Vertrag

Editorial: Mobilfunk-Tarife sind unflexibel geworden

Zwar sind die Mobilfunk-Preise in Deutschland in den vergangenen Jahren gefallen. Doch nicht für alle Kunden sind die aktuellen Tarife passend. Oft zahlen die Nutzer für Leistungen, die sie überhaupt nicht benötigen.

Handy-Nutzer zahlen oft für Dienste, die sie gar nicht brauchen Handy-Nutzer zahlen oft für Dienste, die sie gar nicht brauchen
Foto: Vodafone
In den vergangenen Jahren hat sich bei den deutschen Mobilfunk-Anbietern kräftig die Preisspirale gedreht. Gesprächsminuten zu Preisen unter 10 Cent sind in grundgebührfreien Discount-Tarifen inzwischen Standard und selbst Flatrates für Gespräche in alle Netze sind schon für zum Teil weniger als 15 Euro im Monat zu bekommen.

Doch sind die Tarife wirklich besser geworden? Für Kunden, die die Pakete, die die Netzbetreiber und Provider heutzutage an den Mann und an die Frau bringen wollen, auch wirklich nutzen, mag dies tatsächlich zutreffen. Doch die Preismodelle im Jahr 2014 sind keineswegs für alle Kundenkreise günstig.

Tarife für Daten-Nerds sind Mangelware

Handy-Nutzer zahlen oft für Dienste, die sie gar nicht brauchen Handy-Nutzer zahlen oft für Dienste, die sie gar nicht brauchen
Foto: Vodafone
Der Autor dieses Artikels telefoniert beispielsweise sehr wenig, SMS-Nachrichten verschickt der kaum. Dafür nutzt er umso intensiver den mobilen Internet-Zugang. Wer einen wirklich passenden Tarif sucht, tut sich allerdings schwer. Bei den Netzbetreibern findet sich in der Regel nichts, bei Discountern nur mit Einschränkungen.

In den preiswerten Allnet-Flatrates sind oft nur 500 MB oder bestenfalls 1 GB ungedrosseltes Datenvolumen enthalten. Das mag für Kunden, die vor allem chatten und im Internet surfen wollen und dabei auch noch zuhause und am Arbeitsplatz einen WLAN-Hotspot zur Verfügung haben, ausreichen. Wer unterwegs - und somit über UMTS und LTE - auch Webradio hört, YouTube-Videos streamt oder Podcasts herunterlädt, gerät jedoch recht schnell an die Grenze seines Datentarifs.

congstar und Aldi Talk

Kunden, denen bis zu 3 GB Volumen ausreichen, können beispielsweise bei congstar den 9-Cent-Tarif wählen und für knapp 20 Euro ein Datenpaket buchen. Hier ist aber die Zukunft des LTE-Zugangs unsicher und es gibt keine brauchbare Datenoption zur Nutzung im Ausland (100 MB für knapp 10 Euro sind im Jahr 2014 leider ein schlechter Witz).

Bei Aldi Talk bekommen Interessenten sogar 5 GB für 14,99 Euro. Hier ist es auch zu sehr fairen Konditionen möglich, Volumen nachzukaufen, wenn die Inklusivleistung einmal nicht ausreicht. Doch auch hier fehlt eine brauchbare Lösung für die Nutzung im Ausland. 150 MB für knapp 5 Euro sind in Ordnung, doch es gibt keine größeren Roaming-Datenpakete und nach Verbrauch des Inklusivvolumens werden 23 Cent pro Megabyte berechnet und es dauert jeweils einige Stunden, bis sich das Auslands-Paket erneut buchen lässt.

Große Datenpakete vor allem bei den Netzbetreibern verfügbar

Ansonsten gibt es wirklich große Datenpakete vor allem bei den Netzbetreibern. Handelt es sich um einen reinen Datenvertrag, dann sind die Konditionen inzwischen sogar recht fair. So ist die 5-GB-Flatrate bei der Deutschen Telekom für 29,95 Euro zu bekommen - inklusive LTE-Zugang mit bis zu 150 MBit/s im Downstream. Auch eine echte Flatrate (ohne Drosselung) für die WLAN-Hotspots der Deutschen Telekom ist mit dabei.

Der Haken am Tarif: Er ist wirklich nur für den mobilen Internet-Zugang zu gebrauchen, nicht jedoch für Telefongespräche. Wer auch telefonieren möchte, dazu aber eine Daten-Flatrate mit 5 GB Highspeed sucht, muss - um beim Beispiel Deutsche Telekom zu bleiben - den Tarif Complete Comfort XXL buchen, der bei Online-Buchung in der SIM-only-Variante aktuell für aktuell 71,97 Euro im Monat angeboten wird. Der Aufpreis gegenüber dem reinen Datentarif beträgt demnach mehr als 40 Euro. Bei Vodafone ist es auch in reinen Datentarifen möglich, Telefongespräche zu führen. Allerdings ist der Minutenpreis mit 29 Cent sehr hoch, so dass sich der Tarif maximal für Telefonate im Notfall eignet.

Vorschlag: 9-Cent-Tarif zur Daten-Flatrate

Hier wäre etwas mehr Flexibilität und Kundenfreundlichkeit seitens der Mobilfunk-Anbieter gefragt. Ein fairer 9-Cent-Tarif für Telefonate und den SMS-Versand zu einem großen Datenvertrag mit mindestens 5 GB Highspeed-Inklusivvolumen pro Monat plus zeitgemäße Roaming-Option wäre beispielsweise ein Anfang. Gab es den 9-Cent-"by-call"-Tarif früher nur beim Discounter, so ist dieser Preispunkt mittlerweile auch in den Prepaidpaketen der Netzbetreiber angekommen.

Wünschenswert wäre, wenn die Netzbetreiber neben den Dreifach-Flatrates auch wieder Tarif-Baukästen anbieten würden, wo die Kunden zu einem Grundtarif genau diejenigen Optionen buchen können, die sie auch wirklich benötigen. Das mag kurzfristig zu geringeren Einnahmen führen, da die Nutzer nicht mehr gezwungen sind, Leistungen mitzubuchen, die sie nicht benötigen. Längerfristig könnten solche Tarife aber auch dazu führen, dass Anwender für diejenigen Dienste, die sie auch wirklich nutzen möchten, sogar mehr zahlen als bisher, da sie ein entsprechend höherwertiges Paket wählen.

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