DECT

DECT: Die digitale Schnurlos-Telefonie

Nahezu alle schnur­losen Fest­netz­tele­fone, die heut­zutage verkauft werden, verwenden den soge­nannten DECT-Stan­dard. Wir zeigen Ihnen, was sich dahinter verbirgt.
Von Ralf Trautmann /

Nicht nur telefonische Kommunikation läuft per DECT, sondern auch Heimnetz-Funktionen Nicht nur telefonische Kommunikation läuft per DECT, sondern auch Heimnetz-Funktionen
Bild: AVM
Die meisten schnur­losen Festnetz­telefone verwenden heute den soge­nannten DECT-Stan­dard ("Digital Enhanced Cord­less Telecom­muni­cation"). Dieser war zunächst in erster Linie darauf ausge­legt, Tele­fonen einen kabel­losen Zugang zum Telefon­netz zu ermög­lichen. Doch auch andere Daten­übertragungs­dienste sind mit DECT möglich. So wird DECT auch für die Heim­netz-Steue­rung von Geräten in einem begrenzten Umkreis - etwa einer Wohnung oder einem Büro - einge­setzt (Smart Home).

Für die breit­ban­dige kabel­lose Inter­net­nut­zung zu Hause hat sich jedoch der in dieser Hinsicht über­legene WLAN-Stan­dard durch­gesetzt, für den DECT keine Konkur­renz, sondern eine Ergän­zung ist. Aller­dings wurde DECT durch CAT-iq erwei­tert. Mit dem Stan­dard können auch Internet-Anwen­dungen einge­bunden werden. In der Praxis wird CAT-iq sowohl für Tele­fonie- als auch weitere Dienste verwendet, zum Beispiel Internet­radio. Nicht nur telefonische Kommunikation läuft per DECT, sondern auch Heimnetz-Funktionen Nicht nur telefonische Kommunikation läuft per DECT, sondern auch Heimnetz-Funktionen
Bild: AVM

DECT wegen Dauer­strah­lung zunächst in der Kritik

Dem Markt­erfolg der DECT-Tele­fone zum Trotz haftete ihnen aufgrund ihrer Strah­lung zunächst ein nega­tiver Ruf an. In ihrer Ursprungs­form waren die Basis­stationen von DECT-Tele­fonen Dauer­sender. Sie funkten auch dann, wenn nicht tele­foniert wurde, und zwar unge­regelt mit voller Leis­tung.

Über das DECT-Dauer­strahlen hatte sich das Bundesamt für Strah­len­schutz (BfS) schon vor vielen Jahren kritisch geäu­ßert.

Die Hersteller haben daher einige Auflagen bekommen, welche die Strah­lung der DECT-Tele­fone verrin­gern sollen. So sollen sich Basis­stationen im Standby-Betrieb auto­matisch abschalten, und DECT-Mobil­teile sollen mit einer bedarfs­gerechten Rege­lung der Sende­leistung ausge­stattet werden. Geräte, bei denen diese Vorgaben umge­setzt wurden, bewerben die Hersteller mit Labels wie Eco-Modus, Eco+, Blue Eco, Full Eco oder Eco Zero. Da diese Bezeich­nungen nicht geschützt sind, kann sich dahinter aber alles Mögliche verbergen.

Im Folgenden finden Sie unsere Ratgeber zu den Tech­niken, mit denen die Hersteller die Strah­lung von DECT-Tele­fonen redu­zieren.

Per DECT gesteuerte Smart-Home-Komponenten von AVM Per DECT gesteuerte Smart-Home-Komponenten von AVM
Bild: AVM

Die Technik von DECT

Tech­nisch betrachtet ist DECT ein Mobilfunk­system, dessen fester Teil (FP = Fixed Part) aus einer oder mehreren Basis­stationen (RFP = Radio Fixed Part) besteht. Das passende Gegen­über ist das Mobil­teil (PP = Portable Part). An einer Basis­station können mehrere Mobil­teile verwendet werden, also z. B. mehrere Schnurlos­telefone inner­halb einer Wohnung oder inner­halb eines Büros. DECT-Basis­sta­tionen sind heute auch in zahl­reiche Router einge­baut, sodass die "Basis­sta­tion" eines Mobil­teils inzwi­schen oft nur noch aus einer Akku-Lade­schale ohne DECT-Basis besteht.

Außerdem können auch mehrere Basis­stationen zusam­men­geschaltet werden, sodass eine größere, zusam­men­hän­gende Fläche, etwa ein Gebäude­komplex, mit DECT-Funk versorgt werden kann. Die Basis­stationen werden dann durch einen FPC (Fixed Part Controller) gesteuert. Bewegt sich ein Teil­nehmer mit seinem Mobil­teil von der einen Funk­zelle in die andere, während eine Telefon­verbindung besteht, kann diese von Zelle zu Zelle über­geben werden ("Handover"), ohne dass das Gespräch unter­bro­chen wird, wie man es auch von der Mobil­tele­fonie in Mobil­funk-Netzen kennt.

In Europa wurde für DECT der Frequenz­bereich 1880-1900 MHz fest­gelegt. Dieser reser­vierte Frequenz­bereich hat den Vorteil, dass in ihm keine anderen störenden Funkak­tivi­täten statt­finden. Ein Nach­teil ist aber, dass dieser Bereich von den Frequenz­bändern abweicht, die in anderen Ländern für DECT genutzt werden, sodass euro­päi­sche Geräte zum Beispiel in den USA nicht funk­tio­nieren. Umge­kehrt gilt dies ebenso.

Im besagten Frequenz­band um 1,9 GHz werden zehn Träger­frequenzen im Kanal­abstand von 1728 kHz verwendet. Auf diesen zehn Träger­frequenzen stehen 24 Zeit­schlitze für die Daten­über­tra­gung zur Verfü­gung. Jeweils zwölf dieser Zeit­schlitze werden für die Down­link-Über­tra­gung von der Basis­station zum Mobil­teil und für die Uplink-Verbin­dung vom Mobil­teil zur Basis­station genutzt. Insge­samt stehen somit 120 Kanäle zur Verfü­gung, die inner­halb einer Funk­zelle störungs­frei und parallel betrieben werden können.

Die Band­breite eines Kanals beträgt dabei 32 kBit/s, insge­samt steht eine theo­reti­sche Band­breite von 522 kBit/s (Kanal­bün­delung) zur Verfü­gung. DECT defi­niert die Nominal Transmit Power (NTP) zu 250 mW (24 dBm). Da die Mobil­sta­tion im Allge­meinen nur in einem der 24 mögli­chen Zeit­schlitze sendet, beträgt die gemit­telte Sende­leistung etwa 10 mW. Mit dieser Sende­leistung errei­chen DECT-Geräte bei der Daten­über­tra­gung eine Reich­weite von ca. 50 Meter in Gebäuden und 300 Meter im Freien. Die Sende­leistung kann bei Bedarf mittels Richt­antennen erhöht werden.

Rück­blick: Die ersten DECT-Tele­fone kamen 1992

Im Jahr 1988 begann das gerade gegrün­dete European Telecom­muni­cations Stan­dards Insti­tute (ETSI), einen euro­päi­schen Stan­dard für digi­tale Schnurlos-Tele­fone und -Tele­fon­anlagen zu defi­nieren. Es gab bereits zwei Anwärter, die mit ihren Tech­niken den Markt erobern wollten, das briti­sche CT2 und das schwe­dische CT3. ETSI entschied sich jedoch, einen komplett neuen Stan­dard zu defi­nieren - die Geburts­stunde von DECT, damals noch als Abkür­zung für "Digital European Cord­less Tele­phony" verstanden.

Im Juni 1991 gingen die wich­tigsten Teile des Stan­dards in die Phase der öffent­lichen Kommen­tie­rung, und bereits 1992, nachdem durch das ETSI der DECT-Stan­dard ETS 300 175 fest­gelegt worden war, gab es die ersten DECT-Geräte im Handel. Die Gigaset-Serie, seiner­zeit noch von Siemens, wurde bald zum Verkaufs­schlager. Einen weiteren Schub bekam DECT 1994 durch die Defi­nition des Generic Access Protocol (GAP), das es ermög­lichte, Geräte verschie­dener Hersteller mitein­ander zu kombi­nieren. Heute müssen alle erhält­lichen DECT-Geräte GAP-kompa­tibel sein.