Ubuntu

Gescheiterte Alternative: Ubuntu for Phones

Das Meizu Pro 5 war das erste Highend-Smart­phone mit Ubuntu for Phones. 2017 kam das Aus für das alter­native Betriebs­system. Doch wodurch zeich­nete sich das Linux-basierte Open-Source-OS aus?
Von Susanne Kirchhoff / Melanie Spies

Ubuntu for Phones war die Smart­phone-Vari­ante des Open-Source-Betriebs­systems Ubuntu. Die Soft­ware nutzte das bereits vom Desktop bekannte Design der Unity-Benut­zerober­fläche. Im Jahr 2013 hatte Cano­nical Ubuntu for Phones auf der Elek­tronik­messe CES offi­ziell vor­gestellt. Danach waren Smart­phones mit Ubuntu for Phones in verschie­denen Preis­klassen erschienen. Im April 2017 wurde dann das Aus für das Projekt bekannt gegeben.

Ubuntu-Smart­phones

Es muss nicht immer Android sein: Ubuntu for Phones Es muss nicht immer Android sein: Ubuntu for Phones
www.bq.com
Das erste Smart­phone mit vor­instal­liertem Ubuntu-Betriebs­system war das BQ Aquaris E4.5, welches im Jahr 2015 für rund 170 Euro auf den Markt kam. Es folgte das BQ Aquaris E5 HD. Beide Modelle waren zu dieser Zeit preis­günstige Einsteiger-Smart­phones mit eher durch­schnittlicher Hard­ware.

Im Juni 2015 erschien die Ubuntu Edition des deut­lich leistungs­stärkeren Smart­phones MX4 des chine­sischen Her­stellers Meizu. Später folgte das Meizu Pro 5 mit Acht­kern-Prozessor und 3 GB RAM. Mit ihm war erst­mals ein echtes Highend-Smart­phone mit vor­installiertem Ubuntu-Betriebs­system verfügbar.

Ubuntu-Smart­phones

Scopes: Mehrere Apps in einer Über­sicht

Im Zentrum von Ubuntu for Phones standen die Scopes-Start­bild­schirme. Hierbei handelte es sich nicht um eigene Apps, sondern um vorge­fertigte Karten, die Entwickler mit Inhalten versehen konnten. Sie funktio­nierten wie einzelne Home­screens zu verschie­denen Themen. Der Today Scope infor­mierte über aktu­elle Kurz­mit­teilungen und Anrufe, Kalender­einträge, News oder das Wetter. Der NearBy Scope empfahl Konzerte oder Restau­rants in der Umge­bung. Außerdem gab es einen Apps Scope mit allen instal­lierten Anwen­dungen, einen News Scope, der Nach­richten aus verschie­denen Quellen anzeigte, sowie Scopes für Musik oder Fotos. Über die Scopes hatte der Nutzer direkten Zugriff auf verschie­dene Arten von Inhalten, ohne dass er dazu unter­schiedliche Apps öffnen musste.

Ubuntu for Phones setzte auf Wisch­gesten

Bei der Bedie­nung setzte Ubuntu for Phones vor allem auf Wisch­gesten. Ein Wisch von links nach rechts brachte eine Leiste mit den am häufigsten genutzten Programmen hervor. Ein Wisch vom oberen Bild­schirm-Rand nach unten zeigte die Benach­richtigungen und Telefon-Konfi­gura­tionen an. Eine lange Wisch­geste von rechts nach links zeigte die bereits geöff­neten Anwen­dungen an. Eine kurze Wisch­geste von rechts nach links erlaubte es, zwischen Anwen­dungen zu wech­seln. Am unteren Bild­schirm-Rand konnte der Nutzer das Menü zur Bedie­nung der jeweils aktiven App nach oben ziehen.

Nur wenige Apps waren verfügbar

Wie bei vielen jungen Systemen mangelte es Ubuntu for Phones an verfüg­baren Apps. Einige bekannte Anwen­dungen waren zwar bereits erhält­lich - so zum Beispiel Twitter, Face­book, eBay, Soundcloud und YouTube. Mit der App-Auswahl von Android oder iOS war Ubuntu for Phones aber selbst­verständlich nicht zu verglei­chen.

Bei seinem Smart­phone-Betriebs­system setzt Cano­nical auf univer­selle Apps, die nicht speziell für Ubuntu for Phones entwi­ckelt werden müssen. Viel­mehr konnten Desktop-Apps mit Hilfe der Soft­ware-Umge­bung gleich für Smart­phones mit­geschrieben werden. Ausdrück­lich unter­stützt wurden Anwen­dungen, die mit Hilfe der offenen HTML5-Technik entwi­ckelt wurden.

Ubuntu-Smart­phones sollten als Desktop-Ersatz wirken

Ubuntu for Phones sollte über die Einsatz­möglichkeiten übli­cher Smart­phones hinaus gehen. Das Stich­wort hieß Conver­gence: In Verbin­dung mit zusätz­lichen Geräten wie Monitor, Tastatur und Maus sollte das Handy als Desktop-PC-Ersatz funk­tionieren können. Wurde das Smart­phone also an einen Monitor ange­schlossen, erschien dann der Unity-Desktop auf dem Bild­schirm. Ziel war eine einheit­liche Benutzer­oberfläche auf Smart­phone, Tablet und Laptop, die die Bedie­nung verein­fachen sollte, ohne dabei die Besonder­heiten der jewei­ligen Platt­form zu vernach­lässigen.