Hörfunk

IBC: "Die Zukunft des Radios ist hybrid"

HRadio stellt auf der IBC in Amsterdam ein Hybrid-Radio-Konzept vor, das mehr kann als die Wahl des jeweils besten Empfangswegs. Am Konsortium sind namhafte Unternehmen beteiligt.
Von der IBC in Amsterdam berichtet
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Bereits seit mehreren Jahren stellen unterschiedliche Konsortien immer wieder verschiedene Ansätze für Hybrid-Radio auf der International Broadcasting Convention (IBC) in Amsterdam vor. Das ist auch in diesem Jahr nicht anders. Dabei ist HRadio durchaus ambitioniert. Beteiligt sind unter anderen das Institut für Rundfunktechnik (IRT), der Radioplayer, der Rundfunk Berlin-Brandenburg und die öffentlich-rechtliche flämische Rundfunkanstalt VRT.

HRadio will gleich mehrere Ideen miteinander kombinieren. So sollen die Hörer für ihr Programm immer automatisch den besten Empfangsweg angeboten bekommen. Ist das Signal im terrestrischen Digitalradio DAB+ zu schlecht, so wechselt der Empfänger selbstständig auf den analogen UKW-Rundfunk. Erreicht der Nutzer - beispielsweise im Auto - die Empfangsgrenze für das FM-Signal, so kann ebenfalls automatisch auf den Livestream der Station im Internet umgeschaltet werden.

HRadio auf der IBC vorgestelltHRadio auf der IBC vorgestellt Den automatischen Wechsel zwischen DAB+ und UKW - auch ohne Zeitversatz bei der Umschaltung - kennen wir bereits von modernen Autoradios. Die zusätzliche Einbeziehung des jeweiligen Webstreams würde dafür sorgen, dass Hörer ihr Programm auch dann weiter empfangen, wenn sie den terrestrischen Empfangsbereich verlassen. Der zum HRadio-Konsortium zählende Radioplayer hat mit einer solchen Lösung Erfahrungen. Für das erste und bisher einzige Smartphone mit DAB+-Empfangsteil wurde eine App entwickelt, die automatisch zwischen dem terrestrischen Digitalradio und dem Livestream umgeschaltet hat. Der analoge UKW-Bereich war bei dieser Lösung außen vor.

Programm pausieren und auf Zweitgerät fortsetzen

HRadio will allerdings noch mehr: Kunden, die beispielsweise eine Sendung mit dem heimischen Küchenradio hören, später aber im Auto unterwegs sind, sollen ihr Programm pausieren und mit dem Autoradio an der Stelle weiterhören können, an der die Wiedergabe unterbrochen wurde. Zudem will das Konsortium eine Timeshift-Funktion etablieren, mit der Hörer beispielsweise im gehörten Programm zu einem Beitrag "zurückspulen" können, der im Display des Radios angezeigt wird, der aber bereits im Liveprogramm gelaufen ist.

Demo-App für HRadio auf einem Android-TabletDemo-App für HRadio auf einem Android-Tablet Denkbar sind auch Funktionen, mit denen Interessenten etwa die Werbung im laufenden Programm ihres Lieblingssenders überspringen können. Stattdessen könnte während des Werbeblocks Musik aus einem anderen Programm wiedergegeben werden, dessen Format zum eigentlich gehören Sender passt. Das mag technisch und für die Hörer ein gutes Feature sein. Programmveranstalter, die sich über die Werbung finanzieren, werden vermutlich weniger begeistert sein.

Ein Mitarbeiter am Messestand des Instituts für Rundfunktechnik (IRT) räumte ein, dass es schon ein Erfolg wäre, wenn zumindest Teile der Ideen von HRadio in künftige Geräte-Generationen einfließen würden. Für die Nutzung im Auto seien auch App-Lösungen etwa über Apple CarPlay und Android Auto denkbar. Ziel sei die direkte Integration in künftige Car-HiFi-Systeme. Doch dass die meisten Endverbraucher ihr Auto und somit auch das Autoradio nicht allzu oft austauschen und somit eine "Zwischenlösung" gefragt ist, weiß man natürlich auch bei HRadio.

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