Tiefenwirkung

HTC Evo 3D im Test: Android-Handy mit 3D-Funktion

Gerät kommt mit zwei Linsen und einem speziellen Display
Von Thorsten Neuhetzki

Verwendet wird die Parallax-Technik, bei der der das Handy immer im richtigen Abstand und Winkel gehalten werden muss, damit man den 3D-Effekt erkennt. Aufgenommene Fotos lassen sich daher nicht sofort in dreidimensional erkennen. Beim ersten Betrachten wirken die Fotos eher wie ein aus den 80ern und 90ern bekanntes Wackelbildchen, bei dem sich aufgedruckte Motive hinter einer Prisma-Scheibe ruckartig bewegten. Um das geschossene Foto in 3D zu sehen, muss der Nutzer das Handy in einem Abstand von etwa 30 bis 50 Zentimetern zum Auge halten. Außerdem hilft es, wenn die Augen nicht das Display fokussieren, sondern den Blick in die Tiefe des Handydisplay fallen lassen. Bei Videos lässt sich dieser Effekt deutlich leichter erzielen - und auch aus seitlicheren Blickwinkeln. Das ist bei den Fotos nicht möglich. In diesem Betrachtungswinkel wirken 3D-Fotos am besten. In diesem Betrachtungswinkel wirken 3D-Fotos am besten.
Foto: teltarif.de

HTC Evo 3D

Nicht alle Nutzer, denen wir das Evo 3D in die Hand gaben, konnten sich auf diese Betrachtungsmethode einlassen. Trotz der Erklärung, wie man die Bilder am besten sieht, sahen sie nur verschwommene und verwaschene Fotos auf dem Display. Wer sich allerdings erst einmal an die Betrachtungsmethode gewöhnt hatte, konnte dann auch den eigenen Blick wieder so einstellen, dass die Bilder schnell dreidimensional zu sehen waren.

Entscheidend für den 3D-Effekt ist aber auch das Motiv. Wer typische Landschaftsfotos macht, wird wenig Freude am 3D-Effekt haben. Befindet sich aber im Vordergrund beispielsweise ein Baum oder ein Busch im Anschnitt, so wird der Effekt sehr deutlich und das Bild plastisch. Gleiches gilt für Videos: Wer sich um ein Motiv herum bewegt, hat deutlich mehr Freude am 3D-Effekt als jemand, der nur statisch auf ein Motiv filmt. Wichtig: Es sind nur 3D-Aufnahmen im Querformat möglich. Im Hochformat verweigert das Gerät das Auslösen.

Video in 3D wirken nicht scharf, Bilder eingetrübt

Beispiel eines mit dem HTC Evo 3D gemachten normalen Fotos. Es wirkt trüb und wenig dynamisch. Beispiel eines mit dem HTC Evo 3D gemachten normalen Fotos. Es wirkt trüb und wenig dynamisch.
Foto: teltarif.de
Bei unserem Test diente als Motiv unter anderem ein Springbrunnen. Bei diesem kommen die 3D-Effekte im Video, aber auch im Bild sehr gut zum Tragen. Beim Video mussten wir allerdings feststellen, dass dieses beim Abspielen sehr verwaschen wirkte, was den guten Eindruck des 3D-Videos trübte. Die Fotos waren indes zwar im Vordergrund scharf und sogar einzelne Wassertropfen des Brunnens waren erkennbar, allerdings wirkte das Bild dunkel und im Hintergrund unsauber. Auch beim Betrachten auf dem Handydisplay entsteht bei vielen aufgenommenen Fotos - egal ob 2D oder 3D - der Eindruck einer Eintrübung.

Beim Versenden eines 3D-Fotos per E-Mail wird der Nutzer darauf hingewiesen, dass der Empfänger dieses Bild möglicherweise nicht korrekt anschauen kann. Gespeichert werden die Bilder in einem .mpo-Format, einem Container-Format, das zwei JPEG-Bilder und Bildinformationen in einer Datei abspeichert. Entsprechend bietet das Handy als Alternative an, das 3D-Bild als 2D-Version zu versenden. Hier wird dann eines der beiden gemachten Bilder versendet. Bei 3D-Videos ist das nicht der Fall. Diese werden als .mp4-Video im Side-by-Side-Verfahren abgespeichert, sind dadurch aber auch auf anderen 3D-Geräten darstellbar. Im Test klappte dieses mit einem 3D-Fernseher von LG problemlos. Die Fotos konnte der Fernseher, der erst seit etwa einem halben Jahr verfügbar ist, nicht darstellen.

3D auf dem Handy - man hätte dem Kunden mehr bieten können.

Die 3D-Umsetzung des HTC Evo 3D wirkt alles in allem leider etwas lieblos. Weder Filmtrailer noch Menü sind in 3D vorhanden, nur über YouTube lassen sich weitere 3D-Inhalte organisieren - hier allerdings nicht sehr viele. Und nicht jedes 3D-Video wird auf dem HTC-Phone auch wirklich gut angezeigt. So muss sich der Nutzer weitgehend auf von ihm produziertes 3D-Material verlassen. Zwei Kameras auf der Rückseite sorgen für einen plastischen Bildeindruck Zwei Kameras auf der Rückseite sorgen für einen plastischen Bildeindruck
Foto: teltarif.de

Abseits der 3D-Technik ist das HTC Evo 3D ein Android-Handy der Oberklasse. Die Kamera löst 5 Megapixel auf (bei 3D-Fotos nur die Hälfte), eine zweite Front-Kamera ermöglicht Videotelefonie und eine Spiegel-App. An Bord sind ein GPS-Modul, ein Kompass, ein UKW-Radio sowie Schnittstellen für ein HSPA-Signal und WLAN. Bei der täglichen Arbeit macht das Handy einen schnell arbeitenden Eindruck. Auch die Verarbeitung des Gerätes ist gut. Trotz des hohen Plastikanteils des Gehäuses hat der Nutzer nicht das Gefühl, einen Plastikbomber in der Hand zu haben. Lediglich die beiden Knöpfe für den Auslöser und 2D/3D-Umschaltung stören beim Festhalten des Gerätes etwas, da sie aus dem sonstigen Bereich des Handys leicht hervorschauen.

Fazit: Robustes Handy mit nettem 3D-Gimmick

Die Einzelnoten im Handy-Test:
  • Technische Ausstattung: 2
  • Bedienung, Handling, Software: 2
  • Hardware, Verarbeitung, Material: 1
  • Basis-Feature des Handys: 1
  • Einschätzung des Redakteurs: 2
  • Gesamtnote: 2
Unterm Strich bleibt das HTC Evo 3D in guter Erinnerung. Es gibt keine wirklichen negativen Punkte, die das Handy zu einem Flop machen würden. Ob das ungewöhnliche HTC-Design gefällt, ist indes eher Geschmackssache und liegt im Auge des Betrachters - die Funktionen des Gerätes jedoch überzeugen. Für das eigentliche Highlight des Gerätes, die 3D-Funktion, gilt das nur eingeschränkt. Nicht jeder kann mit der Funktion etwas anfangen und auch die Bildqualität der Fotos und Videos konnte nicht immer überzeugen. Ein nettes Gimmick, mit dem man sich mit seinem Handy von anderen abhebt, hat man als Besitzer des Gerätes aber allemal in der Hand. Schade nur, dass man seinen Freunden die gemeinsam gemachten 3D-Fotos in aller Regel nicht zusenden kann.
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