Breitband

HanseNet baut eigenes Glasfasernetz in Hamburg aus

Zunächst nur Pilotprojekt mit kostenlosen Testanschlüssen im Stadtteil Eimsbüttel
Von Hagen Hellwig
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Der inzwischen bundesweit agierende Telekommunikationsbetreiber HanseNet (Alice) hat im Rahmen seines noch bis Jahresende laufenden Pilotprojektes mit dem weiteren Ausbau eines Glasfasernetzes begonnen und schließt weitere Hamburger Haushalte an das schnelle Breitband-Internet an. Die Zahl der Haushalte, die in diesem Jahr mit einem Glasfaser-Internetanschluss von HanseNet erreicht werden, soll in diesem Jahr von derzeit 100 auf 600 steigen. Die volle Dienste-Bandbreite will HanseNet den Glasfaser-Testkunden im dritten Quartal dieses Jahres liefern. Wenn das Projekt erfolgreich ist, sollen weitere Gebäude angeschlossen und Umsatz bringende Kunden gewonnen werden.

Potenziell angeschlossen werden bei dem FTTB-Projekt ("Fibre to the Basement" oder "Fibre to the Building"), bei dem die Glasfaser bis zum Kelleranschluss des Kunden ausgelegt wird, 600 Gebäude auf einer Fläche von knapp einem halbem Quadratkilometer – die Einwilligung der Hauseigentümer vorausgesetzt. Dafür muss HanseNet nach eigenen Angaben 15 Kilometer Kabel im dichtbesiedelten Hamburger Stadtteil Eimsbüttel verlegen. Das Glasfaserkabel wird zunächst in den Straßen verlegt, dann folgt der Anschluss der einzelnen Häuser. Im Keller, in dem sich meist der Übergabepunkt der Deutschen Telekom befindet, werden die kupfernen Telekom-Leitungen "gekappt" und über einen entsprechenden Konverter mit dem Glasfaserkabel verbunden. Die letzten Meter vom Kelleranschluss bis in die Wohnung bleiben also dem alten Kupferkabel vorbehalten und bilden quasi das Nadelöhr.

Ein Glasfaser-Anschluss bis in jede einzelne Wohnung ("FTTH" oder "Fibre to the Home") würde erheblich mehr Aufwand bedeuten. "Schon jetzt verursachen die Grabungen bis zu jedem Haus einen Großteil der Kosten", sagt Philip Mohr, der Projektleiter von HanseNet, "sie lohnen sich aber für uns, weil HanseNet dann im Besitz eines Großteils der Leitungen sein wird." HanseNet arbeitet beim Glasfaserausbau mit dem chinesischen Netzwerkausrüster Huawei zusammen.

Im Testbetrieb ist der Dienst für die Kunden kostenlos

Das teltarif-Foto zeigt eine FTTB-Präsentation von HanseNetFTTB-Präsentation von HanseNet Die Testkunden kommen in den Genuss einer höheren Bandbreite von bis zu 100 MBit/s im Downstream und bis zu 10 MBit/s im Upstream und können laut HanseNet auf einen besseren Service als bei den herkömmlichen Alice-DSL-Anschlusspaketen hoffen, "da die Terminkoordination mit der Deutschen Telekom wegfällt", wie Mohr erklärt. Im Testbetrieb ist der Dienst für die Kunden kostenlos, später soll es ein Angebot geben, dessen Preis und Leistung dem vergleichbaren DSL-Produkt entspricht. Das heißt: Wer nicht mehr als herkömmliche Alice-DSL-Kunden für sein Anschlusspaket zahlen möchte, wird zwar ans Glasfasernetz angeschlossen, kann aber nur diejenige Bandbreite und diejenigen Dienste nutzen, die auch über DSL bereitgestellt werden. Da HanseNet bereits jetzt in einigen Anschlussgebieten IPTV anbietet, dürften die Dienste-Erweiterungen für teurere Anschlusspakete hauptsächlich in der höheren Zugangs-Bandbreite und der höheren Auflösung der über die Glasfaser angelieferten IPTV-Inhalte bestehen.

Neben dem Breitband-Internetzugang für mehrere Computer pro Haushalt bietet das Glasfaserkabel genug Kapazität für hochauflösendes Fernsehen (HD) und Telefondienste. Darüber hinaus will HanseNet eine zubuchbare High-Speed-Option anbieten. Das Unternehmen selbst hat angeblich Kosten für die Verlegung des Anschlusses in Höhe von rund 4 000 Euro pro Gebäude. Reguläre DSL-Anschlüsse wird es im Glasfaser-Pilotprojekt nicht mehr geben. Der Kunde muss dann immer den Glasfaseranschluss wählen, wenn er einen schnellen Internetzugang erhalten möchte.

Auch andere Stadtnetzbetreiber setzen auf eigenen Glasfaserausbau

Neben künftigen Betreiber HanseNet in Hamburg haben auch Anbieter wie NetCologne in Köln, M-Net in München und wilhelm.tel in Norderstedt in bestimmten Stadtteilen bzw. Straßenzügen Glasfasernetze ausgebaut. Zusammen mit sieben weiteren Stadtnetzbetreibern haben M-net und NetCologne zu Beginn dieses Jahres den Bundesverband Glasfaser gegründet. Zuvor waren sie aus Interessensgegensätzen aus dem Bundesverbandes Breitbandkommunikation (Breko) ausgetreten. In Hamburg selbst gibt es mit Martens einen weiteren Glasfaseranbieter, der in diesem Monat neben den Breitband-Internetanschlüssen auch Mobilfunkanschlüsse verkaufen will (wir berichteten). Die Deutsche Telekom bietet zudem ihre VDSL-Anschlüsse in knapp 50 Städten im Bundesgebiet an.

Breitband-Internetanschlüsse auf Glasfaserbasis scheinen sich für die Anbieter nur in Ballungszentren zu lohnen, in denen die hohen Investionskosten pro Kunde bei Mehrfamilienhäusern gesenkt werden können. Der Ausbau des Glasfasernetzes vollzieht sich in Zeiten, in denen die großen Steigerungszahlen von Internet-Anschlüssen vorbei sind. Erstmals hatte HanseNet im Jahr 2008 weniger DSL-Kunden als im Vorjahr (2,349 zu 2,344 Millionen) verzeichnet. HanseNet spricht hier von einer "Stabilisierung des Marktes". Demgegenüber erwartet man im Hause HanseNet eine Verdopplung der Nutzerzahlen beim mobilen Internet.

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