Geodatendienste

Street View und Streetside: So kommt das Dorf groß raus

Akzeptanz der Dienste ist durch Widerspruchsmöglichkeit eher noch gestiegen
Von dapd /

Google Street View hat dem Tourismus in Oberstaufen genützt Google Street View hat dem Tourismus in Oberstaufen genützt
Montage: teltarif.de
Seit Ende Mai fotografiert Microsoft für seinen Dienst Streetside Straßen und Gebäude in mehr als 50 Städten in Deutschland ab. Einige der Bewohner wollen ihre Häuser und Wohnungen aber nicht im Netz sehen und legten Widerspruch ein - doch die Ablehnung war bei Weitem nicht so groß wie im vergangenen Jahr, als Googles Street View die ersten Bilder aus Deutschland ins Netz stellte. Am 2. November 2010 gingen Panorama-Bilder vom Kanzleramt online, dem Großen Stern in Berlin, von Fußballstadien - und einigen Straßen der Ortschaft Oberstaufen im Allgäu.

Oberstaufen im Allgäu hat von Street View profitiert

Google Street View hat dem Tourismus in Oberstaufen genützt Google Street View hat dem Tourismus in Oberstaufen genützt
Montage: teltarif.de
Von den Bildern der Hotels und Gasthöfe, der Wiesen und Wälder drum herum haben sich offenbar durchaus einige Menschen anlocken lassen. "Unsere Gästezahlen konnten wir seit unserer Freischaltung in 'Street View' um rund 13 000 oder sechs Prozent erhöhen", sagt die Geschäftsführerin der Oberstaufen Tourismus Marketing GmbH, Bianca Keybach. Natürlich könne nicht sicher gesagt werden, ob dieser Zuwachs komplett oder zu welchem Teil er auf das Konto von "Street View" geht. Einige Urlauber hätten aber durchaus davon berichtet, dass sie dadurch zum ersten Mal von dem Ort gehört haben.

Unmittelbar nach der Freischaltung seien zudem die Besucherzahlen auf www.oberstaufen.de um 135 Prozent angestiegen. "Auch im langfristigen Vergleich sind die Zugriffe natürlich angestiegen - wobei das wohl sicher auch ohne Google der Fall gewesen wäre", sagt Keybach. Interessant sei jedoch, dass seit 2. November fast jeder zehnte Besucher der Website zum ersten Mal dort war.

Widerspruch gegen "Street View" sinnlos, wenn Bild auf "Panoramio" erscheint

Die Gemeinde hatte von Anfang an keine großen Vorbehalte gegen das Projekt. Andere hatten aber sehr wohl Angst vor einer Verletzung ihrer Privatsphäre. Mehr als 244 000 Menschen legten vorab Widerspruch dagegen ein, dass ihr Wohn- oder Einfamilienhaus bei "Street View" gezeigt wird. Mittlerweile gingen nur noch wenige Widersprüche ein, sagte der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar auf Anfrage.

Allerdings gebe es inzwischen Beschwerden, dass in dem ebenfalls zu Google gehörenden Bilderdienst "Panoramio" Häuser unverpixelt gezeigt werden, die bei "Street View" verpixelt wurden. Dagegen könne die Behörde aber nicht vorgehen.

Auch wenn sich die Aufregung um "Street View" weitgehend gelegt hat, werde das Thema für diejenigen, die Widerspruch eingelegt haben, "erst dann ganz durch sein, wenn auch die Widerspruchsdaten gelöscht wurden, die zurzeit noch - aus Revisionsgründen - gespeichert bleiben müssen", sagt Caspar. Den teils hitzigen Streit um "Street View" im vergangenen Jahr erklärt sich der Datenschützer unter anderem damit, dass niemand genau wusste, wie der Dienst aussieht und inwiefern die Privatsphäre betroffen sein könnte.

Angst vor dem Kamera-Auto hat den Diensten nicht geschadet

"Das Google-Auto war für viele Menschen Sinnbild einer digitalen Welt, die dabei war, sich die analoge Welt umfassend anzueignen", sagt Caspar. Erst die Möglichkeit, dass auf Wunsch Häuserfronten verpixelt werden, habe für Akzeptanz gesorgt. "Street View" habe gewissermaßen Pionierarbeit für Microsofts "Bing Streetside" geleistet.

Sowohl Google als auch Microsoft wollen mit ihren unter riesigem Aufwand zusammengestellten Straßenansichten auf lange Sicht natürlich vor allem eines: Geld verdienen. Die Bilder sollen ihre Kartendienste attraktiver machen und für steigende Nutzerzahlen sorgen, die dann auch höhere Einnahmen beim Verkauf von Anzeigen versprechen. Eine weitere Einnahmequelle ergibt sich, wenn die Unternehmen anderen Plattformen, wie etwa Bewertungsportalen, erlauben, ihren Dienst auf deren Seiten einzubinden.

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