Vielseitig

Universal-Knipse: Die Handykamera kann mehr als Fotos

Fotos natür­lich. Und Videos. Doch die Smart­phone-Kamera kann noch mehr: Scan- und Bild­erken­nungs-Apps leisten inzwi­schen Erstaun­liches.

Mit der Handykamera können nicht nur Fotos gemacht werden (Im Bild: Samsung Galaxy Z Fold 2 5G) Mit der Handykamera können nicht nur Fotos gemacht werden (Im Bild: Samsung Galaxy Z Fold 2 5G)
Bild: teltarif.de
Mit der Handy­kamera Pflanzen erkennen oder die Abrech­nung der Dienst­reise verein­fachen? Kein Problem. Apps machen es möglich. Und zwar Apps zum Scannen und zum Erkennen von Bildern.

Unter ihnen gibt es zum einen Apps, die für Computer gene­rierte Codes über die Kamera erkennen und in Daten umwan­deln, also zum Beispiel QR-Codes oder Barcodes, die sich auf einem Produkt oder einem Plakat befinden, wie Nils Britze, Bereichs­leiter Digi­tale Geschäfts­pro­zesse beim Digi­tal­ver­band Bitkom, erklärt.

Wenn der Nutzer diese Codes einscannt, wird er beispiels­weise auf eine Website mit weiter­füh­renden Infor­mationen geleitet. "Früher musste man, wenn man diese Funk­tion nutzen wollte, eine eigene App herun­ter­laden. In neueren Smart­phones ist die Funk­tion aber mitt­ler­weile häufig in den Kamera-Apps inte­griert", weiß Britze.

Apps "sehen" durch die Kamera

Mit der Handykamera können nicht nur Fotos gemacht werden (Im Bild: Samsung Galaxy Z Fold 2 5G) Mit der Handykamera können nicht nur Fotos gemacht werden (Im Bild: Samsung Galaxy Z Fold 2 5G)
Bild: teltarif.de
Zu der zweiten Gruppe von Apps zählen solche, die durch die Kamera "sehen" können und so Dinge auf dem Foto erkennen, führt Britze aus. Das können beispiels­weise Apps sein, die den Text einer Spei­sekarte "lesen" und in eine andere Sprache über­setzen können. Andere Apps können durch die Aufnahme einer Pflan­zen­blüte bestimmen, um welche Pflanze es sich handelt.

Eine große Verän­derung in diesem Feld brachte die Gesichts­erken­nung, sagt Miriam Ruhen­stroth vom Verbrau­cher­schutz­portal "Mobilsicher.de". Die Algo­rithmen zur Bild­ana­lyse seien inzwi­schen so gut, dass sie etwa Gesichter erkennen und auf anderen Bildern wieder­erkennen.

Bild­erken­nungs-Apps tragen auch zur Digi­tali­sie­rung von Büro- und Verwal­tungs­pro­zessen bei, sagt Britze. Anbieter von Busi­ness-Soft­ware haben beispiels­weise Apps entwi­ckelt, die auf die Smart­phone-Kamera zugreifen und Doku­mente voll­ständig digi­tali­sieren und archi­vieren.

Abrech­nungen so einfach wie ein Foto

Dabei beachten die Apps auch die gesetz­lichen Rege­lungen, unter­streicht Britze. Ein Anwen­dungs­feld für diese Tech­nolo­gien sei beispiels­weise die Reise­kos­ten­abrech­nung. Mit den betref­fenden Apps können Reise­doku­mente noch unter­wegs digi­tali­siert und in die entspre­chenden betrieb­lichen Soft­ware­sys­teme über­tragen werden.

Viele dieser Apps können mittels auto­mati­scher Text­erken­nung (OCR) auch Infor­mationen von Doku­menten erfassen und an andere Anwen­dungen über­tragen. Ein Beispiel hier seien Visi­ten­kar­ten­scanner, die die Daten auf den Karten direkt ins Adress­buch schi­cken. Aller­dings habe sich diese Anwen­dung bei Privat­nut­zern bisher nicht breit durch­gesetzt, schränkt Britze ein.

Den Apps ist gemein, dass sie in der Regel einfach zu bedienen sind: Einfach die App öffnen und die Kamera auf das Objekt richten, egal ob Barcode, Pflanze, Text oder Doku­ment. Danach wird das Ergebnis ange­zeigt.

Ohne Internet läuft wenig

Für viele Anwen­dungen wie etwa das Scannen von Texten gibt es eine Viel­zahl kosten­loser wie kosten­pflich­tiger Apps auf dem Markt, die sich durch Hand­habung und Funk­tions­umfang unter­scheiden. Viele dieser Anwen­dungen benö­tigen aber zwin­gend eine Inter­net­ver­bin­dung, da die Aufnahmen zu einem Server über­tragen werden müssen, wo dann die Text- oder Bild­erken­nung statt­findet. Der Umfang der zu über­tra­genden Daten sei aber in der Regel gering, sagt Britze.

"Vielen Nutzer ist aber nicht klar, dass ihre Bilder, die sie mit einer Scan- und Bild­erken­nungs-Apps gemacht haben, auf dem Server des Anbie­ters bear­beitet werden", sagt Miriam Ruhen­stroth. Gerade Apps, die die Bild­erken­nung zuver­lässig und gut durch­führen, würden auf die Server­leis­tung zurück­greifen. Bei Visi­ten­karten beispiels­weise könnten Anbieter die Infor­mationen auswerten und sammeln.

Daten­schutz ist ein Thema

Auch sonst könnten Daten­schutz­pro­bleme auftreten. Gehört mir das Bild? Und darf ich es einer dritten Seite zur Bear­bei­tung über­lassen? Das seien Fragen, die man sich stellen sollte, wenn man Ange­bote nutzt, die Bilder auf Server hoch­laden, sagt Ruhen­stroth.

Außerdem sei zu beachten, dass Apps, die kostenlos sind, sich aber über Werbung finan­zieren, oft viele Daten über den Nutzer an andere Firmen versenden. Gerade bei einfa­chen Apps wie QR-Scan­nern lohne es sich deshalb, etwas weiter zu suchen, empfiehlt Ruhen­stroth. Es gebe oft kosten- und werbe­freie Alter­nativen.

Die Corona-Warn-App für Deutsch­land soll mehr Funk­tionen bekommen und künftig auch in zehn weiteren euro­päi­schen Ländern einge­setzt werden können. Mehr dazu lesen Sie in einer weiteren News.

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