Sprachqualität

HD Voice im Härtetest: Weg mit den Hintergrundgeräuschen

Technik zur Verbesserung der Sprachqualität bei der Telekom getestet
AAA
Teilen

HD Voice mit dem Sony Ericsson Xperia arc im Telekom-Netz im HärtetestHD Voice mit dem Sony Ericsson Xperia arc im Telekom-Netz im Härtetest Rauschender Verkehrslärm, kreischende Eisenbahnbremsen, hämmernde Maschinen: Laute Umgebungsgeräusche können beim Telefonieren mit dem Handy manches Gespräch unmöglich machen. Diesem Umstand rückt die Telekom mit der Einführung von "HD Voice" zu Leibe. teltarif.de hat die Technik einem Härtetest unterzogen.

Sony Ericsson Xperia arc

Bereits vor einem Jahr konnte teltarif.de die neue Technik zur Sprachverbesserung im schweizerischen Orange-Netz ausprobieren. Obwohl bei den Mobilfunknetzen momentan die Gesprächsqualität bei guter Funkverbindung in Ordnung ist, sind störende Hintergrundgeräusche immer noch ein Thema, da die aktuelle Technik manchmal Probleme dabei hat, zwischen Stimme und Geräuschen zu unterscheiden. Doch um in den Genuss von HD Voice zu kommen, ist etwas mehr notwendig als nur eine Aufrüstung des Mobilfunknetzes.

Technischer Hintergrund: Was ist HD Voice überhaupt?

Bei HD Voice handelt es sich - technisch betrachtet - um den Standard "Adaptive Multirate Codec / wide Band" (AMR-WB) zur Verbesserung der Gesprächsqualität in Mobilfunknetzen. Bei der aktuellen Technik "Adaptive Multirate" (AMR) wird die Datenrate ständig variabel zwischen 4,75 und 12,2 kBit/s an die verfügbare Kanalqualität angepasst. Bei AMR-WB wird der übertragbare Frequenzbereich von etwa 3,4 kHz auf etwa 6,4 kHz beziehungsweise 7 kHz angehoben, ohne mehr Funkressourcen zu belegen. Grob gesagt steht damit für jedes einzelne Telefongespräch eine größere Bandbreite zur Verfügung. Es müssen nicht mehr - wie bisher - Frequenzbereiche aus dem Signal herausgenommen werden, um Bandbreite zu sparen. Dadurch soll die menschliche Stimme deutlich natürlicher klingen und sich mehr von eventuellen Umgebungsgeräuschen besser abheben.

Um in den Genuss von HD Voice zu kommen, benötigen allerdings beide Gesprächspartner ein Mobiltelefon, das den Standard unterstützt und müssen in ein 3G-Netz eingebucht sein. Für unseren Praxistest standen uns zwei Exemplare des Sony Ericsson Xperia arc, das wir bereits im Sommer getestet haben, sowie zwei SIM-Karten für das Telekom-Netz zur Verfügung. Denn seit wenigen Tagen ist HD Voice flächendeckend im Telekom-Netz verfügbar.

Derzeit sind HD-Voice-Gespräche im Telekom-Mobilfunknetz mit dem Sony Ericsson Xperia arc, Xperia play, Xperia ray, Xperia arc s und Xperia Active, dem Nokia 500 sowie den beiden HTC-Geräten Radar und Sensation XE möglich.

Praxis-Szenario: S-Bahnfahrt in Berlin

Im ersten Härtetest schickten wir eine Redaktionskollegin mit einem der beiden Telefone auf eine Fahrt mit der Berliner Stadtbahn. Wer die Strecke zwischen Charlottenburg und Ostbahnhof kennt, weiß um die Geräuschkulisse, die dort innerhalb und außerhalb der Züge mitunter herrscht. Das teilweise extrem hochfrequente Kurvenquietschen sowie laute Gespräche der Fahrgäste erschweren Mobiltelefonate in akustischer Hinsicht.

Verglichen mit einem Telefonat ohne HD Voice war die Kollegin in der S-Bahn deutlich besser zu verstehen. Wenn sie sprach, hob sich ihre Stimme gut hörbar von den Hintergrundgeräuschen ab. Während des Gesprächs regelte HD Voice die Hintergrundgeräusche so stark herunter, dass von der Gesprächskulisse in der Bahn fast gar nichts zu hören war. Das hochfrequente Kurvenquietschen war weiterhin hörbar, blieb aber besser im Hintergrund als bei einem Telefonat ohne Sprachverbesserung.

Blieb die Kollegin allerdings stumm und hörte lediglich zu, wurden ihre Hintergrundgeräusche deutlich lauter übertragen. Die Technik orientierte sich also daran, ob jemand direkt ins Mikrofon sprach und reduzierte in diesem Fall die Hintergrundgeräusche. Für den Anrufer war dieser Unterschied deutlich hörbar. Die Kollegin musste nicht - wie manchmal in dieser Situation - ins Telefon brüllen, um überhaupt einigermaßen verstanden zu werden.

Für eine kurzzeitige schlagartige Verschlechterung der Sprachqualität gab es mit einem Blick auf das Handy-Display eine plausible Erklärung. Wohl aufgrund einer kurzzeitigen Überlastung des UMTS-Netzes hatte das Telefon temporär ins GSM-Netz gewechselt, in dem HD Voice nicht funktioniert. Für diese wenigen Sekunden war die Kollegin am Telefon deutlich schlechter zu verstehen, da die Geräuschkulisse praktisch so laut war wie ihre Stimme.

Straßenlärm an der Kreuzung von zwei Hauptverkehrsstraßen

Ebenfalls in Berlin begaben wir uns mit dem Xperia arc ausgerüstet an eine verkehrsreiche Berliner Straßenkreuzung im Bezirk Mitte, die während der Hauptverkehrszeit auch von Fußgängern stark frequentiert wird. Dort konnten wir dasselbe Phänomen feststellen wie bei S-Bahn-Test: Sprach der Kollege an der Kreuzung längere Zeit ohne Unterbrechung, war das Rauschen der Straße fast gänzlich herausgefiltert. In Gesprächspausen waren vorbeifahrende Autos beim Gesprächspartner deutlich vernehmbar. Das wie auf Bestellung einsetzende Glockengeläut war auch während des Gesprächs im Hintergrund hörbar, störte aber nicht.

Gingen andere Passanten ganz nah am Sprecher vorbei, waren diese sehr deutlich und fast genauso laut zu hören wie der Haupt-Sprecher. Interessant zu beobachten war der Radius, in dem das passierte: Alle einzelnen Stimmen im Umkreis von etwa zwei Metern waren deutlich zu verstehen, ab etwa zwei Metern Abstand betrachtete HD Voice die Stimmen als Hintergrundgeräusch und regelte sie herunter.

Der direkte Vergleich: Ein Gespräch mit vier Handys

Um wirklich einmal den Unterschied zur bisherigen Technik zu hören, telefonierten wir mit dem Kollegen an der stark befahrenen Kreuzung zusätzlich und gleichzeitig mit einem nicht HD-Voice-fähigen Mobiltelefon. Am rechten Ohr befand sich dabei das Xperia arc mit HD Voice.

Über das HD-Voice-fähige Handy war es aufgrund der reduzierten Hintergrundgeräusche kaum noch möglich, etwas darüber herauszufinden, wo sich der Kollege gerade befand. Bei der aktuellen Technik ist es mit geschulten Ohren meist nicht so schwierig zu erfassen, ob der Gesprächspartner gerade im Freien, in einer Bahn oder einem Gebäude befindet. Selbst das Echo erlaubte bisher Rückschlüsse auf die Größe und akustische Beschaffenheit des Raumes - und damit konnte man den Aufenthaltsort des Gesprächspartners oft zielsicher erraten.

Dieses einfache Erraten des Aufenthaltsorts fällt bei HD Voice aufgrund der leiseren, teils kaum noch hörbaren Hintergrundgeräusche weg. Dafür klingt die Stimme des Sprechers neutraler und deutlich voller als bei der bisherigen Technik. Für Telefonierer, die sich oft an lauten Orten aufhalten, ist HD Voice darum ein echter Gewinn bei der Sprachqualität.

Mehr zum Thema HD Voice

Teilen