Pures Android

Pixel 3: Das neue Google-Flaggschiff im Test

Seit Ende Oktober ist das Google Pixel 3 in Europa auf dem Markt. Wir haben das Gerät einem Test unterzogen und berichten über Stärken und Schwächen des Boliden.
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Das Google Pixel 3 ist seit Ende Oktober in Deutschland erhältlich. Besonderheit gegenüber den meisten anderen Android-Smartphones ist das pure Google-Betriebssystem, das der Internet-Konzern zudem selbst entwickelt hat. Die einen Android-Fans mögen die Anpassungen, die Hersteller wie Samsung oder Huawei vornehmen. Andere Interessenten freuen sich über ein Handy wie das Pixel 3, das pures Android an Bord hat und bei dem der Hersteller schnelle Software-Updates garantiert.

In der Vergangenheit konnten die Pixel-Handhelds zudem mit ihrer Kamera punkten. Doch wie schlägt sich das Google Pixel 3 als aktuelles Modell in der Praxis? Wir hatten in den vergangenen Tagen die Möglichkeit, das in der 64-GB-Version 849 Euro teure Gerät einem ausführlichen Test zu unterziehen und berichten über die dabei gemachten Erfahrungen.

Google Pixel 3 im ausführlichen Test
Google Pixel 3 im ausführlichen Test

Lieferumfang und erste Eindrücke

Im Lieferumfang befindet sich neben dem Smartphone selbst auch ein ein Meter langes USB-C-Daten- und Ladekabel. Dazu kommen ein 18-Watt-Netzteil, ein kabelgebundener Kopfhörer, ein Adapter von einer 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse auf USB-C, mit dem sich handelsübliche Kopfhörer an das Google Pixel 3 anschließen lassen, sowie das "Werkzeug", mit dem der Schacht für die physische SIM-Karte geöffnet werden kann. Nicht zuletzt legt Google auch eine Kurzanleitung bei.

Das Google Pixel 3 ist 68 mal 146 mal 8 Millimeter groß und 148 Gramm schwer. Das Design erinnert an die Vorgänger-Version. Die Rückseite besteht nun aber aus Glas. Dabei ist die Rückseite mit Ausnahme des oberen Bereichs rund um die Kameralinse matt gehalten. Das sieht gut aus und sorgt dafür, dass deutlich weniger Fingerabdrücke aufgenommen werden als bei vielen anderen aktuellen Smartphones.

Fingerabdrucksensor auf der Rückseite

Auf der Rückseite befindet sich auch der Fingerabdrucksensor. Dieser wurde unterhalb der Kameralinse platziert, sodass der Sensor gut mit dem Zeigefinger erreichbar ist, wenn das Smartphone in der Hand gehalten wird. Zudem besteht nicht die Gefahr, dass man mit dem Finger versehentlich die Kamera erwischt und so die Linse verschmutzt oder sogar beschädigt. Im Test arbeitete der Fingerabdrucksensor schnell und zuverlässig.

Zwischen Display und Rückseite befindet sich ein Metallrahmen. Auf der rechten Außenseite ist der Ein/Aus-Schalter zu finden. Dazu kommen die Lautstärke-Tasten, die auch bei Einhandbetrieb gut erreichbar sind. Auf der Unterseite gibt es neben der USB-C-Buchse auch einen Schacht für die physische SIM-Karte. Das Google Pixel 3 verfügt darüber hinaus auch über eine eSIM.

Kamera und Fingerabdrucksensor
Kamera und Fingerabdrucksensor

Breite Ränder um das Display

Platz für den SIM-Schacht auf der Unterseite gibt es, weil die Stereo-Lautsprecher oberhalb und unterhalb des Displays angebracht wurden. Allerdings sind die Ränder hier dadurch vergleichsweise groß. Google verschenkt zu viel Platz bzw. der Touchscreen ist im Verhältnis zur Gerätegröße eigentlich zu klein. Hier sollte der Hersteller bei der nächsten Geräte-Generation unbedingt nachbessern.

Dank der Glasrückseite konnte Google erstmals auch die kabellose Aufladung des Akkus nach dem Qi-Standard ermöglichen. Zudem ist das Pixel 3 nach IP68 zertifiziert. Es soll demnach bis zu 30 Minuten lang einen halben Meter unter Wasser durchhalten, ohne Schaden zu nehmen. Nun wird man mit dem Smartphone vermutlich nicht baden gehen, aber zumindest die Nutzung bei Regen erscheint unproblematisch.

Starker Prozessor und nur 4 GB Arbeitsspeicher

Herzstück des Boliden ist der Qualcomm Snapdragon 845, dem allerdings nur 4 GB Arbeitsspeicher zur Seite stehen. Das Google Pixel 3 läuft einwandfrei, auch wenn mehrere Apps im Hintergrund geöffnet sind. Hier zeigt sich - ähnlich wie bei Apple -, dass Hard- und Software aus der gleichen Schmiede kommen und optimal aufeinander abgestimmt sind. Kaum ein anderes Android-Smartphone arbeitet so flüssig wie das Pixel 3.

Im 3D-Mark-Unlimited-Score haben wir 60 632 Punkte gemessen. Im Geekbench-Single-Core-Test brachte es das Google Pixel 3 auf 2360 Punkte, im Multicore-Test auf 8177 Punkte. Zum Vergleich: Das Samsung Galaxy Note 9 kommt bei 3D-Mark auf nur 41 066 Punkte, bei Geekbench wiederum auf 3717 bzw. 9004 Punkte. Google wäre gut beraten gewesen, seinem aktuellen Smartphone-Flaggschiff wenigstens 6 GB RAM mit auf den Weg zu geben, um dafür zu sorgen, dass das Gerät auch bei steigenden Anforderungen in zwei bis drei Jahren noch flüssig läuft.

Das Smartphone ist wahlweise mit 64 bzw. 128 GB Speicherplatz erhältlich. Die "größere" Variante schlägt dabei mit einem Aufpreis von 100 Euro zu Buche. Wer sich für das Gerät interessiert, sollte diese Mehrkosten einplanen, zumal sich die Kapazität nicht durch den Einsatz von microSD-Speicherkarten erweitern lässt. Bei der 64-GB-Version stehen nicht einmal ganz 50 GB zur freien Verfügung. Das kann schnell knapp werden, wenn viele Apps und Spiele installiert, viele Fotos und vor allem Videos aufgezeichnet werden.

Blickwinkelstabilität des Displays
Blickwinkelstabilität des Displays

5,5-Zoll-Display überzeugt

Das Google Pixel 3 hat einen angenehmen Formfaktor und liegt gut in der Hand. Das OLED-Display hat eine Diagonale von 5,5 Zoll und bietet eine Auflösung von 2160 mal 1080 bei einer Pixeldichte von 440 ppi. Farben werden in Apps, auf Fotos und Videos naturgetreu dargestellt und auch die Blickwinkelstabilität ist gut. Google hat sich beim kleineren der beiden aktuellen Pixel-Handhelds gegen eine Notch entschieden. Dafür ist der Displayrand recht breit. Insgesamt betrachtet ist der Touchscreen, der auch schnell und zuverlässig auf Eingaben reagiert, eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Pixel 2 aus dem vergangenen Jahr.

Ein interessantes Feature bietet der untere linke und rechte Gehäuserand des Smartphones. Hier ist zwar keine sichtbare Taste verbaut, der Bolide reagiert aber darauf, mit der Hand "eingequetscht" zu werden. In diesem Fall startet der Google Assistant. Umbelegen lässt sich diese "Taste" nicht, was aus der Sicht von Google verständlich ist, der mit dem Pixel vor allem seine eigenen Dienste in den Vordergrund stellen möchte.

SIM-Kartenslot und USB-C-Port
SIM-Kartenslot und USB-C-Port

Hauptkamera mit nur einer Linse

In den vergangenen Jahren begeisterten die Pixel-Smartphones vor allem durch ihre Kamera. In diesem Jahr überraschte Google, weil die rückseitige Hauptkamera nur eine Linse bekommen hat, während Huawei bei seinen aktuellen Spitzenmodellen drei Linsen verbaut und viele andere Hersteller zumindest eine Dual-Kamera integrieren. Die Kamera bietet eine Auflösung von 12,2 Megapixel mit einer f1/8-Blende.

Durch den Verzicht auf eine zweite Linse steht nur ein digitaler Zoom zur Verfügung. Google will dieses "Hardware-Manko" durch Software ausgleichen und in der Tat lieferte die Kamera des Pixel 3 im Test sehr gute Ergebnisse. Vor allem bei ungünstigen Lichtverhältnissen gelingen gute Fotos mit nur geringem Bildrauschen. Dennoch ist der Verzicht auf eine Dual-Hauptkamera unverständlich, zumal die Frontkamera (zweimal 8 Megapixel) sehr wohl über zwei Linsen verfügt, was die Weitwinkel-Tauglichkeit verbessern soll.

Original-Fotos der Haupt- und Selfie-Kamera

Damit Sie sich selbst ein Bild von der Qualität der Kameras machen können, haben wir die Test-Fotos im Original angehängt:

Videos lassen sich in Full-HD-Qualität aufzeichnen (1080p), allerdings nur mit 30 fps. Bei vielen Mitbewerber-Produkten sind 60 fps mittlerweile Standard. Auch dieser Punkt trübt - neben dem Verzicht auf die zweite Linse - den Blick auf die ansonsten gute Kamera. Die Technik ist schlicht nicht auf dem aktuellen Stand, was angesichts des hohen Verkaufspreises nicht zu rechtfertigen ist.

Stereo-Lautsprecher und Details zur Software

Für Multimedia-Enthusiasten hat Google Stereo-Lautsprecher verbaut. Da diese oberhalb und unterhalb des Displays platziert wurden, bekommt man auch einen echten Stereo-Effekt, wenn das Handy im Querformat gehalten wird. Die Lautsprecher sind auch wirklich laut. Auch in belebter Umgebung sollte der Rufton bei eingehenden Anrufen gut hörbar sein. Der Sound ist allerdings nicht sehr gut. Hier sind Huawei, HTC und Apple deutlich besser.

Als Betriebssystem kommt Android 9 (Pie) zum Einsatz. Dabei setzt Google nun verstärkt auf die Gestensteuerung - eine Entwicklung, die auch bei Apple seit Markteinführung des iPhone X zu beobachten ist. So sind die drei Android-typischen (virtuellen) Tasten am unteren Display-Rand nicht zu finden. Wer neu auf das Pixel 3 wechselt, muss sich an die Bedienung zuerst gewöhnen. Man findet sich aber recht schnell zurecht.

Auf dem Google Pixel 3 sind alle Google-Dienste vorinstalliert. Bloatware, wie man sie auf vielen anderen Android-Smartphones findet, gibt es hingegen nicht. Google will mindestens für zwei Jahre System-Updates und für drei Jahre Sicherheits-Aktualisierungen garantieren. Das ist im Vergleich zu anderen Android-Smartphones vorbildlich, im Vergleich zu Apple aber nach wie vor eher peinlich wenig, wenn man bedenkt, dass selbst ein fünf Jahre altes iPhone 5S noch mit der aktuellen Betriebssystem-Version ausgestattet werden kann.

Pures Android ohne Bloatware
Pures Android ohne Bloatware

Kein Dual-SIM trotz eSIM und Nano-SIM

Nicht durchdacht wirkt die Mobilfunk-Schnittstelle des Google Pixel 3. Diese unterstützt eine eSIM und eine Nano-SIM. Anders als bei der aktuellen iPhone-Generation muss sich der Nutzer aber zwischen diesen beiden SIM-Standards entscheiden. Der Parallelbetrieb, mit dem das Gerät zum Dual-SIM-Smartphone werden würde, ist nicht vorgesehen. Das ist nicht mehr zeitgemäß.

Weitere Features sind Bluetooth 5 LE, WLAN ac und NFC. Dazu kommt die Unterstützung für GPS, GLONASS, Beidou und Galileo. Der Akku hat eine Kapazität von 2915 mAh. In unserem standardisierten Akkutest kamen wir auf eine Laufzeit von sechs Stunden und 34 Minuten. In der Praxis kamen wir problemlos über den Tag. Zudem sorgt das mitgelieferte Schnellladegerät dafür, dass der Akku in weniger als zwei Stunden wieder voll ist.

Anstelle der eSIM kann auch eine Nano-SIM genutzt werden
Anstelle der eSIM kann auch eine Nano-SIM genutzt werden

Fazit: Solide Weiterentwicklung der Pixel-Reihe

Das Google Pixel 3 ist eine solide Weiterentwicklung des Vorjahresmodells. Es liegt gut in der Hand und hat ein hervorragendes Display. Allerdings sind die Ränder oberhalb und unterhalb des Touchscreens recht groß. Das ist eigentlich genauso wenig zeitgemäß wie der Verzicht auf eine zweite Linse bei der Hauptkamera, die dennoch sehr gute Ergebnisse liefert, gerade auch bei schlechten Lichtverhältnissen.

Der große Trumpf des neuen Google-Handys ist das unverbastelte Android-Betriebssystem inklusive der Garantie für schnelle Updates. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die verbaute Hardware nicht mehr ganz auf dem aktuellen Stand der Technik ist. Unverständlich ist der Verzicht auf die Dual-SIM-Funktion, obwohl das Gerät eSIM und Nano-SIM gleichermaßen unterstützt. Wer unbedingt ein "echtes Google-Phone" haben möchte, kommt um das Pixel 3 nicht herum. Ansonsten gibt es zu vergleichbaren Preisen bessere Alternativen.


teltarif.de Google Pixel 3

Gesamtwertung von teltarif.de
Google Pixel 3

PRO
  • Echtes Android
  • eSIM
CONTRA
  • Kein Dual-SIM-Betrieb
  • Keine Dual-Hauptkamera
  • Nur 4 GB RAM
Testzeitpunkt:
11/2018
Google Pixel 3
Testurteil
gut (1,7)
Preis/Leistung: 2,6
Bewertung aktuell: 1,7
Einzelwertung
Datenblatt
Erklärung Testverfahren
Testsiegel downloaden
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Einzelwertung Google Pixel 3

Google Pixel 3
Gesamtwertung
gut (1,7)
86 %
Preis/Leistung
2,6
  • Gehäuse / Verarbeitung 9/10
    • Material 9/10
    • Haptik 9/10
    • Verarbeitung Gehäuse 9/10
  • Display 8/10
    • Touchscreen 10/10
    • Helligkeit 6/10
    • Pixeldichte 7/10
    • Blickwinkelstabilität 9/10
    • Farbechtheit (DeltaE) 7/10
    • Kontrast 10/10
  • Leistung 9/10
    • RAM 8/10
    • Benchmark 3DMark 10/10
    • Benchmark Geekbench 8/10
    • Benchmark Browsertest 10/10
  • Software 10/10
    • Aktualität 10/10
    • Vorinstallierte Apps 10/10
  • Internet 10/10
    • WLAN 10/10
    • LTE 10/10
    • LTE Geschwindigkeit 10/10
    • 3G 10/10
    • Empfangsqualität 9/10
  • Telefonie 9/10
    • Sprachqualität 9/10
    • Lautstärke 9/10
    • Lautsprecher (Freisprechen) 7/10
  • Schnittstellen / Sensoren 9/10
    • USB-Standard 10/10
    • NFC 10/10
    • Navigation 10/10
    • Bluetooth 10/10
    • Kopfhörerbuchse 6/10
    • Video-Out 10/10
    • Fingerabdruckscanner 10/10
    • Iris-Scanner 0/10
  • Speicher 5/10
    • Größe 7/10
    • SD-Slot vorhanden 0/10
  • Akku 7/10
    • Laufzeit (Benchmark) 7/10
    • Wechselbar 0/10
    • Induktion 10/10
    • Schnellladen 10/10
  • Kamera 8/10
    • Hauptkamera
    • Bildqualität hell 9/10
    • Bildqualität dunkel 8/10
    • Bildstabilisator 10/10
    • Blende 8/10
    • Frontkamera
    • Bildqualität hell 8/10
    • Bildqualität dunkel 7/10
    • Video 6/10
    • Handling 10/10
  • Bonus 2
    • Pures Android, eSIM
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