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Google Pixel C im Test: Was kann der Surface-Schreck?

Im Test muss das Google Pixel C beweisen, dass das nackte Android ein starkes Tablet-Betriebssystem ist - das gelingt trotz der guten Hardware nur bedingt.
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Im Test des Google Pixel C gehen wir der Frage nach, ob Googles Productivity-Tablet im Alltag den Mehrwert bietet, den der Hersteller offenbar bei anderen Android-Tablets vermisst. Denn indem Google das Tablet in seine Pixel-Geräte-Reihe einbindet, stellt der Konzern klar, dass die Hardware komplett im eigenen Haus konzipiert wurde - einen externen Partner wie bei der Nexus-Reihe gibt es nicht. Aber kann das Google Pixel C im Test überzeugen?

Highend-CPU, tolles Display, weitere Ausstattung ohne Strahlkraft

Das Google Pixel C im Test
Das Google Pixel C im Test
Das Pixel C hat eine Reihe interessanter Ausstattungsdetails. 10,2 Zoll misst das Display in der Diagonale und die Auflösung liegt bei 2560 mal 1800 Pixel - die daraus resultierende Pixeldichte von 308 ppi ist für Tablets ausreichend. In puncto CPU ist das Pixel C mit einem Nvidia-X1-Chip versehen und das Tablet verfügt über 3 GB Arbeits­speicher. Für ordentliche Leistung sollte also gesorgt sein, zumal Nvidia den aktuell wohl leistungsstärksten Grafikchip in petto hat.

Google Pixel C
Die weitere Ausstattung ist weniger spektakulär: Eine 8-Megapixel-Kamera auf der Rückseite und eine 2-Megapixel-Kamera auf der Vorderseite schießen Fotos oder Videos. Der interne Speicher ist je nach gewähltem Modell 32 oder 64 GB groß und kann nicht mittels einer Speicherkarte erweitert werden. Zwei Lautsprecher und vier Mikrofone sind in der Abteilung Audio zu finden. Als Betriebssystem ist Android 6.0.1 Marshmallow vorinstalliert. Google setzt praktisch in allen Details auf die Standard-Android-Optik und -Benutzeroberfläche.

Handling, Haptik, Verarbeitung

Das Aluminium-Gehäuse des Pixel C wirkt stabil und ist hochwertig verarbeitet. Zwischen Displayglas und Gehäuse ist der Übergang kaum fühlbar, Staub dürfte sich in den winzigen Spalten aber dennoch absetzen können. Angesichts der Materialwahl (Aluminium) geht das Gewicht des Tablets in Ordnung - die rund 520 Gramm sind aber schnell zu spüren, wenn das Tablet in nur einer Hand ruhen soll.

Auf der Rückseite ist eine blinkende Lichtleiste angebracht, die vor niedrigem Akkustand warnt oder beim Laden in den bekannten Nexus-Farben Gelb, Grün, Blau und Rot leuchtet. Der Effekt fällt aber eher in die Kategorie "Nice to have", denn im Alltag sehen höchstens Umstehende die Farbeffekte.

Display: Richtig gut mit einem Makel

Mit dem Display hat Google so weit alles richtig gemacht: Die Pixeldichte ist hoch genug, sodass einzelne Pixel nicht erkennbar sind - zumindest aus einer Entfernung von 30 bis 40 Zentimetern. Wer genau hinsieht, stellt aber fest, dass die Bögen von Schriften eben doch nicht komplett rund sind, sondern hier einzelne Pixel zu einer leichten Treppchen-Bildung führen. Störend sind diese Effekte jedoch nicht.

Die Verbindung zwischen dem Pixel C und der Tastatur ist fest und stabil.
Die Verbindung zwischen dem Pixel C und der Tastatur ist fest und stabil.
Farben stellt das Display eher neutral dar, Rot-Töne wirken natürlich und nicht knallig. Im Alltag lässt sich kein Farbstich feststellen. Auf maximaler Helligkeitsstufe stören Spiegelungen nur auf dunklen Farbflächen - zumindest innerhalb von Gebäuden. Im Freien sieht das etwas anders aus - hier kann eine helle Wolkenfläche durchaus störende Reflexionen verursachen.

Bei unserem Haupttestgerät - später mehr dazu - reagierte der Touchscreen schnell und zuverlässig auf Touch-Eingaben. Gleiches gilt auch für den Lagesensor, der beim Spielen ebenfalls zuverlässig und zügig reagierte.

Die Krux: Android macht als Tablet-System keine gute Figur

Gegenüber allen aktuellen Tablets mit (unverändertem) Android hat die Be­nutzer­ober­fläche vom Pixel C im Prinzip nur eine Besonderheit: Die Anordnung der virtuellen Navigations-Tasten. Klassischerweise sind die Tasten über die gesamte Bildschirmbreite verteilt: Links die Zurück-Taste, in der Mitte der Home-Button und rechts ist der Zugriff auf die Recents (die zuletzt verwendeten Apps bzw. der Taskmanager). Beim Pixel C hingegen wandert der Home-Button ebenfalls auf die linke Seite. Im Alltag erweist sich diese veränderte Anordnung der Navigationsbuttons von Android als nicht ideal - wobei hier wohl jeder Nutzer zu einer anderen Bewertung kommen wird. Nachteilig erwies sich für uns, dass der häufig genutzte Home-Button nur links zu finden ist - rechts ist hingegen der Recents-Knopf. Wir hätten uns einen zweiten Home-Button rechts gewünscht (und wie schon erwähnt auch auf der Tastatur). Weitere praktische Features? Fehlanzeige!

Angesichts der Zielsetzung des Pixel C bleiben außerdem Wünsche offen: Auf dem Homescreen zum Beispiel bleibt der Zugriff auf den App-Drawer stets in der Mitte, verschieben lässt sich das Icon nicht. Oder wie wäre es beispielsweise, zwei Apps nebeneinander anzuzeigen? Keine ganz abwegige Idee, wenn man Kommentare im Internet zum Pixel C liest oder einen blick zur Konkurrenz wirft, die ein solches Feature seit Jahren anbietet. Google hat immerhin in einer Fragerunde versprochen, ein solches Feature nachrüsten zu wollen. Tatsächlich wird Android N über entsprechende Funktionalitäten verfügen. Mutige Nutzer könnten diese bei Interesse auf dem Pixel C installieren. Trotzdem: Diese so besonders wichtige Funktion fehlt zum Testzeitpunkt, weswegen wir sie auch nicht berücksichtigen können. Wer das Multi-Window-Feature benötigt, der kann den Kauf des Pixel C höchstens als Wette auf die Zukunft betrachten - der Release-Termin für Android N ist im Herbst.

Viele Apps wiederum sind gar nicht so richtig auf die Größe des Displays optimiert. Selbst der Browser Chrome macht keinen bewundernswerten Eindruck - auf anderen Tablets jedoch ebensowenig. Manche Apps haben eine feste Ausrichtung - so geschah es zum Beispiel bei der App des Team-Messengers Slack, dass der Einrichtungsbildschirm im Hochformat angezeigt wurde, das Tablet war aber im Breitbildmodus (wegen der angeschlossenen Tastatur). Insgesamt hinterlässt das Pixel C in puncto Bedienbarkeit der Software einen durchwachsenen Eindruck.

Leistung: Google gibt sich keine Blöße

Google hat sich für den Chip X1 von Nvidia entschieden. Der macht eine richtig gute Figur, denn insbesondere die Grafikeinheit ist richtig flink. Allerdings verschenkt Google etwas Potenzial, denn der Maximaltakt des Chips ist im Pixel C etwas niedriger als möglich (gegenüber beispielsweise der Konsole Nvidia Shield TV, in der ebenfalls ein X1 zum Einsatz kommt).

Im Bereich der Benchmarks leistet sich das Pixel C mit seinem X1-Prozessor dennoch keine Schwäche. Bei 3DMark Ice Storm distanziert das Pixel C die Konkurrenz deutlich: Ganze 39 282 Punkte stehen hier zu Buche - ein Top-Wert, der weit über den Ergebnissen zum Beispiel eines Samsung Galaxy Tab S2 liegt, das auf gerade einmal rund 20 000 Punkte kommt. Das Pixel C schlägt dabei auch das Nvidia Shield Tablet (etwa 28 500 Punkte) um Längen. Erst der grafisch komplexere Slingshot-Benchmark von 3DMark bringt die GPU an ihre Leistungsgrenze - hier erreicht das Pixel C aber mit 3090 Punkten ebenfalls einen (zum aktuellen Zeitpunkt) sehr hohen Wert, der um Welten oberhalb der Highend-Konkurrenz (meist um die 1500 Punkte) liegt. Die Vorstellung beim Geekbench 3 hingegen ist weniger erbaulich: Hier kommt das Pixel C gerade einmal auf das Niveau eines Snapdragon 810. Das liegt daran, dass Nvidia Standard-CPU-Cores von ARM verwendet (wie auch Qualcomm beim Snapdragon 810). Die sind zwar durchaus leistungsfähig, kommen aber nicht an die optimierten CPU-Designs heran, die sonst bei Qualcommm (früher Krait, jetzt Kryo) oder Nvidia (Denver) zum Einsatz kommen.

Das Scharnier hält das Tablet magnetisch fest.
Das Scharnier hält das Tablet magnetisch fest.
Benchmarks sind jedoch nur eine Seite der Medaille: Vor allem im Alltag und in echten Spielen muss die Performance stimmen. Diesen Teil meistert das Tablet mit Bravour. Wir haben eine ganze Reihe anspruchsvoller 3D-Spiele ausprobiert - stets war das Gaming mit hohen Details ohne Ruckeln. Riptide GP2 lief mit den höchsten Grafik-Einstellungen vollständig flüssig. Das Spiel geht zwar durchaus als Grafik-Schmankerl durch, ist aber inzwischen auch schon zwei Jahre als. Also müssen neuere, anspruchsvollere Spiele her: Die Wahl traf auf Implosion und Republique. Leider gelang es nicht, Republique in einen funktionstüchtigen Zustand zu bringen - zwei Installationen schlugen fehl. In Implosion zeichnete das Pixel C die einzelnen Frames aber mit einer Ge­schwin­dig­keit auf das Display, dass es eine Freude war. Ruckler oder anderweitig störende waren nicht wahrzunehmen. Auch Tests anderer Spiele zeigen: Die Gaming-Leistung des Pixel C erscheint tadellos - soweit die Installation klappt.

Wenn da nicht eine kleine Einschränkung wäre: Für seine mobilen System-on-a-Chip-Designs holt sich Nvidia immer wieder Partner mit spektakulären Spielen ins Boot. Unlängst startete beispielsweise das Konsolenspiel Metal Gear Rising: Revengeance mit Prachtgrafik auf dem Shield TV von Nvidia (ebenfalls mit einem X1-Chip ausgestattet). Für die Shield-Tablets bzw. die Shield-TV-Konsole gibt es außerdem Spiele wie Doom 3, Half Life 2 oder - etwas weniger blutrünstig - spannende Zeitvertreiber wie Trine 2 und Contrast. Auf dem Google Pixel C lassen sich diese aber nicht installieren. Nun könnte man einwenden, dass diese Spiele zumeist einen Controller benötigen. Das stimmt, aber der lässt sich ja unproblematisch via Bluetooth mit dem Tablet verbinden. Kurzum: Für anspruchsvolle Zocker schöpft das Pixel C nicht das Potenzial aus, das Nvidia mit dem Chip offerieren würde.

Auf der zweiten Seite geht es weiter unter anderem mit Productivity-Anwendungen, der Akkulaufzeit und mysteriösen Problemen. Außerdem ziehen wir nicht nur ein Fazit, sondern deren zwei!

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