Tastatur

Blackberry: Ehemaliges Smartphone mit E-Mail-Pushdienst

Die Smart­phones der Marke Black­berry waren lange für ihren E-Mail-Dienst und später für die alpha­nume­rische Tastatur bekannt. Das eigent­liche Unter­nehmen Black­berry hat sich längst auf Sicher­heits­soft­ware konzen­triert. Black­berry-Geräte wurden noch in Lizenz herge­stellt, aber nur halb­herzig vermarktet und betreut.

Black­berry (auf Deutsch Brom­beere) war lange Jahre das "Must Have" für Manager, Banker und mobile Menschen, die perma­nent in Verbin­dung bleiben wollten oder sollten. E-Mails und Nach­richten aller Art ließen sich über eine mecha­nische Tastatur einfach besser schreiben, als über den Touch­screen, auch wenn Wörter­bücher und Text­kor­rek­turen einiges erleich­tern können. Das Blackberry Key2 LE war eines der letzten Blackberrys Das Blackberry Key2 LE war eines der letzten Blackberrys
Foto/Logo: BlackBerry, Montage: teltarif.de

Black­berry als Mail-Maschine

Lange Jahre musste man zur Nutzung eines Black­berry-Endge­rätes als Privat­kunde einen Server-Dienst buchen. Telekom, Voda­fone, E-Plus und o2 hatten das im Angebot, aber diese Dienste laufen langsam aus oder sind bereits abge­schaltet. Ist dieser Dienst nicht (mehr) gebucht oder verfügbar, können diese Geräte nur noch als Wecker, Adress­buch und zum Sprach­tele­fonieren oder Verschi­cken von SMS genutzt werden. Auch das Internet kann dann nicht mehr funk­tio­nieren.

Wer einen Black­berry (Versionen 7 oder früher) mit den passenden Diensten nutzen wollte, hatte verschie­dene Möglich­keiten: Der soge­nannte Black­berry Enter­prise Service (BES) war in Deutsch­land bei der Telekom, Voda­fone, E-Plus sowie o2 zu bekommen und ermög­lichte Firmen, die über einen entspre­chenden Mail-Server verfügten, E-Mails auch unter­wegs und ohne zeit­liche Verzö­gerung auf dem Handy zu erhalten.

Dafür konnte entweder ein Smart­phone des kana­dischen Herstel­lers Black­berry (bis Anfang 2013 RIM) oder ein Android- oder iOS-Gerät mit spezi­eller Black­berry-Soft­ware verwendet werden. Diese Black­berry-Lösung hat E-Mails nicht nur in Echt­zeit auf das Handy gepusht, sondern auch mit dem Firmen­server synchro­nisiert. Wer also eine E-Mail am Smart­phone löschte, fand diese auch später am PC unter den gelöschten Objekten wieder. Wurde eine E-Mail verschickt, so war sie am PC unter den gesen­deten Objekten zu finden. Im Laufe der Zeit wurde der Dienst um Termine, Adressen, Aufgaben und Notizen erwei­tert. Blackberry: Smartphone mit E-Mail-Pushdienst Die alten Blackberrys
Bild: RIM, Montage: teltarif.de

Ab 2003 Black­berry für Privat­kunden

Das als Black­berry Internet Service (BIS) vermark­tete Angebot für Selbst­stän­dige, klei­nere Gewer­betrei­bende ohne eigenen Mail-Server und inter­essierte Privat­kunden war in allen deut­schen Mobil­funk­netzen zu haben und erfreute sich bei mobilen Arbei­tern gewisser Beliebt­heit.

Längst kann jedes Smart­phone E-Mails Empfangen und über IMAP-Push auch mit einem Server eines E-Mail-Anbie­ters wie Google, Apple, GMX, Web.de, 1&1 Ionos, Strato etc. mehr oder weniger zuver­lässig synchro­nisieren. Auch Termine und Kontakte können dank des CalDAV- oder CardDAV-Proto­kolls aktuell gehalten werden. Der Black­berry-Service ist also dafür nicht mehr notwendig. Blackberry Curve 8900 Blackberry Curve 8900: Wieder in klassischer Bauform, aber mit modernisiertem Design
Bild: Blackberry

Aus RIM wurde Black­berry - Hoff­nungs­träger Black­berry 10

Nachdem das Play­book, das Busi­ness-Tablet von Black­berry, nicht den erhofften Erfolg für den kriselnden Hersteller brachte, setzen die Kana­dier stark auf ihr frisch program­miertes Betriebs­system Black­berry 10. Es wurde Anfang 2013 zusammen mit zwei neuen Smart­phones - dem Touch­screen-Modell Z10 und dem im klas­sischen Design gehal­tenen Q10 - vorge­stellt. Rese­arch In Motion nannte sich bei dieser Gele­gen­heit in Black­berry um. Weitere Black­berry-10-Geräte wie der Q10 oder Q5 (mit Tastatur) folgten.

Das Black­berry-10-Betriebs­system setzte voll auf die Bedie­nung durch verschie­dene Touch-Gesten, welche die Bedie­nung stark verein­fachten. Wer einen Black­berry in die Finger bekam und die Möglich­keiten kennen­lernen konnte, war schnell begeis­tert. Doch Black­berry versagte bei der Werbung völlig. Die Marke fand im Markt kaum noch statt. Anwender kriti­sierten fehlende Anwen­dungen (Apps) für Black­berry 10, teils zu Recht, teils aus Unkenntnis über die Möglich­keiten. Als Notlö­sung wurde eine Schnitt­stelle zu Android auf den Geräten instal­liert, die es erlaubte, Android-Programme von Amazon oder aus dem Google Play Store selbst auf dem Black­berry mit Black­berry 10 laufen zu lassen.

Die Soft­ware-Struktur von Android setzte dieser Möglich­keit Grenzen. Black­berry gab das eigene Betriebs­system schließ­lich trotz Protesten der Fange­meinde auf und setzte auf ein "gehär­tetes" Android.

Vorerst letzte Phase: Black­berry mit Android

Der Black­berry Priv war einer der ersten reinen Android-Geräte. Ein lang­samer Prozessor und eine unklare Update-Politik machten das Gerät nicht sonder­lich populär. Das Stamm­haus Black­berry setzte längst mehr auf "Mobile Device Manage­ment" (MDM), wodurch die Anwender ihre eigenen Geräte von Apple (iPhone) oder leis­tungs­fähige Android-Modelle verwenden konnten. Auf den Geräten wurde ein Soft­ware-Container instal­liert, in dem für die Außen­welt abge­sichert, die Firmen-Soft­ware läuft und ohne Vermi­schungen von privater und geschäft­licher Nutzung mit nicht uner­laubtem Daten­transfer. Die Verwen­dung eines reinen Black­berry Smart­phones wurde scheinbar entbehr­lich.

Doch die Fange­meinde bleib eisern. Black­berry schloss mit dem chine­sischen Hersteller TCL (bekannt durch die Alcatel-Handys und -Smart­phones) ein Lizenz­abkommen. Das Unter­nehmen stellte noch weitere Modelle vor, doch auch diesen war kein großer Verkaufs­erfolg mehr beschieden. Außerdem kamen Android-Updates nur sehr verspätet oder gar nicht mehr auf den Black­berry-Geräten von TCL an. Außer der mecha­nischen Tastatur hatten die Black­berry-Geräte gegen­über der Konkur­renz keinen Vorteil mehr, sondern fast nur noch Nach­teile. Am 31. August 2020 endete der Verkauf der letzten Modelle, mit dem Support soll am 31. August 2022 Schluss sein.

Ausge­wählte Black­berry-Smart­phones im Über­blick

Im Folgenden stellen wir Ihnen eine Auswahl an Black­berry-Modellen in der Über­sicht vor. Auf den Geräten kamen als Betriebs­system zuletzt Android und zuvor Black­berry 10 oder das ältere Black­berry OS zum Einsatz.

Bekannte Black­berry-Modelle

Es gab und gibt immer wieder Berichte darüber, dass Black­berry die Marken­rechte für die Produk­tion von Smart­phones an ein anderes Unter­nehmen vergeben könnte. Konkrete Produkte wurden seit den letzten von TCL entwi­ckelten Smart­phones bislang aller­dings nicht vorge­stellt. Das amerika­nische Unter­nehmen Onward Mobi­lity arbeitet aber nun an einem in Lizenz gefer­tigten neuen Black­berry-Smart­phone mit Tastatur und 5G.