Pro & Contra

Kontroverse: Darf ein Windows-10-Smartphone 800 Euro kosten?

Das HP Elite x3 ist das aktuelle Flaggschiff unter den Windows-10-Smartphones und soll das neue Referenzgerät für Businesskunden werden. Doch wird es gelingen?
Von Daniel Rottinger /
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Das HP Elite x3 ist seit Dienstag auch in Deutschland verfügbar und liegt zumindest preislich auf iPhone-Niveau. Im Unterschied zu dem Apple-Smartphone setzt das Elite x3 auf Windows 10 Mobile als Betriebssystem und unterscheidet sich auch sonst gewaltig: So möchte das Highend-Smartphone vor allem mit seinen Business-Funktionen bei Geschäfts­kunden punkten und hat einige interessante Ideen im Gepäck. Die teltarif.de-Autoren Markus Weidner und Daniel Rottinger stehen dem Gerät und dem Konzept dahinter allerdings höchst unterschiedlich gegenüber, wie dieser Pro & Contra-Artikel zeigt. HP Elite x3: Neue Produktkategorie der PC-Smartphone-Kombi wird kontrovers diskutiertHP Elite x3: Neue Produktkategorie der PC-Smartphone-Kombi wird kontrovers diskutiert

Pro und Contra

Daniel Rottinger
Pro
Daniel Rottinger
Aus unterschiedlichen Gründen halte ich das Elite x3 für mehr als nur ein spannendes Windows-10-Mobile-Experiment von HP. Es schließt eine Marktlücke, in die sich bislang noch kein Gerät in dieser Form vorgewagt hat. Doch was genau macht das HP-Smartphone wirklich neu?

Dazu möchte ich zunächst mal ein eingängiges Beispiel aus dem Alltag geben: Die Cloud ist ein guter Begleiter, um den Dateiaustausch auf mehreren Geräten zu ermöglichen. Allerdings gibt es auch hier Grenzen: Wenn gerade kein Internet verfügbar ist, muss der Anwender auf die automatische Synchronisierung seiner Daten zwischen Smartphone und PC verzichten. Daher ist ein Gerät, welches der Nutzer für alle Anwendungsfälle verwenden kann, die bessere Alternative.

Von dieser Annahme ausgehend möchte HP das Elite x3 potenziellen (Geschäfts-)Kunden schmackhaft machen. Mit einem 5,96 Zoll großen Bildschirm hat das Phablet dabei eher die Abmessung eines Mini-Tablets, bietet aber zusätzlich die üblichen Mobilfunk-Features wie Telefonie, LTE und sogar Dual-SIM.

Durch den separat erhältlichen HP Mobile Extender kann das Handy zu einer PC-Ersatz transformiert werden. Beim Mobile Extender handelt es sich um eine Art Laptop mit integrierter Tastatur und Touchpad, der jedoch ohne Hardware-Power daherkommt. Die Rechenleistung bezieht der Extender von dem Elite x3. Durch die vollwertige Tastatur des Phablet-Zubehörs können Nutzer wie vom Laptop gewohnt auch längere Texte schreiben.

Abgerundet wird das Gesamtbild von der Möglichkeit, auch herkömmliche Desktop-Anwendungen verwenden zu können, die über den HP-Service Workspace aus der Cloud virtualisiert werden sollen - sobald ein entsprechendes Update verfügbar ist. Somit können Geschäftsleute ihre täglich verwendeten x86-Programme dann auch direkt in der Hosentasche mit sich führen.

Das Potenzial zum neuen Business-Flaggschiff hat das HP Elite x3 definitiv. Ob die angesprochenen Firmen allerdings bereits in der Anfangsphase einem neuen "Eierlegende Wollmilchsau"-Produkt eine Chance geben, ist fraglich. Vermutlich muss bei den Entscheidern erst noch ein Lernprozess einsetzen, der sich bekanntlich über einen längeren Zeitraum erstrecken kann. Ob HP einen ausreichend langen Atem beweisen wird, um das Elite x3 zum neuen Business-Flaggschiff werden zu lassen, bleibt zu hoffen. Denn daran ist gleich­zeitig auch das Standing von Windows 10 Mobile geknüpft, das von Microsoft bekanntlich nahezu vollständig auf Geschäfts­kunden getrimmt wird.

Markus Weidner
Contra
Markus Weidner
Das HP Elite x3 ist zweifellos ein tolles Smartphone. Es verfügt über aktuelle Hardware, die sich nicht vor der Ausstattung von Spitzenmodellen anderer Hersteller verstecken muss. Das Display verfügt über eine hohe Auflösung und auch die Stereo-Lautsprecher von B&O sind für Sound-Puristen ein Argument für das Gerät. Zweifellos ist das Gerät durchaus sein Geld wert.

Ich fürchte dennoch, dass HP enorme Probleme haben wird, das Exite x3 auch wirklich verkaufen zu können, denn das Smartphone läuft nicht etwa unter dem weit verbreiteten Betriebssystem Android. iOS ist für alle Hersteller mit Ausnahme von Apple ohnehin ausgeschlossen. So läuft der Bolide unter Windows 10 Mobile.

Das Betriebssystem konnte sich am Markt nicht durchsetzen. Selbst der einst klangvolle Name Nokia konnte nicht zu nennenswerten Marktanteilen beitragen. Mittlerweile hat Microsoft seine von Nokia übernommene Mobile-Sparte stark zurückgefahren, so dass mit neuen Handhelds des Plattform-Betreibers vorerst nicht zu rechnen ist.

HP positioniert das Elite x3 als Business-Gerät, das dank Mobile Extender auch zum Tablet- und Notebook-Ersatz werden soll. Allerdings kann das Handy diesem Anspruch nicht gerecht werden, denn vorerst werden auf diesem Weg nur diejenigen Anwendungen lauffähig sein, die Windows 10 mit Continuum ohnehin mit sich bringt.

Nach einem Software-Update sollen sich auch ausgewählte Desktop-Anwendungen nutzen lassen. Es wird aber bei weitem nicht jedes Windows-Programm funktionieren. So wird der Handheld niemals einen echten Windows-10-Rechner ersetzen können. Als Zweitgerät ist das Gerät aber - insbesondere wenn der Mobile Extender auch noch gekauft wird - zu teuer.

Ein Verkaufspreis um 800 Euro wäre für ein Smartphone der Spitzenklasse, das zudem Dual-SIM unterstützt, durchaus angemessen. Allerdings ist Windows 10 Mobile selbst für Geschäftskunden kaum noch sinnvoll nutzbar, da es viele der von Android und iOS gewohnten Apps auf der Microsoft-Plattform nicht oder nicht mehr gibt oder die Qualität der Anwendungen deutlich hinter den Pendants für die beiden Mitbewerber-Betriebssysteme zurückbleibt.

Aus meiner Sicht ist das HP Elite x3 eine Totgeburt. Kaum jemand wird bereit sein, mehr Geld als für ein Apple iPhone 6S oder ein Samsung Galaxy S7 hinzulegen, dafür aber ein Smartphone zu bekommen, das aufgrund seines Betriebssystems großen Einschränkungen unterworfen ist. HP hat hier schlicht auf das falsche Ökosystem gesetzt, auch wenn sich das Elite x3 nahtlos in andere Windows-10-Produkte des Herstellers einfügt.


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