GSM-R

Hintergrund: Ohne Mobilfunk fährt die Bahn nicht mehr

GSM–R ist der zentrale Kommunikationsstandard im Bahnverkehr
Von Rainhold Birgmann
AAA
Teilen (1)

Norwegische Bahnkunden staunten am vergangenen Montag nicht schlecht, als die Bahngesellschaft abends für drei Stunden den Zugverkehr komplett einstellen musste. Der Grund hierfür lag jedoch nicht in einem Stromausfall oder einem Streik: Es war der Ausfall des bahneigenen Mobilfunknetzes, der für den Stopp im gesamten Eisenbahnnetz sorgte (wir berichteten). Tatsächlich werden GSM-Rail-Netze für den Betrieb einer Eisenbahn immer wichtiger. Ein Ausfall, sei es auch nur ein regional begrenzter, sollte im Regelfall zwar nicht zu einem kompletten Einstellen des Betriebs führen. Aus der heutigen Eisenbahnwelt sind sie jedoch nicht mehr wegzudenken. Doch welche Besonderheiten hat dieser Mobilfunkstandard und wie hilft er beim Betrieb der Bahn?

Die Basis stellt GSM dar

GSM-R basiert auf dem GSM-Standard und stellt alle Funktionen, die auch GSM bietet, zur Verfügung. Das sind insbesondere Sprach- und Datenverbindungen zwischen zwei oder mehreren Endgeräten. Gegenüber dem gewöhnlichen GSM-Standard ist GSM-R jedoch erweitert. Des Weiteren wurde für GSM-R ein international genormter Funkbereich definiert, der sich etwas unterhalb des E-GSM-Bandes befindet. Vor allem deswegen sind GSM-R-Netze für normale GSM-Geräte unsichtbar. Die durch Anforderungen der Bahnen entstandenen Erweiterungen von GSM-R gegenüber GSM sind vielfältig und dienen letztendlich dem Zweck, die Funktionen des gewöhnlichen, analogen Bahnfunks auf das Mobilfunknetz zu übertragen. Mobilfunk und die Bahn

Zudem werden durch GSM-R sicherheitsrelevante Erweiterungen eingeführt und ein Datenkanal zwischen den Zügen und den Leitstellen bereitgestellt, der beispielsweise für das europäische Zugkontrollsystem (ETCS Level 2) erforderlich ist. Eine der Erweiterungen besteht darin, dass neben gewöhnlichen Rufnummern auch funktionale Nummern vergeben werden. So ist es beispielsweise möglich, einem Zugführer eines bestimmten Zuges eine feste, funktionale Nummer zuzuweisen. So kann die Leitzentrale durch Anwahl dieser Nummer, die sich im Regelfall aus einer Funktionsbezeichnung und den entsprechenden Zugnummern zusammensetzt, Verbindung zu der entsprechenden Person aufnehmen. Da die funktionale Rufnummer dynamisch an das jeweilige Endgerät gekoppelt wird, kann sichergestellt werden, dass der Zugführer eines bestimmten Zuges immer erreicht wird – unabhängig davon, welche Person dies gerade ist oder wo sich der Zug gerade befindet.

Auch können Anrufe priorisiert werden. So erreicht ein Notruf immer die betreffende Person, ein anderes Gespräch wird gegebenenfalls automatisch beendet. Umgekehrt können von einem Telefon aus mehrere andere Geräte erreicht werden. So kann ein Zugbegleiter beispielsweise alle Wagen eines Zuges gleichzeitig anrufen, um eine Durchsage zu machen.

Mobilfunk ermöglich höhere Netzauslastung

Von bestimmten Schnellstrecken oder anderen Neubaustrecken abgesehen stehen Leitzentralen oft vor einem relativ einfachen Problem: Die jeweiligen Strecken sind in Abschnitte unterteilt. Auf jedem Abschnitt darf sich nur ein Zug befinden. Wird ein Abschnitt also befahren, ist er für einen anderen Zug gesperrt. Gleichzeitig wird auf dem Abschnitt vor dem gerade besetzten Streckenteil die Geschwindigkeit reduziert um sicherzustellen, dass ein folgender Zug dem Vorausfahrenden nicht zu dicht folgt. Der Leitzentrale liegt in vielen Fällen jedoch nur die Information vor, dass ein Streckenabschnitt besetzt ist und welcher Zug dort fährt. Diese Informationen stammen von Induktionsschleifen zwischen den jeweiligen Gleisen. Unbekannt in solchen Fällen ist der Leitzentrale jedoch, mit welcher Geschwindigkeit der Zug unterwegs ist und wo er sich gerade auf dem Abschnitt befindet.

Auf der folgenden Seite lesen Sie, welche Vorteile GSM-R den Bahnbetreibern und den Bahnreisenden bringt.

1 2 letzte Seite
Teilen (1)