Politik

Grüne: Breitbandausbau durch Telekom-Anteile

Das Thema des Verkaufs der Telekom-Anteile ist wieder auf dem Tisch. Die Grünen wollen mit dem Geld den Glasfaserausbau fördern. Dabei geht es um einen Betrag von 10 Milliarden Euro.
Aus Berlin berichtet Thorsten Neuhetzki
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Dr. Klaus Holthoff-Frank, General­sekretär der Monopol­kommission sieht einen Verkauf der restlichen vom Staat gehaltenen Anteile an der Telekom für richtig. Das sagte er heute bei einem Fachgespräch der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen in Berlin, bei dem die Grünen den Verkauf der Anteile zu Gunsten der Förderung des Breitbandausbaus forderten. Holthoff-Frank, sagte, er stimme ausdrücklich zu, dass es durch die Anteile des Staates an der Telekom zu Interessenkonflikten kommt. "Eine scharfe Regulierung geht am Ende zu Lasten des Gewinns der Telekom, das sieht der Finanzminister nicht gerne, der auf die Dividende schaut."

Mit dem Geld, den eine Privatisierung der Telekom-Anteile bringt, wäre beispielsweise eine gezielte, punktuelle Förderung von Breitbandinfrastrukturen möglich. Dabei nannte er einen Betrag von 10 Milliarden Euro, der dadurch erlöst werden könnte. Damit blieben auch private Investitionen in ein Netz weiter möglich und notwendig.

Glasfaser für alle: 40 bis 100 Milliarden Euro

Jürgen Grützner (rechts) und Klaus Holthoff-FrankJürgen Grützner (rechts) und Klaus Holthoff-Frank Die Zahlen, die ein flächendeckender Glasfaserausbau kosten würde, gehen auseinander. Holthoff-Frank bezog sich auf Studien, die von 80 bis 100 Milliarden Euro ausgingen. Dr. Karl-Heinz Neumann, ehemaliger Geschäftsführer des WiK ergänzte, dass er diesen Betrag für zu hoch hält. Er geht von einem Betrag von 60 Milliarden aus. Dabei müsse man aber berücksichtigen, dass dieser Betrag davon ausgeht, dass man bei Null anfängt, ein Netz auszubauen. Das sei aber nicht der Fall, da es schon 2 Millionen Glasfaser-Anschlüsse gibt und die Glasfaserleitungen bis zum Kabelverzweiger, die für VDSL gebaut wurden und werden, genutzt werden können. Und letztlich gibt es auf noch die Kabelnetze, die mit ihrer HFC-Technologie ebenfalls dem Ziel, ein Gigabitnetz in Deutschland zu bauen, helfen. "Wir werden Schätzungsweise 40 Milliarden benötigen. Das ist viel, aber es sind keine 100 Milliarden Euro und ein Förderbetrag von 10 Milliarden würde hier enorme Anreize schaffen."

Auch Jürgen Grützner, Chef des Branchenverbandes VATM, forderte erneut den direkten Ausbau von Glasfasernetzen. "Wenn wir sagen, wir brauchen in zehn Jahren ein Glasfasernetz, dann kann ich nicht erst in neun Jahren anfangen. Wir werden mit diesen Trippelschritten, die wir derzeit sehen, nicht weiter kommen. Wir brauchen einen beschleunigten Ausbau und wir brauchen viel höhere Bandbreiten als die, von denen die Telekom ausgeht." Für einen direkten Ausbau passiver Glasfasernetze spricht für ihn auch, dass die Netze deutlich energiesparender seien als die Vectoring-Netze.

Wettbewerber müssen Glasfasernetze schneller ausbauen als die Telekom

Die Telekom habe das Interesse, die eigenen Kupferleitungen möglichst lange zu nutzen. Sie muss für die Leitungen zum Kunden keine Entgelte zahlen. Anders verhält sich das aus seiner Sicht, wenn ein Wettbewerber Vectoring einsetzt. Dieser muss für jeden Anschluss Entgelte an die Telekom zahlen. "Mitbewerber, die Vectoring einsetzen, haben dadurch einen höheren Druck, dann schnell weiter echte Glasfasernetze zu bauen. Vectoring erschwert den Glasausbau dann, wenn der Netzbetreiber, der das ausbaut, dann nicht schnell auf Glasfaser aufrüsten will." Einen Folgeausbau vom Kabelverzweiger durch den gleichen Anbieter werde es geben, doch kein zweiter Anbieter würde beginnen, parallel auszubauen.

"Das Ziel, bis 2018 mindestens 50 MBit/s für alle anbieten zu wollen, ist politisch rein willkürlich gewählt", sagt Wolfgang Heer vom Bundesverband Glasfaser (Buglas). Das führe dazu, dass man jetzt versuche, dieses Ziel zu erreichen, um dann das nächste Ziel auszurufen. Das sei aber nicht sinnvoll. Ohnehin geht er davon aus, dass das Ziel nicht mehr zu erreichen sei. Er geht von einer Quote von 87 bis 88 Prozent aus. "Das politische Ziel darf nicht irgendeine Bandbreite bis irgendwann sein, sondern ein Glasfasernetz." Dieses werde dann auch von HFC-Netzen, Mobilfunk oder WLAN-Access-Points genutzt.

Erst gestern auf der Anga Com in Köln moderierte VATM-Chef-Grützner eine Podiums-Diskussion, in der es um den richtigen Technologie-Mix beim Breitbandausbau ging. Die Resümees dieses Panels lesen Sie in einer weiteren Meldung.

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