Erfahrungen

Google Pixel C im Test: Was kann der Surface-Schreck?

Im Test muss das Google Pixel C beweisen, dass das nackte Android ein starkes Tablet-Betriebssystem ist - das gelingt trotz der guten Hardware nur bedingt.
Von Hans-Georg Kluge

Productivity: Googles Tastatur überzeugt nicht

Die Tastatur macht den Laptop. So oder ähnlich könnte man beschreiben, was die eigentliche Besonderheit des Pixel C ausmacht - immerhin soll das C ja für Convertible stehen. Es ist deswegen nicht als simples Tablet gedacht, sondern soll sich mit Hilfe der Tastatur auch für sogenannte Produktiv-Anwendungen eignen. Also vorrangig fürs Schreiben. Wer auf seinem Tablet dagegen auch mit Grafik-, Video- oder Sound-Anwendungen "produktiv" sein möchte, hat von der Tastatur naturgemäß nur wenig - außer die App unterstützt ein Keyboard.

Einen speziellen Eingabestift bietet Google nicht an. Das ist schon schade: Zum Beispiel löst Microsoft beim Surface-Pen die Sache so, dass bei Stifteingabe Berührungen des Displays mit dem Handballen ignoriert werden - das Tablet eignet sich dann als echter Notizblockersatz. Das Pixel C eher nicht, weil die allgemeinen Stifte für kapazitive Displays meist ungenau sind und zusätzliche Berührungen vom Handballen weitere Eingaben zur Folge haben.

Trotz des geringen Abstands zwischen der Zahlenreihe und dem Display sind die Tasten noch ganz gut zu erreichen. Trotz des geringen Abstands zwischen der Zahlenreihe und dem Display sind die Tasten noch ganz gut zu erreichen.
Bild: teltarif.de
Aber zurück zur Tastatur. Auffällig ist zunächst das hohe Gewicht: Die Tastatur des Pixel C wiegt alleine 399 Gramm! Zum Vergleich: Das Tablet wiegt ohne Tastatur 500 Gramm. Sind beide zusammengesteckt, kommt die Kombi so schon auf ein Gewicht von 900 Gramm - und das macht sich deutlich bemerkbar. Ob in der Tasche oder in der Hand getragen: Stets kommt so das Gefühl auf, dass das Pixel C einfach zu schwer ist.

Das Pairing geht ziemlich flott und unkompliziert: Einfach das Tablet an die Verbindungsstelle andocken und das Tablet beginnt - lediglich ein Code muss auf der Tastatur eingegeben werden. Danach steht die Verbindung und das Pixel C wirkt wie ein kleiner Laptop. Im Verlauf des Tests mussten wir die Tastatur allerdings einmal neu koppeln, weil die Verbindung sonst nicht mehr zustande kam - Bluetooth at its best.

Und die Tastatur sorgt für eine weitere Enttäuschung: Ein Touchpad ist nicht integriert, sodass die Bedienung weitgehend auf den Touchscreen beschränkt ist. Für mich als MacBook-gewohnten User war der unwillkürliche erste Griff Richtung Touchpad also ein Griff ins Leere. Auch Tasten wie Home oder Recents sind auf der Tastatur nicht vorhanden - ein weiterer Minuspunkt. Kurios: Immerhin hat Google eine eigene Suchtaste eingebaut. Nun gut: Das Pixel C ist jetzt immerhin im Laptop-Stand und eignet sich nun also für Texteingaben gut, richtig? Mitnichten, denn die Tastatur klappert fröhlich vor sich hin. Dabei ist der Tastenhub und -anschlag eigentlich in Ordnung - zumal für eine Tablet-Tastatur. Das Klappern stammt offenbar von den umliegenden Tasten.

Immerhin hält das Scharnier das Tablet sicher und es zeigen sich im Betrieb auch keine Balance-Probleme. Allerdings wackelt die Konstruktion etwas - je weiter oben wir auf das Display tippten, umso stärker fiel die Vibration aus.

Und dann wie vom Laptop gewohnt schnell das Pixel C mit Tastatur zusammenklappen, in der Taschen verstauen und weg? Nene, weil die Konstruktion dafür nicht gedacht ist. Also erstmal die Kombi flach klappen, dann das Tablet abziehen und die Tastatur umgekehrt auf das Display setzen. Das geht mit anderen Tablets schneller.

In der Praxis: Lightroom, Chatten und Dokumente bearbeiten

Dann wiederum kann das Pixel C in mancherlei Hinsicht durchaus glänzen: Fotos bearbeiten via Lightroom? Ja, da kann das Pixel C glänzen. Zwar ist Lightroom nicht gerade der Usability-Champ unter den Android-Apps, aber die Performance stimmt auf dem Pixel C. Änderungen werden direkt mit der Cloud abgeglichen, sodass die Bearbeitungsschritte auch auf dem heimischen PC zu sehen sind. Die Vorschau von Foto-Anpassungen wird schnell und mit nur kurzen und nicht störenden Verzögerungen berechnet.

Die Tastatur ohne das Pixel C Die Tastatur ohne das Pixel C
Bild: teltarif.de
Messaging ist mit dem Pixel C ebenfalls möglich und auch hier spielt das Tablet seine Stärken aus. Die größere Bildfläche ist bei Messengern wie Slack oder Hangouts praktisch. Beim Chatten macht die Tastatur einen ganz guten Eindruck - ohne aber wirklich zu glänzen. Während auf einem Smart­phone die Breite der virtuellen Tastatur zum Tippen recht praktisch ist, fällt die virtuelle Tastatur beim Tablet ab: Hier fehlt wegen der Breite des Displays eine komfortable Handposition.

WhatsApp Web funktionierte mit dem Standard-Browser Chrome zunächst nicht, dafür aber mit dem nachinstallierten Opera. Und Twitter-Freunde können bei manchen Dritt-Anbieter-Clients zwei Timelines nebeneinander anzeigen. Google+ wiederum kommt mit der breiten Darstellung gut zurecht und wirft Statusmeldungen in zwei Spalten auf das Display.

Richtig: Das alles sind keine Spezial-Anwendungen für das Pixel C. Die Quintessenz ist insofern, dass das Pixel C ein gutes Android-Tablet ist, das bei angepassten Apps auch eine gute Figur macht. Einen echten Mehrwert bringt Googles Tastatur hingegen kaum.

Lautsprecher, Connectivity und Akkulaufzeiten

Die Stereo-Lautsprecher des Pixel C sind seitlich am Rahmen angebracht. Sie sind in der Mitte platziert, wo es aber auch mal vorkommt, dass die Hand die Öffnungen verdeckt. Der Klang ist in Ordnung für ein Tablet und zum Spielen. Für Musik eignen sich die Lautsprecher jedoch eher nicht, weil ihnen sowohl der Bass als auch die Präzision fehlt.

Das Pixel C nimmt nur via WLAN Kontakt zum Internet auf. Dabei unterstützt das Tablet alle wichtigen Standards - einschließlich WLAN ac. Die Empfangsleistung und der Datendurchsatz sind tadellos. Eine Lücke klafft jedoch in puncto Mobilität, denn Google verzichtet auf eine Mobilfunk-Schnittstelle - nicht einmal optional ist diese verfügbar.

In unserem Test konnte die Akkulaufzeit durchaus überzeugen. Im Alltag glänzt das Tablet mit langen Laufzeiten und es musste nur relativ selten an die Ladestation. Um aber vergleichbare Werte zur Laufzeit zu gewinnen, verwenden wir den Akku-Test von PCMark. Dieser misst die Zeit, die vergeht bis der Akku von 80 Prozent auf 20 Prozent gefallen ist - dabei führt der Akku-Benchmark Aufgaben wie Video ansehen und Surfen aus. Trotz mehrfacher Versuche lief der Test jedoch nicht durch und lieferte somit keinen Wert. Reproduzierbar kam es im Laufe der Messung zu einem Absturz.

Mysteriöse Probleme mit Firmware-Update zum Teil behoben

Womit wir zu einem Abschnitt kommen, der sich beim Pixel C leider aufdrängt: Im Verlauf des Tests traten mehrfach mysteriöse Fehler auf. Besonders ärgerlich war zum Beispiel der Umstand, dass das Tablet nach einem System-Update nach einem Boot-Passwort fragte. Ein solches hatten wir aber gar nicht eingerichtet! Hierbei könnte es sich jedoch auch um eine Folge der Entscheidung handeln, den Android-Speicher ab Werk zu verschlüsseln. Auch eine dahingehende Rückfrage bei der Pressestelle von Google ergab keine befriedigende Lösung - ein Austausch-Gerät musste her. Erst dieses ließ sich dann uneingeschränkt verwenden.

Einige Male war bei unserem ersten Testgerät zu beobachten, dass der Touchscreen Wischbewegungen nicht erkannte. Zum Beispiel im Play Store: Längere Listings von Apps blieben trotz der Wischintention, hierin zu scrollen an Ort und Stelle. Erst ein zweiter Versuch brachte die Liste in Bewegung. Leider ließ sich dieses Verhalten nicht zuverlässig reproduzieren, sondern trat unregelmäßig und zufällig auf. Beim zweiten Testgerät trat dieses Problem hingegen nicht auf - wahrscheinlich wurde diese Fehlfunktion in der aktuellen Firmware gelöst.

Auch die schon erwähnten Software-Probleme bei PCMark und Republique müssen wir hier wiederholen: Denn vorstellbar ist ja durchaus, dass auch andere Apps Probleme bereiten.

Google Pixel C: Teures Tablet

Im Endeffekt ist das Pixel C mit einem Preis von 499 Euro (für das 32-GB-Modell) vor allem ein teures Tablet. Zusammen mit der Tastatur kommt unser Testgespann im Google Store sogar auf einen Preis von 668 Euro. Als Convertible enttäuscht das Pixel C jedoch. Im Markt der Android-Tablets ist derzeit aber kaum ein echter Konkurrent zum Pixel C zu sehen: Vielleicht die Highend-Tablets von Sony (Xperia Z4 Tablet) oder Samsung (Tab S2)? Beide können das Pixel C in puncto Performance nicht schlagen, kommen aber optional mit einer LTE-Schnittstelle - für mobiles Arbeiten ein wichtiger Pluspunkt. Gute Tastaturen bietet Asus bei den Transformer Pads.

Über den Android-Tellerrand hinaus geschaut lauern eigentlich die interessanteren Alternativen: Ob Microsofts Surface-Tablets, diverse Convertibles mit Windows 10 oder gar die iPads von Apple: Für Spieler könnte das iPad Air 2 (oder dessen demnächst erscheinender Nachfolger) eine spannende Gaming-Kiste sein. Windows-10-Tablets oder -Convertibles hingegen sind in puncto Produktivität dem Pixel C wohl überlegen, verzichten aber in der günstigsten Variante meist ebenfalls auf eine Mobilfunk-Schnittstelle.

Wer ein gutes und leistungsfähiges Android-Tablet sucht, sollte das Pixel C dennoch in die engere Wahl ziehen - die Tastatur ist ja kein Pflichtzubehör.

Fazit: Tja Google, das war wohl nichts! Oder doch?

Die Einzelnoten im Tablet-Test:
  • Technische Ausstattung: 1,3
  • Material / Verarbeitung: 1,3
  • Bedienung / Handling: 2
  • Betriebssystem / Apps: 2
  • Einschätzung des Redakteurs: 1,7
  • Gesamtnote: 1,7
Das Pixel C hatte Google recht überraschend während der Präsentation der Smart­phones Nexus 5X und Nexus 6P aus dem Hut gezaubert und damit für einen Wow-Faktor gesorgt. Aber im Alltag schneidet das Pixel C leider nicht so gut ab. Das Datenblatt stimmt eigentlich: Schneller Prozessor, praktischer Formfaktor, hochwertige Verarbeitung, tolles Display. Aber Begeisterungsstürme löst das Pixel C am Ende nicht aus. Das liegt nicht so sehr an der Hardware, sondern vielmehr an der Software. Hier muss Googles Android richtig nachlegen, sonst ist Frust beinahe unvermeidlich. Auch die Tastatur kann nicht überzeugen - es fehlen Android-spezifische Tasten und in Kombination ist das Pixel C ziemlich schwer.

Insofern muss das Fazit zweigeteilt ausfallen: Als reines Android-Tablet erfüllt das Pixel C alle Erwartungen - trotz der wenig angepassten Be­nutzer­ober­fläche von Android. Als Ultrabook- oder Convertible-Ersatz fällt das Pixel C hingegen durch. Insgesamt gibt es Hardware-technisch derzeit kaum ein besseres Android-Tablet - aber als iPad-Pro- oder Surface-Schreck geht das Pixel C nicht durch.

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