Strategie

Motorola und Sony Ericsson: Zwei Krisen-Fälle mit Comeback

So geht es in den kommenden Monaten bei den Herstellern weiter

Im November 2009 ist es soweit: Motorola bringt das Milestone auf den deutschen Markt. Wie immer mussten die europäischen Kunden etwas länger auf das neue Gerät warten – die Wartezeit hat sich aber gelohnt. Das Milestone ist das erste gut ausgestattete Handy mit Googles Android-System und QWERTZ-Tastatur. Damit wurde es besonders für Business-Nutzer und Vielschreiber interessant. Zudem konnten sich die Käufer über die damals aktuelle Android-Version 2.0 freuen, heute läuft auf vielen Milestones bereits die Version 2.1. Beeindruckend war Ende vergangenen Jahres vor allem die hohe Display-Auflösung von 854 mal 480 Pixel, die auch heute noch mit der Spitze mithalten kann. Motorola Milestone Motorola Milestone

Mit dem Motorola Backflip ist zurzeit ein weiteres Android-Gerät mit Volltastatur in Deutschland zu haben. Die Besonderheit: Auf der Rückseite des Smartphones sitzt eine mechanische QWERTZ-Tastatur, die nach vorne gekippt werden kann. Ein solches Konzept gab es bisher nicht. Unser Test hat ergeben, dass das Backflip durchaus mit der Konkurrenz mithalten kann, zwar auch seine Schwächen hat, aber besonders in Sachen Design ein absoluter Exot ist – und damit ein Handy für alle, die keinen "Einheitsbrei" mit sich herumtragen wollen.

In Kürze wird auch das Motorola Flipout verfügbar sein. Das Android-Smartphone könnte besonders denjenigen Nutzern gefallen, die auf kompakte Handys stehen. Durch die quadratische Form misst das Gerät gerade einmal 6,7 Zentimeter auf jeder Seite, durch die ausklappbare Schreibmaschinen-Tastatur wächst die Dicke allerdings auf 1,7 Zentimeter.

Motorola ist auf dem richtigen Weg

Und es sind noch weitere Motorola-Handys in Vorbereitung. In der Pipeline stehen unter anderem der Milestone-Nachfolger unter der amerikanischen Bezeichnung Droid 2, das Charm im BlackBerry-Design sowie das Droid X mit 4,3-Zoll-Display, HD-Videoaufnahme und HDMI-Ausgang.

Fazit: Motorola ist auf jeden Fall auf dem richtigen Weg. Die aktuell erhältlichen Geräte sind zumeist Smartphones und schwimmen so auf der Welle der Zusatz-Apps mit. Zwar lässt ein Erfolg à la RAZR noch auf sich warten, Motorola besinnt sich aber zu Recht auf die alten Stärken: Gute Technik, schlichtes und schickes Design. Auch die Fixierung auf das Android-System war eine gute Entscheidung.

Noch ein paar Baustellen bei Sony Ericsson

Sony Ericsson X10 Sony Ericsson X10 Die erfolgreichen Reihen Walkman und Cyber-shot kann und will Sony Ericsson nicht aufgeben. Dennoch hat sich der Hersteller für eine Verschmelzung entschieden und spendiert einigen aktuellen Geräten das Beste aus beiden Welten. Das aktuelle Flaggschiff Sony Ericsson X10 bietet zum Beispiel eine hochwertige Multimedia-Funktion (Mediascape), gepaart mit einer 8-Megapixel-Kamera und einer gelungenen Integration von sozialen Netzwerken (Timescape). Auch das riesige Display mit vier Zoll Diagonale beeindruckt, selbst wenn Sony Ericsson ein klassisches TFT-Display verbaut und Trends wie AMOLED oder Super-AMOLED noch nicht verwendet. Der größte Nachteil des X10 dürfte aber die veraltete Android-Version 1.6 sein – ein Update auf 2.1 hat Sony Ericsson für die zweite Jahreshälfte versprochen.

Die kleinen Smartphones X10 mini und X10 mini pro leiden ebenfalls unter diesem Problem. Viele Käufer könnten sich zurückhalten, weil die Update-Politik des Herstellers in der Vergangenheit oft eher schleppend anlief. Und: Wenn Sony Ericsson in ein paar Monaten ein Update auf 2.1 bringt, ist diese Version schon wieder veraltet. Da auch noch das Sony Ericsson Xperia X8 in der Smartphone-Pipeline wartet, hat Sony Ericsson zurzeit viele Android-Geräte im Angebot. Auch bei den klassischen Handys mit hauseigenem Betriebssystem hat Sony Ericsson zuletzt nachgelegt und Modelle wie das Zylo (Walkman-Handy), das Cedar (Green-Heart-Serie) und das Spiro (Walkman) angekündigt oder bereits auf den Markt gebracht.

Aktiv ist der Hersteller auch bei Symbian- und Windows-Phone-Smartphones. Die Symbian-Serie ist momentan mit dem Vivaz und dem Vivaz Pro gut bestückt, das Betriebssystem befindet sich aktuell aber im Wandel und wartet auf eine neue Version. Gleiches gilt für Windows Phone: Hier erntete das Sony Ericsson Xperia X2 zuletzt massenweise Kritik in Testberichten, das Aspen im BlackBerry-Stil wird seit Monaten immer wieder verschoben.

Sony Ericsson tanzt auf zu vielen Hochzeiten

Fazit: Sony Ericsson hatte lange Zeit keine (erfolgreichen) Smartphones mehr im Programm und hat das mit den Android-Geräten der X10-Serie geändert. Dennoch tanzt Sony Ericsson auch noch auf drei anderen Hochzeiten: proprietäres System, Symbian und Windows Phone. Mindestens eines wird sicherlich noch verschwinden. Schwierigkeiten hat Sony Ericsson noch mit der Marktpositionierung: Während besonders Jugendliche auf die teilweise verspielten Handys stehen, sollen andere Geräte als Premium-Marke auch bei Geschäftskunden und Design-verliebten Käufern gut angekommen. Letzteres käme vor allem der Konzernmutter Sony recht. Hier muss dem Joint-Venture der Spagat noch gelingen.

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