Übernahme

Googles Teilübernahme von HTC ist durchgewunken

Gegen Ende September ließ Google die Bombe platzen und verkündete, dass man einen Teil der Belegschaft von HTC übernehmen will. Nun hat der US-Konzern grünes Licht von den taiwanischen Behörden bekommen.
Von Stefan Kirchner
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Schon einmal versuchte sich Android-Erfinder Google als Besitzer eines Hardware-Herstellers. 2014 sorgte die Übernahme von Motorola für großes Aufsehen und weckte Befürchtungen, dass Motorola bevorzugt behandelt werden würde. Nun kann sich Google wieder ein Unternehmen einverleiben.

Genauer gesagt übernimmt Google nur einen Teil der Belegschaft des Smartphone- und Android-Pioniers für etwa 1,1 Milliarden US-Dollar. Nun hat die Taiwan Investment Commission die Übernahme der Smartphone-Abteilung von HTC genehmigt und der Deal ist damit offiziell, wie Taiwan News berichtet.

Neben einer nicht näher genannten Anzahl an Mitarbeitern umfasst der Milliarden-Deal vor allem die Nutzung der HTC-eigenen Patente für Smartphone-Technik. Öffentlich bestätigt wurden die Pläne zur Übernahme gegen Ende September.

Google auf dem Weg zum Hardware-Hersteller?

Google kauft HTCGoogle darf Teil der Smartphone-Belegschaft von HTC übernehmen Was der US-Konzern genau mit der Belegschaft vor hat, ist noch unklar. Nimmt man jedoch die Pixel-Reihe in Betracht und insbesondere die beiden Pixel-2-Modelle, gelangt man zu der Schluss­folgerung, dass Google sich ein Beispiel an Microsoft und Apple nehmen könnte. Beide bieten zu ihren Betriebs­systemen auch selbst entwickelte Geräte an. Genau das könnte auch Googles aktuell langfristiges Ziel sein.

Noch ist das reine Spekulation und Google würde sicherlich nicht leichtfertig das Vertrauen seiner anderen wichtigen OEM-Partner verspielen. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass das mögliche Pixel 3 und Pixel 3 XL komplett Google-intern entwickelt werden, ohne die Hilfe eines externen OEM-Partners. Der Wandel nach Vorbild Microsofts und vor allem von Apple wäre damit perfekt.

HTCs ungewisse Zukunft

Fataler sind die Auswirkungen allerdings für HTC, auch wenn die Übernahme durch Google kurzfristig den Aktienkurs enorm in die Höhe auf ein schon lange nicht mehr erreichtes Kursniveau hat springen lassen. Zwar dient der Geldsegen durch Google im ersten Quartal 2018 zum Ausgleich von Verlusten, jedoch verliert HTC einen Großteil seiner Ingenieure und Entwickler für das Smartphone-Geschäft.

Eines der Szenarien für die Zukunft des taiwanischen Herstellers wäre daher, dass die Probleme im Smartphone-Markt noch größer werden und das Geschäft komplett aufgegeben werden muss. Branchen­beobachter gehen jedoch nicht davon aus, dass HTC so schnell aus dem Markt verschwinden wird.

Trotzdem lässt es sich nicht von der Hand weisen, dass die seit Jahren kontinuierlich sinkenden Verkaufszahlen auf eine Kombination aus ineffizientem Marketing und zu starker Konkurrenz, national wie international, zurückzuführen sind. Zumal die VR-Sparte mit der Vive aufgrund des großen Erfolgs im Mittelpunkt der Konzern-eigenen Investitionen steht.

Lesen Sie in einem weiteren Beitrag, welche Neuerungen Google mit der nächsten Pixel-Generation plant.

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