Breitbandausbau

Glasfaser bis zur Milchkanne: In Bayern klappts

In Bayern wird der Breit­band­ausbau auf dem Land mit dem soge­nannten Höfe­bonus subven­tio­niert, um die oft gebrauchte Forde­rung „Glas­faser bis zur Milch­kanne“ Wirk­lich­keit werden zu lassen. Davon profi­tieren nun die Bauern­höfe rund um Alten­stadt im Land­kreis Weil­heim-Schongau.

Vor drei Jahren legte die Regie­rung in München den Höfe­bonus auf, mit dem der Förder­satz auf 80Prozent ange­hoben und der bishe­rige Förder­höchst­betrag noch einmal gewährt wird. Voraus­set­zung ist aber, dass im Rahmen des geför­derten Ausbau­pro­jekts bei mindes­tens 80 Prozent der Anschlüsse die Glas­faser bis an die Gebäude heran­reicht (FTTB). Bis Ende 2019 nutzten 342 Kommunen den Höfe­bonus – eine davon ist Alten­stadt.

M-net Altenstadt Höfebonus Freuen sich über den Höfebonus und den Ausbau des Glasfasernetzes (v.l.): M-net Regionalmanagerin Melanie Hundt, Altenstadts Bürgermeister Andreas Kögl und Christian Bracharz von LEW TelNet
M-net
Zusammen mit dem Tele­kom­muni­kati­ons­anbieter LEW TelNet betreibt die Münchener Stadt­wer­ketochter M-net das Glas­faser­netz in Alten­stadt, das die LEW TelNet nun ausbaut. M-net bietet über das Netz Glas­faser­anschlüsse mit bis zu 300 MBit/s an. Bereits im vergan­genen Jahr wurden 13 Einzel­anwesen abseits der Kern­gemeinde Alten­stadt mit FTTB erschlossen. Jetzt kommen fünf weitere hinzu. "Damit schließen wir die Lücken unseres Breit­band­netzes und bieten unseren Bürgern bald flächen­deckend eine leis­tungs­starke Breit­band­anbin­dung“, sagt Bürger­meister Andreas Kögl.

M-net Altenstadt Höfebonus Freuen sich über den Höfebonus und den Ausbau des Glasfasernetzes (v.l.): M-net Regionalmanagerin Melanie Hundt, Altenstadts Bürgermeister Andreas Kögl und Christian Bracharz von LEW TelNet
M-net
Darüber hinaus hat M-net zusammen mit den Stadt­werken Augs­burg (swa) 24 Gebäude im Bismar­ckviertel mit FTTB erschlossen. Auf Wunsch über­nimmt M-net auch die Glas­faser­ver­legung im Gebäude (FTTH). Beim Ausbau durch swa und M-net werden bis Ende des Jahres rund 36 Gebäude und damit 214 Wohn­ein­heiten im Augs­burger Bismar­ckviertel an das Glas­faser­netz ange­bunden.

Glas­faser Nord­west in Stade im Plan

Koope­riert wird auch in Stade an den Ufern der Weser. Dort baut die Glas­faser Nord­west, das Joint Venture der Deut­schen Telekom und der EWE AG, ein FTTH-Netz. Derzeit verlegt die Telekom das Verteil­netz im öffent­lichen Grund. Ende Juli meldeten die Bonner mit rund 25 Kilo­metern verlegter Strecke sowie 1361 Abzwei­gungen einen Baufort­schritt von 46 Prozent. Von den geplanten 49 Netz­ver­teil­kästen wurden bereits 22 instal­liert. Man sei im Zeit­plan, teilt Glas­faser Nord­west mit.

Vodafone Pirna Glasfaserausbau Axel Andrée von Vodafone hält die digitale Zukunft für Pirna in Händen. Der Netzbetreiber verlegt für 1.100 Haushalte und knapp 100 Unternehmen Glasfaser in der sächsischen Stadt.
Vodafone/Daniel Schäfer
Der Telekom-Konkur­rent Voda­fone einigte sich derweil mit den Städten Pirna und Butt­städt auf den Bau eines Glas­faser­netzes. In Butt­städt haben die Tief­bau­arbeiten bereits begonnen. Bis Ende 2021 sollen rund 3100 Haus­halte mit bis zu 1 GBit/s im Internet surfen. In Pirna sollen 1100 unter­ver­sorgte Haus­halte und fast 100 Unter­nehmen einen Gigabit-Anschluss erhalten. Dafür stehen 7,2 Millionen Euro an Förder­mit­teln bereit. Das Netz soll bis Ende 2022 fertig­gestellt sein.

TV über Glas­faser statt über Koax

Voda­fone ist aber nicht überall erfolg­reich. In St. Georgen wird das TV-Signal in Zukunft nicht mehr über das Kabel­netz auf die Fern­seher kommen, sondern über das Glas­faser­netz von Stie­geler IT. Die ersten 180 von insge­samt 800 Wohn­ein­heiten werden zum 1. November 2020 umge­stellt. „Das Ziel dieser Maßnahme ist es, die hohe Stör­anfäl­lig­keit des bestehenden Koaxi­alnetzes zu umgehen und statt­dessen eine zukunfts­sichere, stabile Versor­gung zu bieten“, teilt das Unter­nehmen mit. Stie­geler bietet über das Netz Internet und Tele­fonie an, das TV-Signal kommt von Cable4.

Glasfaser Haimhausen Füracker Nickl Die Glasfaser für Haimhausen ist "gespleißt" (v.l.): Deutsche-Glasfaser-CEO Uwe Nickl, Finanz- und Heimatminister Albert Füracker, Bernhard Seidenath, MdL, Peter Felbermeier, Bürgermeister von Haimhausen, 2. Bürgermeisterin Claudia Kops
Deutsche Glasfaser
Auch in Haan setzt man für Internet, Telefon und TV auf Glas­faser. 1100 Wohnungen und Gewer­bebe­triebe, die bisher über keine ausrei­chende Netz­anbin­dung verfügen, erhalten einen Anschluss mit bis zu 1 GBit/s. Anfang September 2020 star­tete die Tele Columbus AG den Ausbau und wird bis 2022 im Kernort Haan sowie im Stadt­teil Gruiten mit ihrem Toch­ter­unter­nehmen pepcom das Netz errichten. Auf einer Tras­sen­länge von 80 Kilo­metern werden rund 500 Kilo­meter an Glas­faser verlegt.

Zum Schluss zurück nach Bayern: Was in Alten­stadt funk­tio­niert, geht auch in Haim­hausen im Land­kreis Dachau. Dort hat die Deut­sche Glas­faser im ersten Schritt ein FTTH-Netz privat­wirt­schaft­lich errichtet. Die Netz­lücken werden nun im zweiten Schritt mit staat­lichen Förder­mit­teln geschlossen. Bayerns Finanz- und Heimat­minister Albert Füra­cker ließ es sich nicht nehmen, durch die Verbin­dung zweier Glas­fase­renden, das soge­nannten „Spleißen“, einen Bauernhof anzu­schließen. „Unser ambi­tio­niertes Ziel für die Zukunft in Bayern: Gigabit bis in jedes Haus“, sagt Füra­cker. Dafür dürfte der Höfe­bonus noch das eine oder andere Mal genutzt werden.

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