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Mieser Service: Brasilianische Regulierer sperren Handy-Provider

Neukundengeschäft für drei Anbieter zunächst verboten
Von Steffen Herget mit Material von dpa
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Ob das auch ein Modell für Deutschland wäre? Mit einer ungewöhnlich harten Maßnahme ist Brasiliens Telekom-Behörde Anatel gegen den schlechten Service von drei großen Mobilfunkanbietern vorgegangen: Sie sperrte in einigen Bundesstaaten das Handy-Neukundengeschäft der Firmen Oi, Claro und TIM. Die Unternehmen haben zusammen einen Marktanteil von 70 Prozent in Brasilien. TIM ist in 19 Bundesstaaten, Oi in fünf und Claro in drei, darunter im wichtigen, weil dicht besiedelten Ballungszentrum São Paulo, von der Sperre betroffen.

Handy-Sperre in BrasilienHandy-Sperre in Brasilien Anatel reagierte mit der seit dem gestrigen Montag geltenden Sanktion auf die lange Liste von Beschwerden über Netzausfälle, regional schlechte Verbindungsqualität und eine teils katastrophale Kundenbetreuung. Die Sperre gilt solange, bis die Firmen Verbesserungspläne vorlegen. Die Unternehmen haben nun dazu 30 Tage Zeit. Zuwiderhandlungen gegen die Sperre werden mit 200 000 Reais (81 000 Euro) Strafe pro Tag geahndet. Der mit 29,56 Prozent Marktanteil größte Anbieter des Landes, Vivo, blieb von Sanktionen verschont und dürfte sich daher ins Fäustchen lachen. Brasilien ist mit rund 190 Millionen Einwohnern und etwa 8,5 Millionen Quadratkilometer Fläche der bevölkerungsreichste und größte Staat in Südamerika.

Netz-Probleme auch in Deutschland nichts Unbekanntes

Auch hierzulande sind Probleme in der Handy-Netzversorgung nichts unbekanntes. Zuletzt sorgten o2 und Vodafone durch kleinere Störungen für Aufsehen, aber auch E-Plus und die Telekom sind vor regionalen Ausfällen nicht gefeit. Der letzte bundesweite Netzausfall im Netz der Telekom brachte im Jahr 2009 große Probleme mit sich. Die Aufsicht über die Telekommunikations-Infrastruktur hat hierzulande die Bundesnetzagentur unter Präsident Jochen Homann. Eine Sperre einzelner Provider, wie sie nun in Brasilien beschlossen wurde, gab es in Deutschland allerdings noch nicht.

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