Marktmacht

Google in Bedrängnis: EU-Parlament will Verbraucher­rechte stärken

Wer in Europa etwas im Internet sucht, setzt häufig auf Google. Zu oft, meinen manche. Google ist zu mächtig, fürchtet die EU-Kommission. Seit Jahren prüft die Brüsseler Behörde Auflagen für den Online-Riesen. Nun mischt sich das Europaparlament ein.
Von dpa / Paulina Heinze
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Die Übermacht Googles bei der Online-Suche ruft das Europa­parlament auf den Plan. Am Donnerstagmittag wollen die Abgeordneten in Straßburg über einen Entschluss zu Verbraucher­rechten im Internet in Europa abstimmen. Passagen im Entwurf des Textes, die indirekt auf den amerikanischen Suchgiganten abzielen, lösen Sorge in den USA aus.

Hochrangige Mitarbeiter des Kongresses zeigten sich "alarmiert". Bei einer Debatte im Europaparlament am Mittwochabend warnten viele Abgeordnete zwar vor der Macht Googles - doch in der Frage, was daraus folgen soll, waren sich die Volksvertreter keineswegs einig.

Der spanische liberale Europa­abgeordnete Ramon Tremosa, einer der Initiatoren des Entschließungsantrags, beteuerte: "Wir sind nicht gegen Google oder irgendwelche anderen US-Firmen. Wir sind gegen Monopole." Stattdessen wollten die Parlamentarier "eine faire und neutrale (Internet-)Suche im Interesse der Verbraucher". Die SPD-Abgeordnete Evelyne Gebhardt sprach von einer Verfälschung des Wettbewerbs im Internet.

Verdacht: Google bevorzuge eigene Dienste in Suchergebnissen

EU-Parlament / Google-LogoGoogles starke Stellung beschäftigt das EU-Parlament Mehrere Abgeordnete sprachen sich zwar für eine "neutrale" Internetsuche aus, warnten aber vor politischem Druck auf EU-Wettbewerbs­kommissarin Margrethe Vestager, die für Untersuchungen gegen Google zuständig ist. Bei dem seit Jahren laufenden Verfahren geht es zum Beispiel um Suchanzeigen in spezialisierten Bereichen wie dem Kartendienst Maps, Preisvergleiche oder die Suche nach Hotels und Restaurants. Der Verdacht lautet, dass Google eigenen Diensten in den Suchergebnissen zu starken Vorrang einräumt.

"Diese Entschließung sollte nicht (...) als Anweisung an die Wettbewerbs­kommissarin gelesen werden", warnte die britische Konservative Vicky Ford. Die tschechische Liberale Dita Charanzova mahnte, das Parlament müsse die Unabhängigkeit Vestagers respektieren. Vestager ermittelt eigenständig, der Antrag des Parlaments hat keinerlei bindende Wirkung für sie.

Einige Parlamentarier warnten vor übermäßigen Eingriffen in das Internet. Der polnische Christdemokrat Michal Boni appellierte: "Wir sollten nicht nach einem Südenbock suchen, um unsere eigenen Schwächen zu erklären."

Laut Entwurf des geplanten Entschlusses wollen die Parlamentarier die EU-Kommission auffordern, auch die "Entflechtung" von Suchmaschinen in Betracht zu ziehen. Zum Nutzen von Verbrauchern und Online-Anbietern sei eine stärkere Trennung von Suchmaschinen und ihren kommerziellen Angeboten zu erwägen. Dabei haben die Volksvertreter insbesondere den amerikanischen Branchen­giganten Google im Visier, der nach EU-Angaben in einzelnen EU-Ländern einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent hat.

Der Vorstoß aus dem EU-Parlament löst auch bei Spitzenpolitikern im US-Kongress Sorge aus. "Wir sind zunehmend besorgt über einen offensichtlichen Trend in der Europäischen Union, ausländische Firmen in Bezug auf die Digital­wirtschaft zu diskriminieren", schrieben die Vorsitzenden der Finanzausschüsse beider Kongresskammern in einem auf den 25. November datierten Brief an EU-Parlaments­präsident Martin Schulz (SPD). "Wir sind alarmiert wegen Vorschlägen, die sich gegen US-Technologiefirmen zu richten scheinen, Marktbarrieren schaffen und Innovationen behindern."

UPDATE: EU-Parlament regt Aufspaltung von Online-Suchmaschinen wie Google an

Die Abgeordneten haben eine Aufspaltung von Suchmaschinen-Betreibern ins Spiel gebracht. Falls nötig, sollten Suchdienste von anderen kommerziellen Dienst­leistungen getrennt werden, verlangten die Abgeordneten in einem heute in Straßburg verabschiedeten Entschluss.

In ihrem Entschluss forderten die EU-Volksvertreter, die Suchergebnisse sollten "frei von Verzerrungen und transparent" sein. Zudem müssten die EU-Wett­bewerbs­regeln umgesetzt werden. Damit wandten sich die Abgeordneten auch an die EU-Kommission, die seit längerem gegen Google ermittelt.

Konkrete Folgen hat das mit großer Mehrheit verabschiedete Papier nicht, es ist vielmehr als politische Stellungnahme zu verstehen. Gleichzeitig befeuert es aber die Debatte um die Marktmacht des Suchgiganten Google - der dabei namentlich nicht genannt wird.

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