Rückblick

Blackberry 10 setzte auf den Touchscreen

Black­berry OS 10 war ein echter Neustart. Das Handy-Betriebs­system setzte auf die Bedie­nung per Touch­screen, echtes Multi­tas­king, die Inte­gra­tion aller Nach­richten-Kanäle im zentralen Black­berry Hub und eine "intel­ligente" virtu­elle Tastatur.
Von Ralf Trautmann / Susanne Kirchhoff

Das erste Smartphone mit Blackberry OS 10: Z10 Das erste Smartphone mit Blackberry OS 10: Z10
Foto: Vodafone
Black­berrys domi­nierten jahre­lang den Geschäfts­kundenbereich - die Smart­phones vom Hersteller RIM mit der QWERTZ-Tastatur als Marken­zeichen waren zugleich ein wich­tiges Arbeits­werkzeug und Status­symbol in vielen Führungs­etagen. In den letzten Jahren haben jedoch Apples iPhone und Android-Smart­phones RIMs Markt­anteile kräftig dezi­miert. Auch eine weitere Ziel­gruppe von RIM hat sich mittler­weile Alter­nativen zuge­wendet: Bei Teen­agern waren die güns­tigeren Black­berry-Modelle beliebt, da sie zusammen mit einer Black­berry-Messa­ging-Option vergleichs­weise preis­günstiges Instant Messa­ging ermög­lichten - beson­ders in Groß­bri­tan­nien ein bekanntes Phänomen. Mitt­ler­weile stellen aber Handy-Messenger-Dienste wie WhatsApp kombi­niert mit sinkenden Preisen für mobile Daten­tarife deut­liche attrak­tivere Möglich­keiten zum Nach­rich­ten­aus­tausch dar.

Mit dem Betriebs­system Black­berry 10 als Nach­folger von Black­berry OS wollte das kana­dische Unter­nehmen das verlo­rene Terrain zurück­erobern und den Anschluss an die Konkur­renz herstellen. Mit seiner Veröf­fent­lichung zu Jahres­beginn 2013 ging eine weitere Neue­rung einher: So hat das Unter­nehmen seinen Namen von RIM in Black­berry geän­dert. Zum Start von Black­berry 10 konnten bestimmte Black­berry-Enter­prise-Kunden sogar ihre alten Black­berrys kostenlos gegen neue Black­berry-10-Smart­phones eintau­schen. Am 31. Januar 2013 wurden die Platt­form Black­berry 10 sowie die ersten Smart­phones Z10 und Q10 mit dem neuen OS vorge­stellt.

Updates für Black­berry OS 10

Blackberry OS 10.3 auf dem Blackberry Passport Blackberry OS 10.3 auf dem Blackberry Passport
Bild: teltarif.de
Bis 2016 hat Black­berry mehrere Updates für Black­berry 10 veröf­fent­licht, welche zusätz­liche Funk­tionen brachten. So konnten Black­berry-Nutzer zuletzt auch Android-Apps instal­lieren, aller­dings nicht direkt aus dem Google Play Store, sondern aus alter­nativen Apps­tores. Der Amazon App-Shop kam ab Black­berry 10.3 sogar vorin­stal­liert aufs Handy.

Mit der Veröf­fent­lichung von Black­berry 10.3 wurde zudem Black­berry Blend vorge­stellt. Die Soft­ware konnten Black­berry-Besitzer auf Laptop, PC oder Tablet instal­lieren und von dort auf alle Nach­richten, Kontakte und Termine im Black­berry zugreifen und neue erstellen.

Black­berry setzte auf Touch­screen, aber Hard­ware-Tastatur starb nicht aus

Die tief­grei­fendste Neue­rung von Black­berry OS 10: Das Unter­nehmen wollte weg von der Hard­ware-Tastatur - ein riskanter Schritt, denn die QWERTZ-Tastatur war in der Vergan­gen­heit das Marken­zei­chen von Black­berry-Smart­phones. Das virtu­elle Keyboard bei Black­berry 10 brachte aber einige Funk­tionen mit, die das Schreiben von Texten erheb­lich verein­fachen sollten. So schlug die Tastatur, etwa beim Eintippen eines Buch­sta­bens, ein passendes Wort vor, welches der Nutzer durch einen kurzen Wisch vom Buch­staben aus nach oben auswählen konnte. Die Vorschläge beruhten auf vorhe­rigen Texten, die der Nutzer geschrieben hatte.

Ein ausge­feiltes Design der virtu­ellen Tastatur sollte jedoch nicht heißen, dass die Hard­ware-Tastatur ganz verschwindet. Auch das im Herbst 2014 erschie­nene Black­berry Pass­port setzte auf Touch­screen und QWERTZ-Tastatur zugleich. Tatsäch­lich verschwand hingegen Black­berrys eigenes Betriebs­system von den Geräten, sodass seit 2015 und dem Black­berry Priv nur noch Android-basierte Geräte erschienen.

Black­berry 10 kam mit Nach­richten-Hub und Flow

Über den Black­berry Hub inte­grierte Black­berry 10 Kalen­der­ein­träge und Nach­richten aus verschie­denen Quellen wie E-Mail, BBM, SMS und sozialen Netz­werken. Mit Black­berry Flow sollte Multi-Tasking und flüs­siges Navi­gieren zwischen mehreren offenen Anwen­dungen möglich sein. Dazu konnte der Nutzer eine Über­sicht mini­mierter Anwen­dungen betrachten, die aktu­elle Infor­mationen wie einge­gan­gene Nach­richten oder anste­hende Termine anzeigte.

Black­berry 10 ließ sich übri­gens nicht auf ältere Smart­phones nach­rüsten. Im Inneren basierte Black­berry 10 auf dem Betriebs­system QNX - RIM hatte die QNX-Entwick­lungs­firma im April 2010 über­nommen. Ursprüng­lich sollte Black­berry OS 10 daher auf den Namen BBX hören.

Doch trotz Black­berry 10 konnte der Hersteller keinen großen Erfolg mehr verbu­chen. Seit 2016 ist der Soft­ware-Support für Black­berry OS 10 einge­stellt.

Anschlie­ßend setzte der Konzern auf das Betriebs­system Android, bis der Verkauf von Black­berry Smart­phones im August 2020 endgültig einge­stellt wurde. Seit 2017 wurden die Smart­phones mit Android als Betriebs­system durch den chine­sischen Hersteller TLC gebaut und vertrieben.

Die letzten Handys mit Black­berry OS 10