Urheberrecht

Kopier­schutz: E-Books lassen sich weder verkaufen noch verschenken

E-Books kommen mit anderen Nutzungs­rechten als klassische Bücher. Mit dem Digitalen Rechte­management (DRM) schützen sich die Verlage vor unrechtmäßiger Verviel­fältigung der digitalen Werke.
AAA
Teilen (9)

E-Books sind die digitalen Versionen klassischer Bücher. Doch die Rechte­frage bei E-Books ist für viele Nutzer oft ein Buch mit sieben Siegeln. Im Gegensatz zum gedruckten Buch erwerben Leser nämlich keinen Gegenstand, der in ihren Besitz übergeht, sondern nur sogenannte Nutzungs­rechte am "gekauften" digitalen Werk.

Kopierschutz bei E-Books: DRM, mobi und WasserzeichenKopierschutz bei E-Books: DRM, mobi und Wasserzeichen Anders als ein Buch, das der Eigentümer nach Belieben verschenken oder weiter­verkaufen kann, werden Nutzungs­rechte in den jeweils geltenden AGB des Anbieters definiert. Besitzt der Leser lediglich das Nutzungs­recht an einem E-Book, darf er dieses weder weiter­verkaufen noch verschenken oder verleihen. Lediglich die Anfertigung einer Sicherungs­kopie für den Eigen­bedarf ist ihm gestattet. Ob diese Unter­scheidung zwischen Buch und E-Book rechtlich korrekt ist, ist umstritten und noch nicht endgültig entschieden. Gerade in Hinblick auf die Buchpreis­bindung in Deutschland ist der Ärger oft groß, wenn ein gleichermaßen teures Produkt mit derartigen Einschrän­kungen zu behandeln ist. Im August 2014 bestätigte das Oberlandes­gericht Hamm beispielsweise ein Urteil, nach dem Anbieter von E-Book- und Hörbuch-Downloads den Weiterverkauf der Dateien untersagen können.

Inwieweit die zukünftige Entwicklung der Recht­sprechung, Gesetzgebung und Politik weiter­gehende Verbraucher­rechte einräumen wird, als die, die den Nutzern jetzt zugesprochen werden, bleibt abzuwarten.

Urheberrecht: Von DRM, mobi/azw und Wasserzeichen

Welche Rechte am E-Book der Nutzer beim Kauf eines E-Books erwirbt, wird in den Nutzungs­bedingungen des Anbieters - in der Regel ein Online-Buch­händler - erläutert. Mit dem Digitalen Rechte­management (DRM) schützen sich die Verlage vor unrecht­mäßiger Verviel­fältigung der digitalen Werke. So gibt der Kindle von Amazon neben PDFs nur sogenannte mobi-Dateien wieder. Diese schützt Amazon mit dem hauseigenen azw-Format. Lädt ein Nutzer also ein E-Book auf seinen Kindle, wird dieses von Amazon mit einer Ziffernfolge versehen, die das Buch auf den E-Book-Reader des Besitzers prägt. Das Abspielen der Datei auf einem Kindle mit anderer Nutzer­kennung ist somit nicht möglich.

Auch E-Book-Reader, die statt mobi auf das häufiger genutzte ePub-Format setzen, verfügen im Regelfall über einen DRM-Kopier­schutz. Zur Verwaltung derart geschützter Dateien bringen viele Geräte bereits die Software Adobe Digital Editions mit. Mit der Software können sogenannte ACSM-Datei­formate geöffnet werden, eine Verschlüsselung, wie sie beispiels­weise Kobo oder Tolino anbieten. Bis zu fünf Endgeräte lassen sich unter einer Adobe-ID registrieren, auf die dann entsprechende Inhalte gespielt und wiedergegeben werden können.

Eine Alternative zum strikten Kopierschutz sind sogenannte Wasser­zeichen. Dabei werden die E-Books beim Kauf mit anonymisierten Nutzerdaten versehen, sodass eventuelle Kopien zurück­verfolgt werden können. Das Verfahren soll Nutzer davon abhalten, die elek­tronischen Bücher großflächig im Internet zu verteilen. Als einer der ersten Anbieter setzt der Händler eBook.de die Wasser­zeichen bei einigen Werken ein.

Kostenloser Lesestoff via Onleihe

Kopierschutz bei E-Books: Von DRM, mobi und WasserzeichenVirtuelle Bibliothek Auch immer mehr Bibliotheken greifen den E-Book-Trend auf und bieten neben der klassischen Buch-Ausleihe eine sogenannte Onleihe an. E-Books stehen hierbei meist im gängigen ePub-Format zur Verfügung, die Leihfrist richtet sich in der Regel nach der Art des Mediums: Zeitschriften können für eine Woche, Romane für knapp einen Monat geliehen werden. Zusätzlich bieten einige Bibliotheken zu den elektro­nischen Büchern auch E-Book-Reader zum Verleih.

Bei der Onleihe ist die Art des E-Book-Readers entscheidend: Der Kindle von Amazon eignet sich aufgrund seiner eingeschränkten Kompatibilität nicht für dieses Leihprinzip. Amazon setzt daher auf eine eigene Leihbücherei, die allerdings nur Prime-Mitgliedern zur Verfügung steht. Wie diese genau funktioniert, lesen Sie in einer weiteren Meldung. Anders Reader von Tolino, Kobo, PocketBook oder Trekstor, die unter anderem das ePub-Format unterstützen und somit für die Onleihe genutzt werden können.

E-Books ohne Urheberrechts­anspruch

Wer abseits der Onleihe kostenlose E-Books erwerben möchte, findet eine Auswahl von zumeist klassischen Werken über Webseiten wie beispielsweise dem Projekt Gutenberg. Die hier angebotenen E-Books stammen in der Regel von Autoren, die vor mehr als 70 Jahren verstorben sind und auf deren Werke daher kein Urheber­rechts­anspruch mehr besteht. Auch die Online-Buchhändler haben meist eine Auswahl solcher Werke im Repertoire.

Angeboten werden die Bücher häufig im ePub- bzw. PDF-Format. Besitzer eines Kindle müssen die Bücher daher vor dem Lesen zunächst umwandeln. Eine Möglichkeit, die Formate freier Bücher für einen E-Book-Reader anzupassen, sind kostenfrei im Internet erhältliche Konverter wie beispielsweise Calibre. Das Programm wandelt nahezu jede Datei in ein vorher festgelegtes Format um, wodurch auch ursprünglich nicht kompatible Bücher auf dem Reader wiedergegeben werden können.

Auf weiteren Seiten zu E-Book-Readern lesen Sie, welche Entwicklung die Geräte genommen haben, welche Modelle es gibt und worin sich die verschiedenen ePaper-Displays unterscheiden:

Weitere Ratgeber zu E-Book-Readern

Teilen (9)

Mehr zum Thema E-Book