle Anbieter von Hard­ware, also auch ameri­ka­ni­sche wie zum Beispiel Cisco genauen Prüfungen zu unter­ziehen. Ähnlich hatte auch der Tele­kom­muni­kations­experte Prof. Torsten J. Gerpott in seinem Gast­bei­trag auf teltarif.de argu­men­tiert. Nachdem aufge­flogen war, dass der ameri­ka­ni­sche Geheim­dienst eine Zeit­lang das Handy von Bundes­kanz­lerin Angela Merkel abge­hört hatte, kann man offenbar in diesem welt­po­li­ti­schen Spiel niemandem mehr über den Weg trauen. Eins ist heute schon klar: Eine 100 Prozent Geheim­hal­tung beim Infor­ma­ti­ons­aus­tausch gibt es längst nicht mehr. Und klar ist auch: Es ist Diplo­matie und Finger­spit­zen­ge­fühl gefragt und kein Hantieren mit dem Vorschlag­hammer.

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