Kontrollsystem

Mobilfunkanbieter wollen gegen Handy-Abzockfallen vorgehen (Update)

Neues Kontrollsystem soll Betrugsmaschen verhindern
Von dpa / Marie-Anne Winter
AAA
Teilen

Update: Mehr Details zur Kontroll-Plattform; o2 beteiligt sich ebenfalls

Immer wieder ärgern sich Handy-Kunden über unerwartete Posten auf ihrer Mobilfunk-Rechnung, wenn sie einmal mehr einem Betrüger auf den Leim gegangen sind. Zu den beliebtesten Fallen gehören kostenpflichtige SMS-Abos, die man ohne es zu wollen beispielsweise mit einem Klick an der falschen Stelle auf seinem Touchscreen-Handy abschließt. Gerade in der letzten Zeit machten Meldungen über derartige Betrugsmaschen mit Smartphone-Apps die Runde.

Jetzt endlich bereiten Mobilfunkanbieter in Deutschland ein Kontrollsystem für externe Anbieter von Handy-Diensten vor, das derartige Abzockfallen und Betrug unterbinden soll. Die heute von Vodafone vorgestellte Lösung betrifft alle Anbieter von Diensten, die über die monatliche Mobilfunkrechnung abgerechnet werden. Dazu gehören Anbieter von Handy-Spielen oder Klingeltönen.

Mobilfunker wollen gegen Abo-Fallen und weitere Betrugsmaschen auf dem Handy vorgehen.Mobilfunker wollen gegen Abo-Fallen und weitere Betrugsmaschen auf dem Handy vorgehen. Im Laufe des Jahres soll eine Online-Plattform mit der Bezeichnung "Kompetenzzentrum Mehrwertdienste" eingerichtet werden, auf der sämtliche Anbieter sogenannter Mehrwertdienste die wesentlichen Informationen über ihre Angebote, also den Preis, eventuelle Abo-Laufzeiten und Kündigungsfristen angeben müssen. Diese verbindlichen Informationen werden dann in einem eigenen Fenster auf der Webseite des Anbieters angezeigt. "Mit diesen Daten wird ein Quell-Code generiert, der in die Website des Angebots eingebunden wird", erklärte der zuständige Produktmanager bei Vodafone Deutschland, Marc-André Fengler, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Die mit diesem Verfahren zertifizierten Partner können ein Qualitätssiegel auf ihrer Website anbringen.

Bezahlvorgang findet in eigenem Fenster statt

"Innerhalb dieses Fensters wird der Kunde durch den Bezahlvorgang geführt", erklärte Fengler weiter. Wenn jemand das Produkt zum genannten Preis kaufen will, gibt er seine Handy-Nummer ein und erhält dann per SMS eine einmalige Transaktionsnummer (TAN). Diese gibt er im Fenster auf der Webseite noch einmal ein und bestätigt dann den Kauf. Damit soll ein ungewolltes Unterschieben von kostenpflichtigen Diensten und Abos unmöglich gemacht werden. Fengler erklärte, das Konzept sei vom Bundeskartellamt geprüft und freigegeben worden.

Bei der Deutschen Telekom sagte Firmensprecher Philipp Blank: "Das ist die Branchenlösung, an der wir gemeinsam arbeiten." Das Kontrollsystem werde in den kommenden Wochen eingeführt. Blank sprach von einer "entscheidenden Maßnahme für mehr Transparenz für die Verbraucher". Tatsächlich könnten mit der geplanten Lösung die Fälle von Abzocke, Betrug und Intransparenz eingedämmt werden.

Auch der Mobilfunkanbieter o2 bestätigte mittlerweile, dass er die neue Regelung ebenfalls voll unterstützen werde.

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat einen Gesetzentwurf gegen Kostenfallen im elektronischen Geschäftsverkehr vorgelegt, der dem Problem der Abo-Fallen generell einen Riegel vorschieben will: Vor einer Bestellung soll der Kunde mit einem Klick bestätigen, dass er den deutlich sichtbaren Hinweis auf die Kosten auch zur Kenntnis genommen hat. Allerdings sind Verbraucherschützer und Juristen skeptisch, ob diese Button-Lösung den Betrug tatsächlich wirksam eindämmen kann. Nach Angaben aus dem Bundesjustizministerium will das Kabinett die Beratungen über diesen Gesetzesentwurf voraussichtlich Ende März aufnehmen. "Bei einer Neufassung der gesetzlichen Vorgaben werden wir diese selbstverständlich integrieren", sagte Fengler.

Weitere Meldungen zu unseriösen Zahlungsaufforderungen

Teilen