Übernahme

Google und HTC kurz vor Abschluss von Verkaufsverhandlungen

Es wäre eine kleine Sensation und gewissermaßen eine Wiederholung der Geschichte: Google steht angeblich kurz davor, HTC in Teilen aufzukaufen. Was es mit den Gerüchten auf sich hat, ist verworrener als man vielleicht denkt.
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HTC-Verkauf an GoogleSteht das Ende von HTC wie wir es kennen bevor? Um das Jahr 2012 herum kaufte Google für 12,5 Milliarden US-Dollar den damals angeschlagenen Smartphone-Hersteller Motorola Mobility, um dessen Knowhow zu nutzen. Nun könnte HTC, DEM Android-Pionier schlechthin, ein ähnliches Schicksal bevorstehen. Noch ist der mögliche Verkauf aber nur ein Gerücht. Eines, das durchaus ins Bild passt.

Laut den Informationen der China Times ist Google derjenige Interessent, der den Zuschlag bekommen könnte. Dem Artikel zufolge befinden sich beide Konzerne in der finalen Verhandlungsphase, ohne dass ein Wort über den möglichen Kaufpreis gefällt wurde. Google und HTC haben sich wie zu erwarten nicht zu den Gerüchten geäußert.

Dem Bericht zufolge hält Google zwei Optionen für möglich: Man positioniert sich als ein strategischer Partner von HTC und steigt als Investor ein, oder die Smartphone-Abteilung wird kurzerhand komplett übernommen.

Schlechtes Ergebnis seit 13 Jahren

Trotz hervorragender Geräte, die regelmäßig Top-Bewertungen erhielten wie zuletzt das HTC U11, und einer enorm starken Nachfrage für Smartphones konnte der Absturz nicht aufgehalten werden. Im August erzielte das Unternehmen das schlechteste Umsatz­ergebnis seit über 13 Jahren mit etwas über 3 Milliarden Taiwan-Dollar, was umgerechnet etwa 82,9 Millionen Euro entspricht. Im Vorjahresvergleich liegt der Einbruch bei mehr als 54,39 Prozent, verglichen zum Vormonat sind es ebenfalls enorme 51,56 Prozent Umsatz­einbruch. Der kurze Aufschwung mit dem HTC U11 in den Monaten Juni und Juli hat damit nicht angehalten.

Insofern ist es mehr als fraglich, ob ein neues Top-Smartphone tatsächlich den erhofften Umschwung bringen kann, sei es technisch noch so gut ausgestattet. Da im Gegensatz zur Smartphone-Sparte die Abteilung für VR erheblich bessere Umsatz­zahlen liefert, ist ein Verkauf der verlustreichen Smartphone-Sparte die wirtschaftlich sinnvollste Lösung. Und genau an diesem Punkt kommt Google laut der China Times ins Spiel.

Was hat Google vor?

Ungeachtet des Ausgangs der Verhandlungen bleibt die Frage im Raum, was Google überhaupt mit der Smartphone-Sparte von HTC vor hat. Immerhin will der Internet­konzern mit Sitz im Silicon Valley nicht in direkte Konkurrenz zu seinen Hardware-Partnern für Android treten, auch wenn Nexus- und Pixel-Geräte einen genau entgegengesetzten Eindruck vermitteln. Von der Übernahme Motorolas 2011 ist schließlich auch nicht viel geworden, abgesehen vom Verkauf an Lenovo Anfang 2014 und dem Einbehalten von Motorolas großem Pool an Mobilfunk-relevanten Patenten.

Einige Branchenbeobachter gehen mittlerweile davon aus, dass Google sich zu einem Unternehmen entwickeln möchte, bei dem alles aus einer Hand kommt: Betriebssystem, Software, Hardware und Dienste im Hintergrund. Als Vorbild respektive Inspiration soll dabei ausgerechnet Amazon dienen, die mit ihrer Kindle-Gerätefamilie seit Jahren erfolgreich eigene Hardware vertreiben. Zumal die 2016er Generation der Google-Smartphones, das Pixel und Pixel XL, von HTC gefertigt wurden. Auch das kleinere Pixel 2 soll wieder aus der Feder von HTC stammen und Google könnte mit dem Kauf oder der strategischen Partnerschaft die weitere Zusammenarbeit absichern.

Dennoch scheint Sundar Pichai als amtierender Chef von Alphabet-Tochter Google nicht ganz zufrieden zu sein, wie HTC die Entwicklung und Produktion der beiden Pixel-Smartphones handhabt. Ein Indiz dafür könnte sein, dass das Pixel 2 XL von LG entwickelt und hergestellt wird.

In einem weiteren Artikel haben wir die Highlights aus 20 Jahre HTC zusammengefasst.

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