Maemo

Maemo: Betriebssystem von Community weiter gepflegt

Vom Smart­phone-Vorreiter zum Nischen­dasein: Maemo sollte Nokias Betriebs­system für Smart­phones werden, wurde jedoch nach dem Markt­start des N900 aufge­geben. Dank der enga­gierten Open-Source-Gemeinde wurde das Linux-basierte System weiter entwi­ckelt.
Von Ralf Trautmann

Maemo, das Betriebs­system für mobile Endge­räte aus dem Hause Nokia, erfreute sich für eine kurze Zeit einer großen medialen Aufmerk­sam­keit: Die Finnen hatten ange­kün­digt, für ihre Smart­phones im High-End-Segment verstärkt auf dieses OS zu setzen - und mancher Experte las seiner­zeit aus der Ankün­digung das Ende für Symbian heraus. Als Begrün­dung für die Ausrich­tung auf ein weiteres System war aus Kreisen zu vernehmen, dass Symbian über die Jahre unter anderem zu schwer­fällig geworden sei und die Inte­gra­tion von neuen Features einen (zu) großen Aufwand bedeute.

Das Aus für Symbian kam tatsäch­lich, wenn auch anders als gedacht: Zunächst setzte Nokia noch auf eine Koope­ration mit Intel, in deren Folge Maemo und das Intel-System Moblin zu Meego verschmolzen wurden. Dann gab es aber einen neuer­lichen Stra­tegie­schwenk bei Nokia - die Finnen setzen nun für einige Jahre auf Micro­softs Windows Phone, bevor unter der Marke Nokia dann Android-Smart­phones erschienen.

Diese dama­lige Ankün­digung rief in der Maemo- und der MeeGo-Commu­nity Sorgen und höhni­sche Kommen­tare hervor. Maemo-Nutzer hatten schnell nach dem Markt­start des N900 das Gefühl, dass Nokia nicht wusste, wie es mit dem System weiter gehen sollte. Auch die Hoff­nungen, mit dem N900 eines der ersten MeeGo-Geräte zu besitzen, schienen zerplatzt zu sein. Nokia kündigte aber über­raschend an, der Commu­nity helfen zu wollen, eine MeeGo-Edition für das N900 zu entwi­ckeln - und brachte immerhin noch das Meego-Smart­phone Nokia N9 auf den Markt.

Maemo: Älteres System, aber kaum bekannt

Bild vom N900 mit Maemo Maemo auf dem Nokia N900
Bild: Nokia

Die zeit­weilig stark erhöhte Aufmerk­sam­keit für Maemo war seiner­zeit neu, das System als solches aller­dings nicht: Bereits seit Ende 2005 war Maemo verfügbar, damals in der Erst­ver­sion 1.1. Einge­setzt wurde es in der Folge auf den (wenig bekannten) Nokia-Tablets, zum Beispiel in Version 4 auf dem mäßig attrak­tiven N810. Der Nach­folger N900 wurde dann mit Maemo 5 ausge­stattet.

Das System war Linux-basiert und verwen­dete hierbei eine modi­fizierte Vari­ante der Debian-Distri­bution sowie des Gnome-Desktop, beides in der Linux-Welt popu­läre Projekte. In der Maemo-Version 5 wurde im Vergleich zur Vorgänger-Version unter anderem die via Touch­screen steu­erbare Ober­fläche opti­miert und die (für eine wirk­liche Alter­native im Segment der mobilen Betriebs­sys­teme wich­tige) Mobil­funk-Anbin­dung inte­griert. Der N900-Vorgänger konnte zum Beispiel entspre­chend nur via VoIP tele­fonieren, via WLAN oder mittels einer Internet-Verbin­dung über die Blue­tooth-Schnitt­stelle.

"Seam­less Soft­ware Update": Maemo immer auf dem neuesten Stand

Maemo war Multi­tas­king-fähig und konnte das entspre­chende Gerät über das genannte "Seam­less Soft­ware Update" selbst­ständig mit neuen Soft­ware-Versionen auf den aktu­ellsten Stand bringen. Der inte­grierte Browser bot durch voll­stän­dige Flash-Unter­stüt­zung einen zusätz­lichen Mehr­wert. Stan­dard-Anwen­dungen wie Media-Player, E-Mail- sowie News-Client und Instant Messenger waren verfügbar, zudem gab es natür­lich auch hier die Möglich­keit, Apps nach­zurüsten. Außerdem gab es Wege, origi­näre Appli­kationen aus einer spezi­ellen Debian-Instal­lation auch auf Maemo zu nutzen, so dass dann auch Open Office, Gimp und vieles mehr zur Verfü­gung standen.

Weitere Entwick­lung von Commu­nity über­nommen

Vom Hersteller kamen bald keine Updates mehr. Diese "Vernach­läs­sigung" führte zu einem ganz spezi­ellen Phänomen: Rund um das N900 bildete sich eine aktive Fan-Gemeinde. Inner­halb von Projekten der Commu­nity wurden schnell Opti­mie­rungen für das System nach­gelie­fert - das N900 konnte kurz nach Erscheinen beispiels­weise recht einfach über­taktet werden. Mitt­ler­weile ist die Commu­nity rundum das Betriebs­system jedoch wieder kleiner geworden, sodass Maemo so gut wie ganz verschwunden ist.

Ehema­lige Handys mit Maemo in der teltarif.de-Daten­bank