Handyverbote

Spannerfotos: Viele Städte mit Handyverbot in Freibädern

Wer den Tag im Freibad verbringen und dabei sein Smartphone nutzen will, hat zunehmend schlechte Karten. Denn viele Bäderbetriebe haben ein komplettes Handyverbot verhängt. Grund sind Beschwerden über unerlaubte Fotos und Videos durch sogenannte Spanner.
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In vielen Schwimmbädern sind Smartphones verbotenIn vielen Schwimmbädern sind Smartphones verboten Seit Anfang Mai haben vielerorts die Freibäder wieder geöffnet. Wer den Tag in Pool und auf der Liegewiese verbringen will und dabei auf seinem Smartphone WhatsApp-Nachrichten checken, im Netz surfen oder sich schlichtweg durch Musik von seiner Spotify-Playlist berieseln lassen möchte, hat zunehmend schlechte Karten. Denn viele städtische und private Bäderbetriebe haben inzwischen ein komplettes Handyverbot verhängt.

Beispiele sind die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden oder die Kurstadt Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz: Da es hier zunehmend Beschwerden von zumeist weiblichen Badegästen über unerlaubte Foto- oder Videoaufnahmen gab, konnten sich die betroffenen Städte nicht anders helfen, als die Benutzung von Smartphones in ihren Einrichtungen komplett zu verbieten.

Baderegeln eindeutig, aber nicht mehr zeitgemäß

In der Tat ist es für einen weiblichen Badegast im Bikini oder eine Mutter mit Kindern nur schwer einzuschätzen, ob der Nachbar gerade in diesem Moment einfach nur im Netz surft oder heimlich Filmaufnahmen macht, wenn das Smartphone auf sie gerichtet ist. Alleine dadurch schon fühlten sich viele belästigt: Sie beschwerten sich beim Bademeister, hin und wieder gab es sogar Polizeieinsätze.

Die Baderegeln sind eindeutig, aber zum Teil schon mehrere Jahrzehnte alt. Normalerweise gibt es hier in den Passus, dass Film- oder Videoaufnahmen von fremden Badegästen ohne deren Einwilligung nicht erlaubt sind. Konnte man vor 15 Jahren Spanner noch recht einfach an Fotoapparaten ausmachen, ist dies mit Smartphones fast unmöglich.

Sticker verhindern heimliche Foto- und Filmaufnahmen

Andere Badeeinrichtungen gehen nicht ganz so rigoros vor: So haben Freibäder in Frankfurt oder Offenbach lediglich die Kamerabenutzung mit Smartphones verboten. Zu diesem Zweck werden an der Kasse kostenlose Aufkleber verteilt, die jeder Smartphone-Besitzer auf die Kameralinse seines Telefons kleben muss. Damit soll verhindert werden, dass heimlich Fotos oder Videos von Badegästen gemacht werden.

Der Stadt Wiesbaden reicht das nicht aus. So erklärt Jutta Weilert vom Bäderbetrieb Mattiaqua gegenüber der Internetzeitung "Merkurist", dass man ebenfalls die Einführung der Sticker geprüft habe. Man habe jedoch Bedenken, inwieweit die Mitarbeiter die Umsetzung überhaupt kontrollieren könnten. Daher entschloss man sich zu einem generellen Smartphone-Verbot. Dieses ist deutlich leichter zu kontrollieren, als ob der Sticker an der richtigen Stelle klebt oder zwischendurch heimlich kurz entfernt wurde.

Aufmerksamkeit ist gefragt

An heißen Sommertagen mit mehreren 1000 Badegästen ist aber wohl auch ein Handyverbot keine Garantie. Denn dann sind Bademeister häufig mit wichtigeren Aufgaben rund um das Schwimmbecken beschäftigt, als eine völlig überfüllte Liegewiese auf Spanner zu kontrollieren. Hier können nur aufmerksame Badegäste mithelfen: Bemerken sie etwa, dass jemand heimlich Film- oder Videoaufnahmen macht, sollten sie sowohl das betroffene Opfer warnen als auch den Schwimmmeister oder sogar die Polizei alarmieren. In der Regel dürfte der Spanner alsbald das Weite suchen.

Jutta Weilert vom Bäderbetrieb Mattiaqua kann allgemein gar nicht bestätigen, dass es viele Badegäste gibt, die während des Freibad-Aufenthalts das Smartphone nutzen: "Viele unserer Badegäste verschließen ihre Wertsachen ohnehin lieber in den Spinden", sagt sie.

Ganz davon abgesehen: Schwimmbäder sind doch auch ein Ort der Erholung und ein paar Stunden digitales Fasten können in unserer hektischen Welt wunderbar entspannend sein.

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