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Guruplug Server Plus: ein kleiner Server, der lärmt wie ein Großer

Von Falko Benthin
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Mit den Guruplugs hat Globalscale Nachfolger des beliebten Sheevaplugs ins Rennen geschickt. Wie diese basieren sie auf der Marvell-Kirkwood-Plattform, bringen aber schnellere Ram-Bausteine und mehr Schnittstellen mit. Der Guruplug Server Plus kommt mit zwei Gibabyte-Ethernet-Ports, zwei USB-2.0-Ports, einem eSATA-Anschluss und einem Slot für MicroSD-Karten daher. Darüber hinaus verfügt das Gerät auch noch über Wifi b/g, ein Bluetooth-Modul und einen U-SNAP-Anschluss, so dass es durchaus als kontaktfreudig bezeichnet werden kann. Für die täglichen Aufgaben ist der Guruplug Server mit 512 MB Arbeitsspeicher und 512 MB persistenten Flash-Speicher versehen.

guruplug_0 Die kleinen Server messen gerade einmal 95 mm x 65 mm x 48,5 mm, doch sobald sie ans Stromnetz angeschlossen sind, lärmen sie mehr als ausgewachsene Desktoprechner. Die Gründe dafür liegen in den Hitzeproblemen der Guruplugs der ersten Generation. Um die Geräte vor dem Hitzetod zu bewahren, kam Globalscale auf die glorreiche Idee, einen 2 cm großen Lüfter zu integrieren, der die ganze Zeit auf Hochtouren läuft. Wer plant, sich mit einem derartigen Minirechner einen Raum zu teilen, sollte noch einmal nachdenken, ob nicht auch ein Server Standard oder ein Sheevaplug reichen, denn diese arbeiten absolut lautlos.

guruplug_2 Vom Lärmpegel abgesehen machen die Geräte den Eindruck, als ob man sie mit der ein oder anderen Aufgabe betrauen kann, denkbare Einsatzszenarien wären File- und Printserver, Webserver oder Hausautomatisierung. Die Guruplugs werden bereits mit einer abgespeckten ARM-Version von Debian 5.0 ausgeliefert, 512 MB-Flash-Speicher erlauben auch keine umfangreichen Installationen. Wer plant, einen Webserver nebst Datenbanken oder einen Dokumentenserver mit Scan- und Druckfunktion in Betrieb zu nehmen, kommt um zusätzliche Speichermedien nicht herum.

guruplug_minicom Die erste Kontaktaufnahme ist etwas hakelig. Anders als beim Sheevaplug ist ein zusätzliches JTAG-Board notwendig, um Gerätefehlern auf die Schliche zu kommen oder ein neues Betriebssystem zu installieren. Das ist je nach Händler nicht unbedingt im Lieferumfang enthalten und kann zu manch bösem Ewachen führen. Mit dem JTAG-Board und einer Terminaemulation für serielle Kommunikation, z.B. Minicom oder Putty, ist jedoch die Verbindung zum Server schnell hergestellt. Sobald der Bootvorgang beginnt, haben Anwender drei Sekunden Zeit, ihn abzubrechen, etwa, um eine neue Version des Boot-Loaders U-Boot oder ein neues Betriebssystem zu installieren.

guruplug_1 Der Boot-Vorgang ist nach ca. 30 Sekunden abgeschlossen, der Standardlogin ist root/nosoup4u. Nach dem Einloggen sollten sofort einige Anpassungen vorgenommen werden, ganz besonders das Ändern des Root-Passworts. In der ursprünglichen Konfiguration weist der Guruplug einige Schwächen auf, die jedoch schnell zu beheben sind. Beispielsweise steht in der /etc/apt/sources.list eine fehlerhafte Repository-Quelle, die auskommentiert werden kann und der Guruplug bietet sich per default kräftig als offener Access Point an. Grund ist das kleine Script /root/init_setup.sh, das bei jedem Neustart aufgerufen wird, denn das zeichnet sich für den AP-Modus des Gerätes sowie LED-Leuchten und Bluetooth-Funktionen verantwortlich, so dass sich hier mehrere Zeilen mit Kommentarzeichen versehen lassen. Ohne Bluetooth und Wifi sinkt der Stromverbrauch des Guruplug auf 4 Watt.

Wer die /etc/network/interfaces geändert hat, um dem Guruplug eine seinen Idden gemäße IP zuzuordnen, sei es, um später bequem per Netzwerk und SSH auf das Gerät zugreifen zu können oder es mit neckischen Aufgaben ins Netzwerk zu integrieren, wird sich nach einem Neustart wundern, denn die Einstellungen sind für die Katz. Hier hilft es, mit "update-rc.d -f ifplugd remove" den Dienst ifplugd zu deaktivieren und am besten gleich auch noch exim4, samba und x11-common, sofern sie nicht gebraucht werden. Einige Dienste, wie Samba, können von vielen Anwendern wohl auch komplett entsorgt werden. Wer bisher für derartige Einstellungen nur fröhlich bunte Hilfsanwendungen genutzt hat, muss umdenken, denn die komplette Konfiguration des Guruplug wird auf der Kommandozeile erledigt.

guruplug_4 Neben dem lärmenden Lüfter, etwas zu vielen per default gestarteten Diensten und dem recht steinigen Weg, das Betriebssystem zu ersetzen, hinterlässt der Guruplug Server Plus einen positiven ersten Eindruck. Im Betrieb gibt er sich mit einem Stromverbrauch von 4 bis 9 Watt zufrieden, was weniger ist, als manch anderer Rechner im Standby verbrät. Mit 160 Euro kostet er nicht die Welt, im Lieferumfang sind Netzkabel, USB-Kabel und Netzwerkkabel enthalten, und die Leistung reicht für die meisten Aufgaben im Heimnetzwerk vollkommen aus. Momentan laufen einigen Quellen zufolge Verhandlungen mit Globalscale, den wirklich weithin hörbaren Lüfter durch Kühlkörper zu ersetzen. Diese Option würde sich aber nur für Anwender eignen, denen es reicht, die Gigabit-Ethernet-Schnittstellen mit 100 Mbit zu betreiben.

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