Umlaufbahn

S-Band-Technologie von Solaris nimmt Fahrt auf

Anbieter will ein Netzwerk für ganz Europa aufbauen
Von Steffen Herget
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Das Unternehmen Solaris Mobile, ein Joint Venture von SES Astra und Eutelsat, betreibt Europas ersten S-Band-Sender, die so genannte Nutzlast, die mit dem Satelliten W2A am vergangenen Wochenende vom Weltraumbahnhof im kasachischen Baikonur ins All geschossen wurde. Genutzt werden soll das S-Band für ein Rundum-Angebot an digitalen Diensten; Solaris spricht von den Bereichen TV, Navigation und Notfalldiensten. Der Satellit soll bis Ende Mai seine endgültige Position auf 10° Ost erreicht haben und auf einer Frequenz von 2 GHz senden. Die S-Band-Antenne wird bereits Ende dieser Woche ihren Dienst für erste In-Orbit-Tests aufnehmen.

Mobile TV-Angebote über DVB-SH sind geplant

Einer der wichtigsten Einsatzzwecke für die S-Band-Technologie dürfte in mobilen TV-Diensten über DVB-SH liegen. Schon zum diesjährigen Mobile World Congress in Barcelona hatte Solaris Mobile eine entsprechende Vorführung von mobilem Fernsehen im Auto geboten. Der DVB-SH-Standard wurde vom DVB-Konsortium im Jahr 2007 spezifiziert. Solaris Mobile kombiniert die Satelliten-Technik mit terrestrischer Infrastruktur und will so flächendeckend in Europa mobile Dienste anbieten können - sowohl in urbanen Räumen wie auch auf dem Land. Denkbar sind laut Anbieter 25 bis 30 Sender.

Marktforscher erwarteten in der Vergangenheit bereits eine deutliche Steigerung im Bereich Handy-TV und mobiles Fernsehen, vor allem durch die S-Band-Technologie. Ob sich jedoch bei der Vielzahl an gültigen Standards eine wirkliche Verbreitung durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

Europaweites Netzwerk soll Roaming überflüssig machen

Über mobile TV-Anwendungen hinaus will Solaris auch die mobile Kommunikation im Allgemeinen reformieren. Durch das geschlossene Netzwerk über ganz Europa könnten Anbieter ihre Dienste auch über Landesgrenzen hinaus zur Verfügung stellen, ohne mittels Roaming auf ein Fremdnetz zurückgreifen und draufzahlen zu müssen. Roamingkosten wären so überflüssig.

Im Navigationsbereich sind so genannte Location-based Services, also Standort-bezogene Informationen, genauso denkbar wie Straßenkarten-Updates, die während der Fahrt übertragen werden. So könnte stets aktuelles Kartenmaterial gewährleistet werden.

Neue Geräte oder Antennen sind nötig

Erste Angebote sollen, entweder von Solaris Mobile selbst oder in Kooperation mit Anbietern aus anderen Bereichen, gegen Ende des Jahres verfügbar sein. Zum Empfang werden jedoch wohl neue Geräte oder zumindest zusätzliche Empfänger nötig sein.

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